Berlin

Nova-Ausstellung: Interne Unterlagen zeigen Streit um Fördergeld

Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin, während einer Führung durch die Nova-Ausstellung für den Berliner Senat im November 2025 Foto: picture alliance/dpa

Die Berliner Nova-Ausstellung zur Erinnerung an den Hamas-Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 stand wenige Tage vor ihrer Eröffnung offenbar vor dem Aus. Interne Dokumente, über die der »Tagesspiegel« berichtet, zeigen, dass die Finanzierung des Projekts bis zuletzt umstritten war. Dabei ging es vor allem um eine geplante Kürzung der Landesförderung in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro.

Die Ausstellung war am 5. Oktober 2025 von Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (CDU) in der Haupthalle des ehemaligen Flughafens Tempelhof eröffnet worden. Wegner hatte die Schirmherrschaft übernommen und die Unterstützung des Landes Berlin verteidigt. »Jeder einzelne Euro-Cent ist es wert«, sagte er damals mit Blick auf die rund 1,4 Millionen Euro an öffentlichen Mittel.

Zu sehen waren unter anderem nachgebaute Bereiche des Nova-Festivalgeländes mit zerstörten Fahrzeugen, Zelten und weiteren Originalobjekten. Videos der Hamas-Terroristen sowie Berichte von Überlebenden und Angehörigen sollten die Ereignisse des 7. Oktober dokumentieren. Bei dem Angriff auf das Festival waren mehr als 400 Menschen von palästinensischen Terroristen ermordet worden.

Kürzung der Förderung

Nach Recherchen des »Tagesspiegel« war die finanzielle Zukunft der Ausstellung bis kurz vor dem Start ungeklärt. Zwar hatte die Berliner Kulturverwaltung zunächst eine Förderung von rund 1,38 Millionen Euro bewilligt. Ende September sollte diese Summe jedoch deutlich reduziert werden – auf etwa 781.000 Euro. Auslöser war ein Streit über den Umgang mit erwarteten Einnahmen aus Eintrittskarten.

Die Veranstalter wollten die prognostizierten Einnahmen von etwa 618.000 Euro als Spenden behandeln. Mitarbeiter der Kulturverwaltung sahen darin jedoch ein Problem und hielten eine entsprechende Verrechnung für nicht zulässig. In einer internen Videokonferenz am 26. September wurde die Kürzung zunächst als notwendig dargestellt.

Wenige Tage später schaltete sich die damalige Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson ein. In einer Mail, die dem »Tagesspiegel« vorliegt, bezeichnete sie die Situation als möglichen »Antragsfehler« und bat darum, mit den Ausstellungsmachern so zu arbeiten, »dass es zu keinen weiteren Verzögerungen kommt«. Auch der Regierende Bürgermeister sei informiert worden.

Lesen Sie auch

Politische Beteiligung

Aus den Unterlagen geht dem Bericht zufolge hervor, dass die Vorbereitung der Ausstellung bereits Monate zuvor von verschiedenen Akteuren begleitet wurde. Koordiniert wurde das Projekt unter anderem von Benjamin Budde von der Budde Music Group. Beteiligt waren außerdem Vertreter zivilgesellschaftlicher und jüdischer Organisationen sowie eine Mitarbeiterin der israelischen Botschaft.

Auch Marc Wohlrabe, Mitarbeiter des CDU-Haushaltspolitikers Christian Goiny, war in die Abläufe eingebunden. Laut den Dokumenten sollte er dabei helfen, die Voraussetzungen für eine öffentliche Förderung zu schaffen. Die Finanzierung wurde schließlich Teil einer Liste von Projekten mit besonderer politischer Bedeutung.

Die Kosten der Ausstellung waren von Beginn an ein zentrales Thema. Ursprünglich lagen die Planungen deutlich höher als die später angesetzten rund 2,7 Millionen Euro. Nach Angaben eines Projektverantwortlichen seien schließlich 1,4 Millionen Euro in Abstimmung mit politischen Entscheidungsträgern zugesagt worden. Ob Wegner daran beteiligt war, bleibt dem Bericht zufolge offen.

