Berlin

Studie dokumentiert zunehmende Bedrohungslage jüdischer Wissenschaftler

Im Emil-Fischer-Saal der Berliner Humboldt-Universität hinterlassen israelfeindliche Besetzer im April 2025 antisemitische Hassbotschaften und Terrorpropaganda. Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Eine neue Untersuchung des Netzwerks Jüdischer Hochschullehrender (NJH) beschreibt eine deutliche Zunahme von Angriffen auf und Bedrohungen gegen jüdische und israelische Wissenschaftler an Hochschulen im deutschsprachigen Raum seit dem 7. Oktober 2023. Auch Ausgrenzungserfahrungen der Forscher sind Teil der Studie.

Die Analyse, die gemeinsam mit den Wissenschaftlern Julia Bernstein und Marek Sierka erarbeitet wurde, fasst unter dem Titel »Zwischen Boykott, Bedrohung und Schweigen« erstmals systematisch Vorfälle an mehr als 100 Hochschulstandorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen. Erfasst wurden dabei unterschiedliche Formen von Angriffen – von körperlicher Gewalt und Drohungen über Boykottaufrufe bis hin zu digitaler Diffamierung und institutioneller Ausgrenzung.

Nach Darstellung der Autoren ergibt sich daraus ein Gesamtbild wachsender Belastung für betroffene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Viele von ihnen berichteten von einem Klima der Einschüchterung und Isolation, das sich seit Beginn des Gaza-Krieges weiter verschärft habe. Gleichzeitig wird kritisiert, dass Hochschulen und Institutionen in zahlreichen Fällen nur unzureichend reagiert hätten.

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In der Studie wird betont, dass die Grenze zwischen legitimer politischer Kritik und antisemitischer Diskriminierung dort überschritten sei, wo Menschen aufgrund ihrer jüdischen oder israelischen Identität angegriffen oder zum Ziel von Boykottkampagnen gemacht würden. Besonders problematisch sei, dass sich solche Kampagnen zunehmend gegen einzelne Personen richteten und nicht nur gegen Institutionen.

Auch das Verhalten von Hochschulleitungen und studentischen Gremien steht im Fokus der Analyse. Viele Einrichtungen hätten antisemitische Vorfälle nicht konsequent benannt oder eingeordnet und Konflikte teilweise ausgeblendet oder relativiert, so die Autoren. Dadurch seien an manchen Orten Strukturen entstanden, in denen Einschüchterung und Ausgrenzung kaum noch wirksam entgegengetreten werde.

Die Veröffentlichung versteht sich laut NJH zugleich als wissenschaftliche Bestandsaufnahme und Warnung. Hochschulen, Wissenschaftseinrichtungen und Politik werden darin aufgefordert, antisemitische Vorfälle klar zu benennen, Betroffene besser zu schützen und die akademische Freiheit gegen ideologisch motivierte Boykott- und Druckkampagnen zu verteidigen. im

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