Großbritannien

Stadionverbot für Maccabi-Fans: Jüdische Verbände fordern Rücktritt von Polizeichef

Craig Guildford, der Chef der West Midlands Police Foto: picture alliance / empics

Mehrere jüdische Organisationen in Großbritannien fordern den Rücktritt des Polizeichefs der West Midlands Police, Craig Guildford. Anlass ist das umstrittene Stadion-Verbot für Fans von Maccabi Tel Aviv bei einem Europa-League-Spiel gegen Aston Villa am 6. November in Birmingham. Der Fall beschäftigt inzwischen ein parlamentarisches Gremium und hat eine landesweite Debatte über Antisemitismus, Sicherheitsbewertungen und politischen Einfluss auf Polizeientscheidungen ausgelöst.

Die Entscheidung, israelischen Anhängern die Reise zum Spiel zu untersagen, wurde formal von der lokalen Sicherheitsgruppe getroffen, stützte sich jedoch maßgeblich auf Einschätzungen der Polizei. Als Begründung wurden »Sicherheitsbedenken« genannt. Schon damals hatten Premierminister Keir Starmer sowie zahlreiche jüdische Verbände scharfe Kritik geäußert. Inzwischen hat ein Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments die Vorgehensweise der Polizei erneut unter die Lupe genommen.

Besonders umstritten sind Angaben der West Midlands Police zu angeblichen Vorfällen mit Maccabi-Fans bei einem Spiel in Amsterdam im Jahr 2024. Die britische Polizei hatte behauptet, israelische Anhänger hätten dort muslimische Gemeinschaften angegriffen. Die Amsterdamer Polizei widersprach dieser Darstellung später ausdrücklich und erklärte, die Gewalt sei vielmehr von Personen ausgegangen, die gezielt Maccabi-Fans attackiert hätten.

Entweder unbelegt oder falsch

Bei der jüngsten Anhörung im Parlament warf Ausschussvorsitzende Karen Bradley der Polizei vor, nachträglich Gründe für das Verbot »zusammengekratzt« zu haben. Guildford wies dies zurück und sagte: »Es tut mir leid, wenn es so wirkt. Das war absolut nicht der Fall.« Sein Stellvertreter Mike O’Hara erklärte, es habe Hinweise gegeben, dass Gewalttäter gezielt israelische Fans angreifen wollten.

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Deutlich härter fiel die Kritik aus Politik und jüdischen Organisationen aus. Die Vorsitzenden des Board of Deputies of British Jews und des Jewish Leadership Council erklärten gemeinsam, es bestehe der Eindruck, dass eine Entscheidung zuerst getroffen und anschließend nach Belegen gesucht worden sei, um sie zu rechtfertigen.

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Behauptungen über früheres Fehlverhalten von Maccabi-Fans seien entweder unbelegt oder falsch. Das Vertrauen der jüdischen Gemeinschaft in die Polizei habe erheblichen Schaden genommen. Sollte Guildford nicht zurücktreten, müsse die Regierung eingreifen.

»Nicht mehr haltbar«

Auch die konservative Parteichefin Kemi Badenoch meldete sich zu Wort. Die Polizei habe gewusst, dass Extremisten Angriffe auf Juden planten, und dennoch die jüdischen Fans ausgeschlossen. Das sei eine »Umkehr der Realität«. Auf der Plattform X schrieb sie, die Position des Polizeichefs sei nicht mehr haltbar.

Die West Midlands Police bestreiten hingegen weiterhin, politisch beeinflusst worden zu sein. Guildford sagte vor dem Ausschuss, es habe zwar Versuche gegeben, Einfluss zu nehmen, die Entscheidung sei jedoch unabhängig gefallen. Gleichzeitig räumte der Vorsitzende des Stadtrats von Birmingham, John Cotton, ein, er habe Zweifel an der Qualität der der Sicherheitsgruppe vorgelegten Informationen.

Inzwischen hat das Innenministerium die nationale Polizeiaufsicht angewiesen, die von der West Midlands Police vorgelegten Geheimdienstinformationen zu überprüfen. Der Bericht des Parlamentsausschusses wird in Kürze erwartet und dürfte kritisch ausfallen.

Juden als Sündenböcke

Auch international sorgt der Fall für Reaktionen. Das israelische Außenministerium bezeichnete das Vorgehen der britischen Polizei als »völlig beschämend« und sprach von Antisemitismus, wenn Israelis und Juden zu Sündenböcken gemacht würden, während die tatsächlichen Täter geschont würden.

Unterdessen muss Maccabi Tel Aviv auch bei Auswärtsspielen in Spanien auf die Unterstützung seiner Fans verzichten. Sowohl das Spiel gegen den FC Barcelona als auch die Begegnung mit Real Madrid wurden von den Behörden als Hochrisikospiele eingestuft und finden unter Ausschluss von Zuschauern statt. im

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