Reaktionen

»Nichts rechtfertigt ein solches Handeln«

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) Foto: dpa

Die Angriffe sind konkret, die politischen Reaktionen auf die um sich greifende Welle des Hasses auf Juden und den jüdischen Staat fallen hingegen bemerkenswert allgemein aus.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagte der Jüdischen Allgemeinen: »Die Demonstrationsfreiheit ist ein wichtiges Gut. Dieses Recht darf aber nicht für antiisraelische oder antisemitische Stimmungsmache missbraucht werden, wie das in jüngster Zeit mehrfach bei Kundgebungen linker Hamas-Unterstützer geschehen ist.«

inakzeptabel Ähnlich allgemein äußert sich die SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi: »Hass gegen Juden ist unsäglich und absolut inakzeptabel. Deshalb bin ich entsetzt über die antisemitischen Ausfälle bei einigen Demonstrationen in Deutschland.«

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) gab zusammen mit seinem französischen und italienischen Amtskollegen eine Erklärung heraus, in der es heißt, dass »antisemitische Hetze und Anfeindungen gegen Juden, Angriffe auf Menschen jüdischen Glaubens und Synagogen in unseren Gesellschaften keinen Platz haben«. Weiter heißt es: »Nichts, einschließlich der dramatischen militärischen Konfrontation in Gaza, rechtfertigt ein solches Handeln bei uns in Europa.«

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) forderte Polizei und Staatsanwaltschaften auf, wenn bei Demonstrationen strafbare Delikte vorfielen, sofort einzuschreiten. Sein Ministerium teilte mit, was die Sicherheit jüdischer Einrichtungen angehe, sei man in ständigem Austausch auch mit israelischen Behörden.

al-quds-tag Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU), in dessen Zuständigkeit am Freitag zum »Al-Quds-Tag« eine antiisraelische Demonstration angekündigt ist, sagte: »Wenn jemand Demonstrationen oder das Recht auf Meinungsfreiheit dazu nutzt, um antisemitische Parolen zu verbreiten oder Menschen jüdischen Glaubens tätlich anzugreifen, so hat er die Konsequenzen aus diesem Missbrauch zu tragen.«

Für die Grünen erklärte deren Politischer Geschäftsführer Michael Kellner, seine Partei lehne eine Verschärfung des Versammlungsrechts ab. Verbote seien möglich, die Behörden seien »aber gut beraten, zunächst Auflagen zu erteilen, um Gefahren abzuwehren«.

Während der Zentralrat der Juden in Deutschland von einer »Explosion an bösem und gewaltbereitem Judenhass« spricht und Israels Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, erklärt, jetzt sei »Zeit zu handeln«, fallen die Reaktionen bei Polizei und deutscher Politik zurückhaltender aus.

polizei »Die Haltung der Polizei ist generell versammlungsfreundlich« erklärt Stefan Redlich, Pressesprecher der Berliner Polizei. »Die Polizei sichert das Recht auf Versammlungsfreiheit, unabhängig davon, welche Parolen dort gerufen werden. Jeder, der sich an die Gesetze hält, wird von uns geschützt.«

Auch das nordrhein-westfälische Innenministerium sagt, dass die Polizei die Situation genügend ernst nehme. Das habe sich etwa bei einer Kundgebung in Essen, in deren Anschluss ein Sturm auf die Alte Synagoge verhindert wurde, gezeigt. »Es kam zu keinen Verletzten – auf keiner Seite.« Im übrigen würden solche Großveranstaltungen immer sorgfältig ausgewertet.

linke Während CDU, SPD und Grüne sich eindeutig von den Hassdemonstrationen distanzieren, rufen Teile der Linkspartei zu Demos mit der Hamas nahestehenden Gruppen auf. Der Angriff auf die Alte Synagoge Essen geschah nach einer Linke-Kundgebung. Und die Bundestagsabgeordnete Inge Höger trat gar unter einem Transparent auf, auf dem stand: »Palästina besitzt keine Wehrmacht! Israel! Das ist kein Krieg, sondern Völkermord«.

Linke-Vorsitzender Bernd Riexinger sagte zur Jüdischen Allgemeinen: »Aktivitäten, Demonstrationen oder Kundgebungen gegen den Krieg in Gaza dürfen keine Plattform für antisemitische Positionen bieten.« Von möglichen Ausschlussverfahren gegen Parteimitglieder will er hingegen nichts wissen. Deutlicher wurde Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn; den Aufruf der NRW-Linken zur Kundgebung in Essen kommentiert er: »Es ist beschämend.«

Andrej Hermlin, Musiker und Sohn des jüdischen Schriftstellers Stefan Hermlin, droht der Linkspartei wegen der antisemitischen Ausfälle: »Dann wird meine Mitgliedschaft hinfällig.«

Straße von Hormus

US-Militär warnt Revolutionsgarden vor Provokationen bei Manöver

Ab Sonntag will die iranische Elite-Einheit eine Übung in der strategisch wichtigen Meerenge abhalten

 31.01.2026

Sicherheit

Deutschland und Israel trainieren erstmals gemeinsam gegen Cyberangriffe

Deutschland und Israel proben gemeinsam die Abwehr schwerer Cyberangriffe. Denn Israel hat Erfahrungen, von denen Deutschland profitieren möchte

 31.01.2026

Nordrhein-Westfalen

Statt Auktion: 428 Holocaust-Dokumente an Auschwitz-Stiftung übergeben

Nach internationalen Protesten übergibt der Landtag in Nordrhein-Westfalen 428 Holocaust-Dokumente an die Stiftung Auschwitz-Birkenau. Darunter sind Lagerpostkarten, Täterbriefe und Lagergeld

 31.01.2026

Nahost

Trump schickt weitere Kriegsschiffe in Richtung Iran

Der US-Präsident drängt das iranische Regime weiterhin zu einem Deal

 31.01.2026

Nahost

Mehrere Explosionen im Iran

Vor einem Marinemanöver der iranischen Revolutionsgarden kommt es zu Detonationen in mehreren Teilen des Landes. Die iranische Propaganda spricht von Gaslecks und brennendem Schilf

 31.01.2026

Nahost

Vollendete Drohkulisse

US-Präsident Trumps »Armada« ist angekommen, die Optionen für Militärschläge liegen auf dem Tisch. Er stellt dem Mullah-Regime zwei Bedingungen. Wird Teheran einlenken?

von Imanuel Marcus  30.01.2026

EU-Sanktionen

Israel bietet Hilfe bei Verfolgung von Revolutionsgarden an

Die Europäische Union hat die Elite-Einheit des Mullah-Regimes auf die Terrorliste gesetzt. Nach Ansicht des israelischen Botschafters dient das auch der inneren Sicherheit in Deutschland

 30.01.2026

Meinung

Endlich!

Es war überfällig, dass die EU die Revolutionsgarde der Islamischen Republik auf der Terrorliste gesetzt hat. Doch die heutige Lage ist auch das Ergebnis jahrelanger Versäumnisse, falscher Hoffnungen und politischer Feigheit ebenjener EU

von Shahrzad Eden Osterer  30.01.2026

Rheinland-Pfalz

Landtag fordert Institut für Antisemitismusforschung auf Bundesebene

Wissenschaftsminister Clemens Hoch (SPD) dankt dem Landesparlament. »Antisemitismus ist in diesem Lande eine reale Erfahrung«, sagt er

 30.01.2026