Kritik innerhalb der Verwaltung

Mitarbeiter der Kulturverwaltung äußerten laut den internen Unterlagen Zweifel an der Förderfähigkeit des Projekts. Grund dafür seien unter anderem mehrfach veränderte Finanzierungspläne, neue Kostenpositionen und wechselnde Angaben zu erwarteten Drittmitteln gewesen. Ein Mitarbeiter schrieb, die kurzfristigen Änderungen sprächen gegen eine ordnungsgemäße Geschäftsführung.

Trotz dieser Bedenken unterzeichnete Sarah Wedl-Wilson Anfang Juli den Förderbescheid über 1,38 Millionen Euro. Der Bund beteiligte sich später mit 149.000 Euro an der Ausstellung. Aus dem Bundeshaushalt seien keine Hinweise auf Probleme bei der ordnungsgemäßen Geschäftsführung bekannt, erklärte eine Sprecherin.

Die kritische Situation unmittelbar vor der Eröffnung wurde schließlich durch eine Änderung des Finanzierungsmodells entschärft. Statt eines Eintrittspreises von 20,60 Euro kostete der Besuch sechs Euro. Zusätzliche Spenden sollten über eine eigens gegründete Nova Foundation abgewickelt werden. Dadurch sanken die erwarteten Einnahmen laut »Tagesspiegel« deutlich, die geplante Kürzung der Förderung wurde nicht umgesetzt. Warum die reduzierte Einnahmeerwartung nicht zu einer Anpassung der Fördersumme führte, sei aus den Unterlagen nicht ersichtlich. im

Osnabrück/Doha

Iron-Dome-Deal zwischen Israel und VW droht an Katar-Veto zu scheitern

Ein Verteidigungsdeal mit Israel und Hunderte Arbeitsplätze am VW-Standort Osnabrück sind in Gefahr, da der katarische Staatsfonds blockiert

 14.07.2026

Washington D.C.

USA-Iran-Rahmenabkommen: Was hat Trump überhaupt erreicht?

Groß war der Jubel des US-Präsidenten, als er mit der Führung im Iran ein vages Rahmenabkommen erzielte. Knapp einen Monat später stellt sich jedoch die Frage: Was ist davon noch übrig?

von Franziska Spiecker, Khang Mischke  14.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  14.07.2026 Aktualisiert

Berlin

Streit um Israel-Sanktionen: Kritik an Wadephul aus der SPD

In der EU wird über den Umgang mit der israelischen Siedlungspolitik gerungen. Der Bundesaußenminister tritt bei Sanktionen auf die Bremse. Das kommt beim Koalitionspartner gar nicht gut an

 14.07.2026

Nahost

USA greifen iranische Verteidigungssysteme an, Teheran attackiert Tanker

US-Präsident Donald Trump über die Straße von Hormus: »Ich glaube, am Ende werden wir die gesamte Passage kontrollieren.«

 14.07.2026

Brüssel

900 Millionen Euro Herzenswärme

Knapp eine Milliarde Euro soll für den Wiederaufbau in den Gazastreifen gehen. Dass die Mittel am Ende tatsächlich nur in die zivile Infrastruktur fließen, ist zweifelhaft

von Michael Thaidigsmann  13.07.2026

Studie

Judenhass ist »alltagsprägend« - auch in Baden-Württemberg

Antisemitische Vorfälle in Baden-Württemberg wurden 2025 erstmals systematisch ausgewertet. 335 wurden registriert. Es gab sie im Alltag von Jüdinnen und Juden wie in Sozialen Medien - und sogar im Bildungssektor

von Norbert Demuth  13.07.2026

Berlin

Studentenparlament der Humboldt-Universität fordert akademischen Boykott Israels

In einem Antrag wird die Uni aufgefordert, bestehende Kooperationen mit israelischen Universitäten und Forschungseinrichtungen zu beenden

 13.07.2026

Interview

»Würde mit Davidstern-Kette nicht in bestimmte Stadtviertel gehen«

Die Bundesfamilienministerin (CDU) über Einsparungen in ihrem Ressort, das Programm »Demokratie leben« und ihre persönliche Betroffenheit vom wachsenden Antisemitismus in Deutschland

von Alexander Riedel, Birgit Wilke  13.07.2026