Die Berliner Nova-Ausstellung zur Erinnerung an den Hamas-Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 stand wenige Tage vor ihrer Eröffnung offenbar vor dem Aus. Interne Dokumente, über die der »Tagesspiegel« berichtet, zeigen, dass die Finanzierung des Projekts bis zuletzt umstritten war. Dabei ging es vor allem um eine geplante Kürzung der Landesförderung in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro.
Die Ausstellung war am 5. Oktober 2025 von Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (CDU) in der Haupthalle des ehemaligen Flughafens Tempelhof eröffnet worden. Wegner hatte die Schirmherrschaft übernommen und die Unterstützung des Landes Berlin verteidigt. »Jeder einzelne Euro-Cent ist es wert«, sagte er damals mit Blick auf die rund 1,4 Millionen Euro an öffentlichen Mittel.
Zu sehen waren unter anderem nachgebaute Bereiche des Nova-Festivalgeländes mit zerstörten Fahrzeugen, Zelten und weiteren Originalobjekten. Videos der Hamas-Terroristen sowie Berichte von Überlebenden und Angehörigen sollten die Ereignisse des 7. Oktober dokumentieren. Bei dem Angriff auf das Festival waren mehr als 400 Menschen von palästinensischen Terroristen ermordet worden.
Kürzung der Förderung
Nach Recherchen des »Tagesspiegel« war die finanzielle Zukunft der Ausstellung bis kurz vor dem Start ungeklärt. Zwar hatte die Berliner Kulturverwaltung zunächst eine Förderung von rund 1,38 Millionen Euro bewilligt. Ende September sollte diese Summe jedoch deutlich reduziert werden – auf etwa 781.000 Euro. Auslöser war ein Streit über den Umgang mit erwarteten Einnahmen aus Eintrittskarten.
Die Veranstalter wollten die prognostizierten Einnahmen von etwa 618.000 Euro als Spenden behandeln. Mitarbeiter der Kulturverwaltung sahen darin jedoch ein Problem und hielten eine entsprechende Verrechnung für nicht zulässig. In einer internen Videokonferenz am 26. September wurde die Kürzung zunächst als notwendig dargestellt.
Wenige Tage später schaltete sich die damalige Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson ein. In einer Mail, die dem »Tagesspiegel« vorliegt, bezeichnete sie die Situation als möglichen »Antragsfehler« und bat darum, mit den Ausstellungsmachern so zu arbeiten, »dass es zu keinen weiteren Verzögerungen kommt«. Auch der Regierende Bürgermeister sei informiert worden.
Politische Beteiligung
Aus den Unterlagen geht dem Bericht zufolge hervor, dass die Vorbereitung der Ausstellung bereits Monate zuvor von verschiedenen Akteuren begleitet wurde. Koordiniert wurde das Projekt unter anderem von Benjamin Budde von der Budde Music Group. Beteiligt waren außerdem Vertreter zivilgesellschaftlicher und jüdischer Organisationen sowie eine Mitarbeiterin der israelischen Botschaft.
Auch Marc Wohlrabe, Mitarbeiter des CDU-Haushaltspolitikers Christian Goiny, war in die Abläufe eingebunden. Laut den Dokumenten sollte er dabei helfen, die Voraussetzungen für eine öffentliche Förderung zu schaffen. Die Finanzierung wurde schließlich Teil einer Liste von Projekten mit besonderer politischer Bedeutung.
Die Kosten der Ausstellung waren von Beginn an ein zentrales Thema. Ursprünglich lagen die Planungen deutlich höher als die später angesetzten rund 2,7 Millionen Euro. Nach Angaben eines Projektverantwortlichen seien schließlich 1,4 Millionen Euro in Abstimmung mit politischen Entscheidungsträgern zugesagt worden. Ob Wegner daran beteiligt war, bleibt dem Bericht zufolge offen.
Kritik innerhalb der Verwaltung
Mitarbeiter der Kulturverwaltung äußerten laut den internen Unterlagen Zweifel an der Förderfähigkeit des Projekts. Grund dafür seien unter anderem mehrfach veränderte Finanzierungspläne, neue Kostenpositionen und wechselnde Angaben zu erwarteten Drittmitteln gewesen. Ein Mitarbeiter schrieb, die kurzfristigen Änderungen sprächen gegen eine ordnungsgemäße Geschäftsführung.
Trotz dieser Bedenken unterzeichnete Sarah Wedl-Wilson Anfang Juli den Förderbescheid über 1,38 Millionen Euro. Der Bund beteiligte sich später mit 149.000 Euro an der Ausstellung. Aus dem Bundeshaushalt seien keine Hinweise auf Probleme bei der ordnungsgemäßen Geschäftsführung bekannt, erklärte eine Sprecherin.
Die kritische Situation unmittelbar vor der Eröffnung wurde schließlich durch eine Änderung des Finanzierungsmodells entschärft. Statt eines Eintrittspreises von 20,60 Euro kostete der Besuch sechs Euro. Zusätzliche Spenden sollten über eine eigens gegründete Nova Foundation abgewickelt werden. Dadurch sanken die erwarteten Einnahmen laut »Tagesspiegel« deutlich, die geplante Kürzung der Förderung wurde nicht umgesetzt. Warum die reduzierte Einnahmeerwartung nicht zu einer Anpassung der Fördersumme führte, sei aus den Unterlagen nicht ersichtlich. im