Asyl

Protest gegen drohende Abschiebung von Hamza Howidy

Hamza Howidy Foto: Gustav Glas

Asyl

Protest gegen drohende Abschiebung von Hamza Howidy

Der Gazaner soll nach Griechenland zurückgeschickt werden, wo er erstmals Asyl beantragte. Er hat namhafte Unterstützer, die sich für seinen Verbleib in Deutschland einsetzen

von Imanuel Marcus  26.06.2025 09:37 Uhr

Hamza Howidy aus Gaza hat in Deutschland Berühmtheit erlangt. Denn er ist ein Aktivist, der sich sowohl gegen Antisemitismus als auch gegen den Islamismus einsetzt. Dies tat er in Gaza, wo er deshalb verfolgt und gefoltert wurde und nach Europa fliehen musste.

Im Februar des vergangenen Jahres kam Howidy nach Deutschland. Nun soll er im Rahmen des Dublin-Verfahrens nach Griechenland abgeschoben werden, denn dort hatte er zuerst Asyl beantragt. Doch Howidy wehrt sich gegen die Abschiebung, denn in Griechenland drohe ihm Gefahr.

»Während Deutschland zum sicheren Hafen für Islamisten wird, soll ich abgeschoben werden«, erklärte er gegenüber der »Welt«. »Ich könnte in jedem Moment abgeschoben werden und habe große Angst davor«, so der Palästinenser. Dies hat einen Grund: Islamisten hätten ihn in Griechenland mit dem Tod bedroht, erklärt er.

Sichereres Deutschland

Nach dem Massaker der Hamas im Süden Israels, bei dem am 7. Oktober 2023 1200 Menschen in Israel ermordet und 251 verschleppt wurden, hatte er die Hamas in einem Online-Video kritisiert. Es war nicht das erste Mal. Israelische Botschaften verbreiteten die Aufnahme. Das Ergebnis: Ein Terrorunterstützer, der im selben Asylcamp auf der griechischen Insel Samos wohnte, drohte, ihm den Kopf abzuschneiden.

Später, in Thessaloniki, wurde er erneut erkannt und als Kollaborateur beschimpft. Ihm gelang es, zu fliehen, bevor sein Gegenüber gewalttätig werden konnte. Ein israelischer Freund habe ihm nach diesem Zwischenfall empfohlen, ins angeblich sicherere Deutschland zu gehen.

Lesen Sie auch

Hier setzt er sich auch für eine Freilassung der von der Hamas festgehaltenen Geiseln ein, sowie für ein Ende des Krieges. Damit macht er sich Freunde unter Unterstützern Israels, aber auch mehr Feinde unter Terrorunterstützern und Judenhassern.

Namhafte Unterstützer

Am 26. Mai 2025 erhielt Howidy einen Brief des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, in dem es hieß, er müsse innerhalb einer Woche ausreisen, denn sein Antrag auf Asyl sei unzulässig und werde daher abgelehnt. Jetzt droht die Abschiebung. Das Bundesamt handelt nach dem Asylrecht und glaubt, Hamza Howidy könne auch in Griechenland von den Behörden geschützt werden. Laut »Welt« hält die Behörde seine Angaben, wonach er in Griechenland bedroht werde, für »weder konkret und anschaulich noch detailreich«.

Der betroffene Gazaner sagt, sein Einsatz gegen Judenhass und Islamismus sei nicht berücksichtigt worden. Er klagte gegen das Bundesamt. Vor gut einer Woche wurde seine Klage allerdings abgelehnt.

Howidy hat aber Fürsprecher, darunter Felix Klein, den Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung. Die »Welt« zitiert auch ihn: Der Asylbewerber aus Gaza habe sich aufgrund seines Einsatzes gegen die Hamas einer hohen persönlichen Gefährdung ausgesetzt und müsse eine dauerhafte Bleibeperspektive in der Bundesrepublik erhalten, so Klein.

Auch Armin Laschet, der heutige Vorsitzende des Abraham Accords Institute und frühere Ministerpräsident in NRW und Kanzlerkandidat der Union, will ein Bleiberecht für Howidy, ebenso wie Volker Beck, der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, und Tahera Ameer, die Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  02.07.2026 Aktualisiert

Augsburg

Neue »Initiative Antisemitismuskritik & Theater« gegründet

Rund 60 Theaterschaffende haben in Augsburg ein neues Netzwerk gegen Judenfeindlichkeit ins Leben gerufen. Ihnen geht es etwa darum, antisemitismuskritische künstlerische Werke zu entwickeln. Und sie wollen expandieren

von Christopher Beschnitt  02.07.2026

Protest

Zehntausende Gegner des AfD-Bundesparteitags in Erfurt erwartet

Erfurt hofft auf ein gewaltfreies Wochenende: Zum AfD-Bundesparteitag in der Stadt werden zehntausende Demonstranten erwartet. Kirchen, Parteien und Bündnisse rufen zu friedlichem Protest auf. Die Polizei bereitet sich auf mögliche Störungen vor

von Matthias Thüsing  02.07.2026

Nahost

Iran besteht auf militärische Kontrolle der Straße von Hormus

Die iranische Armee verlangt, dass Schiffe nur die vom Iran festgelegte Route durch die Meerenge nutzt

 02.07.2026

Diplomatie

USA und Iran sollen Fortschritte bei indirekten Gesprächen gemacht haben

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran erschweren eine Lösung der komplexen Konfliktlage im Nahen Osten. Nach indirekt geführten Gesprächen in Doha melden die Vermittler Fortschritte

 02.07.2026

Meinung

Was Deutschland von Albanien lernen kann

Wer immer noch überrascht tut und nicht konsequenter gegen die Mullahs vorgeht, handelt nicht nur fahrlässig, sondern lädt ihre Killer geradezu ein

von Ralf Balke  02.07.2026

Analyse

Vorteil Putin?

Früh hieß es, Russland sei einer der Profiteure des Iran-Kriegs und die Ukraine ein Verlierer. Doch das greift zu kurz

von Alexander Friedman  02.07.2026

Hintergrund

Wenn Juden- und Israelfeindlichkeit Extremisten aller Couleur vereint

Der Verfassungsschutzbericht 2025 verdeutlicht einmal mehr: Antisemitismus und Antizionismus sind der Bindekitt zwischen ansonsten inkompatiblen extremistischen Strömungen

von Michael Thaidigsmann  01.07.2026

Meinung

Warum Hessens Vorstoß mit der Meinungsfreiheit vereinbar ist

Die Landesregierung will die Leugnung des Existenzrechts Israels unter Strafe stellen. Mit einer veränderten Begründung und anderen leichten Modifikationen wäre der umstrittene Entwurf grundgesetzkonform

von Fiete Kalscheuer  01.07.2026