Ghetto-Renten

Recht für 20.000 Überlebende

Noch immer warten zahlreiche Schoa-Überlebende auf rückwirkende Anerkennung und Auszahlung ihrer Rentenansprüche. Foto: Marco Limberg

Am vergangenen Freitag, nur zwei Tage vor der Bundestagswahl, hat der Bundesrat einen Beschluss zum Thema Ghetto-Renten gefasst. Darin wird die nun zu bildende Bundesregierung aufgefordert, einen Gesetzentwurf vorzulegen, um »Nachzahlungen für Beschäftigungen in einem Ghetto rückwirkend ab 1997 zu ermöglichen«. Das betrifft noch rund 20.000 jüdische Rentner, die in Ghettos im nationalsozialistischen Herrschaftsbereich gearbeitet haben. Für fast alle dieser Beschäftigungen, die teils mit Geld, teils mit Naturalien entlohnt wurden, haben die jeweiligen Betriebe Rentenabgaben geleistet.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, sagte zu dem Beschluss: »Ich begrüße es sehr, dass der Bundesrat die von den Nazis geknechteten Arbeiter in den Ghettos nicht vergessen hat.« Nachdem der Bundestag es im Frühjahr abgelehnt hatte, späte Gerechtigkeit für die früheren Ghetto-Arbeiter zu schaffen, sei der Beschluss des Bundesrats besonders verdienstvoll, sagte Graumann. »Ich wünsche mir, dass der neu gewählte Bundestag die Initiative der Länderkammer möglichst rasch aufgreift und umsetzt.«

Gesetz Es geht bei dem von etlichen Verbänden geforderten Gesetz um Rentennachzahlungen für die Jahre 1997 bis 2005. Diese rückwirkende Zahlung hatte der Bundestag 2002 beschlossen, sie wurde aber nie getätigt. Etwa 90 Prozent der Anträge, die Schoa-Überlebende daraufhin gestellt hatten, waren von der deutschen Rentenversicherung abgelehnt worden – bis diese Praxis 2009 vom Bundessozialgericht für rechtswidrig erklärt wurde. Die daraufhin neu gestellten Anträge wurden zwar mehrheitlich bewilligt, aber erst mit einer Zahlung ab 2005, weil das deutsche Rentenrecht eine Rückwirkung nur bis zu vier Jahren vorsieht.

Mit den Stimmen der schwarz-gelben Koalition hatte der Bundestag die rückwirkende Rentenzahlung abgelehnt. Zuletzt hatte auch Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) gesagt, dass die Bundesregierung sich mit dem Thema beschäftigen solle. Auch aus dem Arbeitsministerium von Ursula von der Leyen (CDU) waren Vorschläge zu hören, wie man den sogenannten Ghetto-Rentnern zum Recht verhelfen könne. Nun hat der Bundesrat dafür gesorgt, dass das Thema auf der Tagesordnung bleibt.

Ideologie

Wer darf jüdische Geschichte deuten?

Wie das progressive Milieu jüdische Identität neu definiert und Juden zu Privilegierten und Unterdrückern erklärt

von Gunda Trepp  08.11.2026

Kirsten Fehrs

Regierungsbildung in Berlin

EKD-Ratsvorsitzende fordert klare Abgrenzung von Antisemiten

Der Umgang der Linken mit ihrer Abgeordneten Vanessa Emde sorgt seit Wochen für Diskussionen. Welche Maßstäbe legt die EKD bei Antisemitismus an Parteien an?

 08.11.2026

Antisemitismus

»WerteInitiative« startet Kampagne gegen Judenhass

Antisemitismus als Chamäleon: Der Verein WerteInitiative will mit einer neuen Medienkampagne auf blinde Flecken beim Kampf gegen Judenhass aufmerksam machen

 08.11.2026

Josef Schuster

EKD-Synode

Zentralratspräsident: 9. November mahnt zu Widerspruch

Antisemitische Witze, rassistische Sprüche – auch im Bekanntenkreis sollte das aus Sicht von Zentralratspräsident Schuster nicht unwidersprochen bleiben. Der Würzburger Bischof Jung sieht Kirchen in der Verantwortung

 08.11.2026

München

20 Jahre jüdisches Leben im Herzen Münchens: Synagoge Ohel Jakob

Das Judentum ist seit 20 Jahren wieder mitten in der bayerischen Hauptstadt verankert

von Christiane Ried  08.11.2026

Bankenviertel in Riad

Konflikt mit Saudi-Arabien

Huthi greifen Wolkenkratzer im Zentrum von Riad an

Die fast täglichen Angriffe der Huthi hinterlassen große Kratzer am Image Saudi-Arabiens als sicherer Ort für Geschäfte und Tourismus. Jetzt wird der Geschäftsbezirk von Riad getroffen

 08.11.2026

Vanessa Emde

Regierungsbildung in Berlin

Linke Emde weist Rückzugsforderung des Vorstands zurück

Die Berliner Linke-Abgeordnete Vanessa Emde soll ihr Mandat im Berliner Abgeordnetenhaus zurückgeben, so fordert es der Landesvorstand. Jetzt äußert sich Emde dazu – mit einer klaren Antwort

 08.11.2026

Gholam-Hossein Mohseni-Ejei

Menschenrechte

Iran richtet drei weitere Männer nach Massenprotesten hin

Die Proteste gegen die iranische Führung im Winter wurden gewaltsam niedergeschlagen – nun werden drei weitere Demonstranten hingerichtet. Menschenrechtler kritisieren das Vorgehen scharf

 08.11.2026

Constantin Schreiber

Wahl des Staatsoberhaupts

Constantin Schreiber kündigt eigenen Präsidenten-Kandidaten an

Das BSW schickt den früheren »Tagesschau«-Sprecher in die Bundesversammlung, doch der sieht politisch keine Gemeinsamkeiten mit der Partei. Was ihn trotzdem dazu bewegt, die Nominierung anzunehmen

 08.11.2026