Ramallah

Scharia und Unterstützung für »Märtyrer«: PA veröffentlicht Verfassungsentwurf

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas am Mittwoch bei einem Besuch in Oslo Foto: picture alliance / NurPhoto

Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) hat einen Entwurf für eine künftige Verfassung eines palästinensischen Staates veröffentlicht. Das Dokument, das auf Anordnung von Präsident Mahmud Abbas publiziert wurde, enthält zahlreiche politische und religiöse Festlegungen – und verzichtet vollständig auf einen Hinweis auf jüdische historische oder religiöse Bindungen an Jerusalem. »The Jerusalem Post« berichtete.

In dem Entwurf wird Jerusalem als »Hauptstadt des Staates Palästina« sowie als politisches, kulturelles und religiöses Zentrum bezeichnet. Zugleich verpflichtet sich der vorgesehene Staat, den islamischen und christlichen Charakter der Stadt zu schützen und jegliche Veränderungen ihres Status für ungültig zu erklären. Jüdische Bezüge oder das Judentum als Religion werden im gesamten Text nicht erwähnt.

Der Entwurf sieht den Islam als Staatsreligion vor. Die Scharia soll demnach die wichtigste Grundlage der Gesetzgebung bilden, religiöse Gerichte sollen in entsprechenden Streitfällen zuständig sein. Gleichzeitig wird formell die Religionsfreiheit betont und dem Christentum ein besonderer Status zugesprochen. Der Präsident müsste bei Amtsantritt einen Eid »bei Gott dem Allmächtigen« leisten.

Lesen Sie auch

Weitere Artikel bekräftigen bekannte politische Positionen der Palästinensischen Autonomiebehörde. Dazu zählen das »Rückkehrrecht« für Flüchtlinge, die Rolle der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) als alleinige Vertretung des palästinensischen Volkes sowie staatliche Unterstützung für Familien von »Märtyrern, Verwundeten und Gefangenen«. Diese Passagen würden die umstrittene Praxis finanzieller Zuwendungen an Familien verurteilter Attentäter faktisch festschreiben.

Im sicherheitspolitischen Teil werden laut »The Jerusalem Post« reguläre Sicherheitskräfte vorgesehen, die dem zivilen Kommando und demokratischer Kontrolle unterstehen sollen. Nichtstaatliche Milizen oder bewaffnete Gruppen wären laut Entwurf verboten. Gleichzeitig enthält das Dokument demokratische Elemente wie regelmäßige Wahlen, eine Amtszeitbegrenzung für den Präsidenten und Anforderungen an Kandidaten, darunter ein Mindestalter und die Aufgabe anderer Staatsbürgerschaften.

Die Präambel des Entwurfs wirft Israel »koloniale Besatzung«, »ethnische Säuberung« und »fortgesetzten Völkermord« vor und beschreibt die Verfassung als Schritt hin zu einem souveränen, demokratischen Staat. Kritik kommt auch aus den eigenen Reihen: Ein hochrangiger Vertreter der noch radikaleren Terrororganisation Hamas bezeichnete den Entwurf dem Zeitungsbericht zufolge als »Verletzung der edlen Rechte unseres palästinensischen Volkes« und rief dazu auf, das Dokument zurückzuweisen. im

Berlin

Ron Prosor warnt vor Hamas-Anschlägen: »Deutschland ist Terrorziel geworden«

Die Bundesrepublik sei für die Terrororganisation nicht mehr lediglich ein Ort des Rückzugs, sagt der israelische Botschafter

 14.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  14.09.2026

Mecklenburg-Vorpommern

Um Merz zu stürzen: Wagenknecht ruft zur taktischen Wahl auf

Eine Woche vor der Landtagswahl sagt die BSW-Gründerin, was sie mit der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern erreichen will

 14.09.2026

Berlin

Karin Prien warnt vor AfD: »Meine Mutter hätte Angst«

Die CDU-Politikerin mit jüdischem Familienhintergrund sprach auch von Warnungen ihrer Mutter hinsichtlich des zivilisatorischen Schutzes

 14.09.2026

Berlin/Magdeburg

Operationsplan Deutschland: Reservistenverband will Geheimplan vor AfD schützen

Bislang befindet sich der Plan bei sämtlichen 16 Landesregierungen. Die rechtsextremistische AfD in Sachsen-Anhalt soll ihn nicht bekommen

 14.09.2026

Medien

Studie wirft »New York Times« einseitige Gaza-Berichterstattung vor

Israel als »einziger Aggressor« und Palästinenser als »passive Opfer«: Diese Sichtweise ließ die Zeitung erkennen, so der Autor der Studie

 14.09.2026

Berlin

Volker Beck fordert von SPD und Grünen klare Absage an Bündnis mit der Linken

Beck begründet seine Forderung vor allem mit dem Umgang der Berliner Linken mit Antisemitismus und Israelhass

 14.09.2026

Tel Aviv

Omer Shem Tov: 505 Tage Gefangenschaft, Hunger und Einsamkeit

»Wegen der Angst konnte ich nicht atmen«, sagt die frühere Geisel über die 50 Tage, in denen er in völliger Dunkelheit leben musste

 14.09.2026

Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat bei der Abgeordnetenhauswahl 2026

Interview

»Unsere Brandmauer zu allen Antisemiten steht«

Steffen Krach, Berliner Spitzenkandidat der SPD, spricht über Israel-Hass bei der Linken, die »Fördergeldaffäre« der CDU und Vorwürfe, die SPD sei in Teilen von Islamisten unterwandert

von Detlef David Kauschke  14.09.2026