Den Haag

Schweizer Bundesrat wegen Völkermord angezeigt

Bundesrat Ignazio Cassis muss sich in Den Haag verantworten.
Bundesrat Ignazio Cassis muss sich in Den Haag verantworten. Foto: picture alliance/KEYSTONE

Gegen Ignazio Cassis ist beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag eine Anzeige eingegangen. Vorgeworfen wird dem Schweizer Bundesrat und Außenminister Beihilfe zu Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord. Dies teilte am Dienstag die Gruppierung »Stop Complicity« mit. Dahinter steht eine Gruppe von 25 Schweizer Anwältinnen und Anwälten, die die Mitteilung, wie die Anzeige in der juristischen Fachsprache richtig heißt, verfasst haben.

Der Vorwurf gegen Cassis lautet, dass die Schweiz im Rüstungsbereich mit Israel zusammenarbeite und militärisch nutzbare Güter nach Israel importiert habe, beziehungsweise dies nach wie vor tue. Auch wird ihm vorgeworfen, dass er die militärische Zusammenarbeit mit Israel nicht beendet und die Schweiz nichts unternommen habe, um die Eskalation in Gaza zu stoppen. Laut der Anzeigemitteilung hätte Cassis als Vorsteher des Außendepartements (EDA) Maßnahmen vorschlagen sollen, um die militärische Unterstützung Israels zu verhindern.

EDA nimmt Stellung

Laut dem Schweizer Radio und Fernsehen hat das EDA die Anzeige wie folgt kommentiert: »Das EDA hat zur Kenntnis genommen, dass ein Kollektiv Schweizer Anwälte heute dem Büro des Anklägers des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) eine Mitteilung mit Informationen zur Politik der Schweiz in Bezug auf Gaza übermittelt hat. Es liegt in der Verantwortung des Büros des Anklägers über die mögliche Relevanz der erhaltenen Informationen zu entscheiden.«

Die Haltung des Bundesrates sei klar. Seit den Angriffen vom 7. Oktober und dem Beginn des Krieges in Gaza habe er konsequent folgende Prioritäten verfolgt: »Einen sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand in Gaza, die unverzügliche und bedingungslose Freilassung aller Geiseln sowie einen ungehinderten humanitären Zugang.« Die Schweiz rufe unermüdlich zur strikten Einhaltung des Völkerrechts auf.

Anklage juristisch unwahrscheinlich

Seit der IStGH gegründet wurde, ist die Schweiz auch Vertragsstaat. Ob der Schweizer Bundesrat jedoch davor belangt werden könnte, ist fraglich. Dafür müsste der Gerichtshof Cassis als Hauptakteur erachten und sich selbst für den Fall zuständig sehen. Wie aus Expertenkreisen zu vernehmen ist, werden in der Regel nur die hauptverantwortlichen Personen tatsächlich angeklagt und allenfalls verurteilt. Juristisch gesehen, müsste also bewiesen werden, dass sich aus dem Handeln Cassis’ eine Straftat ergeben hat. Das heißt, er müsste auf Israel Einfluss darauf gehabt haben, damit Israel in Gaza die angeblichen Verbrechen begehen konnte.

Lesen Sie auch

Ex-Botschafter unterstützt Klage

Getragen wird sie auch von ehemaligen Mitarbeitern des Schweizer Außendepartements, so unter anderem auch vom früheren Schweizer Botschafter in Tel Aviv, Jean-Daniel Ruch, und dem ehemaligen stellvertretenden Staatssekretär Georges Martin.

Es ist nicht das erste Mal, dass es Klagen gegen Regierungsmitglieder in verschiedenen Ländern gab. Aber die Schweizer Landesregierung wurde noch nie in einem Verfahren vor dem Internationalen Strafgerichtshof angeklagt. Hauptanliegen solcher Rechtsfälle sind in der Regel PR-Aktionen oder Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erlangen.

Beirut

Israel: Hochrangiger Hisbollah-Kommandeur getötet

Im Krieg zwischen Israel und der libanesischen Terrororganisation ist keine Deeskalation in Sicht. In der Nacht trifft ein heftiger israelischer Angriff erneut Ziele in Beirut

 01.04.2026

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Gutachten missverstanden: Bundestagsdienst bewertet Iran-Angriffe nicht abschließend

Laut Medienberichten hat der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages den Iran-Krieg als völkerrechtswidrig eingeordnet. Die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« widerspricht in einer Analyse dieser Darstellung nun

 01.04.2026

Frankfurt am Main

Jüdische Filmtage: Kino kündigt Kooperation, Organisatoren üben scharfe Kritik

Die Jüdische Gemeinde sieht »faktisch eine Kapitulation vor antisemitischem Druck«, während die Astor Film Lounge ihre Entscheidung verteidigt

von Imanuel Marcus  01.04.2026

Dresden/Leipzig

Hitlergruß: Urteil gegen Melanie Müller ist rechtskräftig

Das Urteil gegen die Schlagersängerin wegen des Zeigens des Nazigrußes ist rechtskräftig. Warum sie die Revision zurückzieht und was das für sie bedeutet

 01.04.2026

Pessach

Preis der Freiheit

Unabhängigkeit und Selbstbestimmung entstehen nicht von allein. Sie müssen erstritten, manchmal sogar erkämpft werden

von Josef Schuster  01.04.2026

Berlin

»Arrogante Belehrungen«: Israelische Botschaft kritisiert Castellucci scharf

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung übt Kritik an der Jerusalemer Regierung für die Ausweitung der Todesstrafe. Die israelische Botschaft spricht von Doppelmoral

 01.04.2026 Aktualisiert

Buenos Aires

Argentinien stuft Irans Revolutionsgarden als Terrororganisation ein

Präsident Javier Milei begründete den Schritt unter anderem mit dem Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA im Jahr 1994, bei dem 85 Menschen ermordet wurden

 01.04.2026

Ottawa

PFLP-Ableger: Kanada löst Samidoun auf

Der Schritt erfolgt wegen »Nichteinhaltung« gesetzlicher Vorgaben. In Kanada war die Gruppe zuvor als Terrororganisation eingestuft worden

 01.04.2026

Washington D.C.

Trump stellt baldiges Kriegsende in Aussicht

»Ob wir ein Abkommen haben oder nicht, ist jetzt irrelevant«, sagt der amerikanische Präsident

 01.04.2026