Soziale Medien

Plattform X: Israelfeindliche und antisemitische Inhalte aus Pakistan und der Türkei

Foto: picture alliance / Sipa USA

Auf der Plattform X sorgt ein neues Transparenz-Feature für erheblichen Wirbel: Seit Kurzem zeigt der Dienst an, aus welchem Land ein Account laut App-Store-Registrierung und Login tatsächlich stammt. Die Funktion sollte eigentlich dabei helfen, die Authentizität von Inhalten besser einschätzen zu können – doch sie legt nun in großem Umfang Diskrepanzen offen, die Zweifel an der Glaubwürdigkeit zahlreicher politischer Profile wecken. Die »Jerusalem Post« berichtete.

Seit der Einführung des Features fällt auf: Hochfrequentierte, oft anonyme Accounts, die israelfeindliche und antisemitische Inhalte verbreiten, stammen aus Ländern, die in ihren Profilen nicht erwähnt werden. Viele dieser Seiten geben sich als palästinensische oder westliche Aktivisten aus, werden laut X jedoch in der Türkei, Pakistan oder Nordafrika bearbeitet.

Nikita Bier, Produktchef von X, erklärte, die Funktion solle dazu beitragen, »die Integrität der Plattform zu sichern« und Nutzern eine Einschätzung darüber ermöglichen, wer wirklich hinter den Beiträgen steckt.

Angebliche Gaza-Reporter im Ausland

Sobald die Herkunft angezeigt wurde, reagierten einige Betreiber solcher Profile panisch: Manche Accounts löschten sich selbst, andere versuchten, die Angaben zu erklären. Ein Beispiel ist »Silenced Sirs«, ein Kanal, der angeblich libanesische Stimmen verstärken möchte, aber laut X über einen US-App-Store und möglicherweise aus dem Kongo agiert.

Ähnlich gelagert ist der Fall von »Censored Voice«, der inzwischen 24 Account-Namen durchlaufen hat und wohl aus Südasien kommt. Unterdessen betonen manche Betreiber, man müsse nicht aus den USA stammen, um Israel zu kritisieren. Ein User schrieb: » Muss ich aus Amerika kommen, um gegen Israel zu sein? Ja, ich gehöre zu den Menschen, die wegen ausländischer Staaten und wegen der Zionisten leiden.«

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Besonders heikel wird es bei Profilen, die vorgeben, aus Gaza zu berichten oder Spendengelder für vermeintliche Kriegsopfer zu sammeln. Einige dieser Konten, teils mit Hunderttausenden Followern, sind laut X weit entfernt von der Region aktiv: in Indonesien, Großbritannien, den Niederlanden, Nigeria oder Indien.

Nie in Gaza gewesen

Ein bekannter Betreiber, der sich als Journalist in Gaza ausgibt, erklärte, die angezeigte Ortsangabe sei falsch, weil sein Bruder aus dem Ausland Zugriff auf den Account habe. Andere Profile, die Spendenaufrufe verbreiten, sollen nie in Gaza gewesen sein.

Betroffen sind nicht nur israelfeindliche Seiten. Auch pro-israelische Profile, insbesondere Accounts angeblicher IDF-Soldatinnen mit attraktiven Profilbildern, erwiesen sich als Fakes – einige stammen laut X aus Nigeria oder Indien.

Daneben zeigt das Feature laut »Jerusalem Post«, dass radikale rechte oder antizionistische Accounts, die sich als Amerikaner ausgeben, tatsächlich aus Ländern wie der Türkei, Pakistan oder Saudi-Arabien posten. Ein pro-iranischer Aktivist wiederum tauchte plötzlich mit einer Herkunftsangabe aus Burkina Faso auf.

Israel begrüßt Enthüllungen

Aufgefallen sind außerdem Profile, die angeblich aus dem Iran stammen, obwohl der Zugang zu X dort offiziell blockiert ist. Stimmen, die gegen das Regime sind, nutzen offenbar VPNs und erscheinen deshalb als unscharf lokalisiert. Konten, die hingegen ohne VPN direkt aus dem Iran arbeiten, könnten Hinweise auf regimenahe Strukturen liefern.

Das israelische Außenministerium lobte die neue Transparenzfunktion ausdrücklich. Die Funktion habe »unzähligen falschen ‚Gaza‘-Accounts die Maske heruntergerissen«. Man habe es letztlich wiederholt mit Menschen zu tun, die »angeblich in Gaza leiden, aber tatsächlich in irgendeinem Café in Pakistan oder London sitzen«. im

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