Am Rande der Trauerfeier für den verstorbenen US-Senator Lindsey Graham in Washington sind Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erstmals seit September 2023 wieder persönlich zusammengetroffen. Die beiden Politiker wechselten einige Worte und begrüßten sich mit einem Handschlag, nachdem sie zuvor getrennt von US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus empfangen worden waren.
Nach Angaben israelischer und ukrainischer Medien war ursprünglich auch ein offizielles bilaterales Treffen geplant. Dazu kam es jedoch letztlich nicht. Die israelische Zeitung »Haaretz« berichtete unter Berufung auf ukrainische Quellen, das Büro des Ministerpräsidenten habe einen entsprechenden Wunsch aus Kiew zunächst aufgegriffen, nach Selenskyjs Zustimmung jedoch nicht weiterverfolgt.
Parallel dazu führte Israels Außenminister Gideon Sa’ar ein Telefonat mit seinem ukrainischen Amtskollegen Andrij Sybiha und sprach eine Einladung nach Israel aus. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen nach Angaben Sa’ars die Sicherheitslage sowie die Bedrohung durch den Iran. »Wir haben über die Herausforderungen gesprochen, vor denen unsere Länder stehen, einschließlich der Gefahr, die vom Iran ausgeht«, erklärte der Außenminister. Er betonte zudem, Israel und die Ukraine seien befreundete Staaten und sollten ihre Zusammenarbeit weiter ausbauen, unter anderem durch neue Bildungszentren in ukrainischen Krankenhäusern.
Jahrestag des Massakers von Babyn Jar
Sybiha nahm die Einladung nach eigenen Angaben an. Er informierte seinen israelischen Kollegen außerdem über die russischen Angriffe auf zivile Schiffe im Schwarzen Meer und deren mögliche Auswirkungen auf die weltweite Ernährungssicherheit. Darüber hinaus sprach er über die Vorbereitungen zum 85. Jahrestag des Massakers von Babyn Jar, bei dem im September 1941 mehr als 33.000 Juden von den Nationalsozialisten und ihren Helfern ermordet wurden.
Die Beziehungen zwischen Jerusalem und Kiew gelten seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine als kompliziert. Israel vermied lange Zeit eine offene Konfrontation mit Moskau und lehnte unter anderem die Lieferung des Raketenabwehrsystems Iron Dome an die Ukraine ab. Hintergrund war die Rücksichtnahme auf russische Interessen, insbesondere solange Russland den syrischen Luftraum kontrollierte. Nach dem Sturz des Assad-Regimes änderte sich der Ton einzelner israelischer Politiker gegenüber Moskau zwar, Netanjahu hielt jedoch an seinem vorsichtigen Kurs fest.
Auch Selenskyj traf sich am Dienstag mit Trump im Weißen Haus. Im Anschluss bezeichnete der ukrainische Präsident das Gespräch als gut und erklärte, beide Seiten hätten unter anderem über Lizenzen zur Produktion von Patriot-Abfangraketen sowie über diplomatische Bemühungen gesprochen. Das Weiße Haus bewertete sowohl das Treffen mit Selenskyj als auch jenes mit Netanjahu als »positiv und konstruktiv«.
Während seines Washington-Besuchs warf Selenskyj Russland erneut vor, den Iran im Konflikt mit den USA und Israel zu unterstützen. Moskau liefere nach seinen Angaben Satellitenbilder amerikanischer Militärstandorte in der Golfregion an Teheran. Der ukrainische Präsident sprach von einem Zusammenhang zwischen diesen Informationen und späteren iranischen Angriffen. Trump äußerte sich zurückhaltender und erklärte, ihm lägen keine Hinweise auf eine bedeutende russische Unterstützung des Iran vor. im