Teheran

Nach gezielten Tötungen: Wer führt den Iran?

Als Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates hat Ali Laridschani viel Macht Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Trotz einer Reihe von gezielten Tötungen während des laufenden Krieges bleibt die politische und militärische Führung im Iran offenbar handlungsfähig. Mehrere einflussreiche Persönlichkeiten stehen nach wie vor an der Spitze zentraler Institutionen und koordinieren Regierung, Militär und Sicherheitsapparate.

Als neue Schlüsselfigur gilt dabei Modschtaba Khamenei, der Sohn des früheren Revolutionsführers Ali Khamenei. Nach dessen Tod wird er in zahlreichen Berichten als neuer oberster Führer des Landes angesehen. Eine erste schriftliche Botschaft, die ihm zugeschrieben wird, wurde in dieser Woche verbreitet. Darin kündigte er Vergeltung für die im Krieg getöteten Iraner an.

Berichten zufolge erlitt Mojtaba Khamenei zu Beginn der Kämpfe Verletzungen, darunter einen Bruch am Fuß sowie Wunden im Gesichtsbereich.

Larijani und Vahidi

Eine weitere zentrale Rolle spielt nach einem Bericht von »Ynet« Ali Larijani, der derzeit als Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates tätig ist. Nach Angaben aus politischen Kreisen soll er bereits kurz vor Kriegsbeginn mit der Koordination wichtiger Regierungsaufgaben betraut worden sein. Larijani ist zudem in diplomatische Kontakte eingebunden und war zuletzt auch an Gesprächen beteiligt, bei denen Oman als Vermittler fungierte.

Lesen Sie auch

In scharfen Worten warnte er die Gegner seines Landes: Sollte US-Präsident Donald Trump den Iran angreifen, werde die gesamte Region »innerhalb einer halben Stunde in Dunkelheit versinken«.

Im militärischen Bereich hat sich Ahmad Vahidi dem »Ynet«-Bericht zufolge als eine der wichtigsten Figuren etabliert. Er wurde nach dem Tod seines Vorgängers zum Kommandeur der Islamic Revolutionary Guard Corps ernannt. Vahidi leitete zuvor die Quds-Einheit der Revolutionsgarden und wird international mit dem Bombenanschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum in Buenos Aires im Jahr 1994 in Verbindung gebracht. Öffentliche Stellungnahmen von ihm gab es seit seiner Ernennung bislang kaum.

»Bis zum letzten Tropfen Blut«

Auch im politischen Establishment äußern führende Vertreter weiterhin eine kämpferische Haltung. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte, sein Land strebe derzeit keinen Waffenstillstand an. Der Angreifer müsse vielmehr »so hart getroffen werden, dass er nicht noch einmal daran denkt, unseren geliebten Iran anzugreifen«.

Eine wichtige Rolle innerhalb der regulären Streitkräfte spielt außerdem Amir Hatami, der die iranische Armee führt. Der frühere Verteidigungsminister kündigte an, das Land werde »seine Ehre bis zum letzten Tropfen Blut verteidigen«. Zwischenzeitlich kursierten Berichte über seinen Tod, die jedoch später von regierungsnahen Medien zurückgewiesen wurden. im

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

 28.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  28.06.2026 Aktualisiert

New York

Hamas-Unterstützerin Aber Kawas gewinnt Vorwahlen in New York

Die palästinensisch-amerikanische Demokratin machte den Nahost-Konflikt und soziale Fragen zum Kernthema ihres Wahlkampfes

von Imanuel Marcus  28.06.2026

Meinung

Der Kahlschlag der Familienministerin

Der angekündigte Umbau des Bundesprogramms »Demokratie leben!« lässt Engagierte im Regen stehen. Die Folgen für Demokratieförderung und Rechtsextremismusprävention werden fatal sein

von Viktoria Gulde  27.06.2026

Nahost

Amerikas Rückzug

Die USA lassen Israel fallen und versuchen plötzlich, den Iran zu bestechen. Eine gefährliche Situation für den Judenstaat – aber auch eine Chance, sich neu zu erfinden

von Rafael Seligmann  27.06.2026

Antibes

Frankreich und Italien streben neue Libanon-Mission an

Wie könnte die internationale Unterstützung für den Libanon nach dem Abzug der UN-Blauhelme aussehen? Frankreich und Italien wollen eine neue Koalition anführen

 26.06.2026

Pädagogik

Neues Onlinespiel soll gegen Antisemitismus im Netz helfen

In sozialen Medien wird Judenhass verbreitet und auch der Holocaust falsch dargestellt. Damit junge Menschen solche Inhalte besser erkennen, können Lehrkräfte ein neues Onlinespiel nutzen

von Alexander Riedel  26.06.2026

Hamburg

Spionageprozess: Juden für Iran ausgespäht?

Laut Anklage soll der Mann hochrangige Vertreter jüdischer Organisationen in Deutschland für mögliche Anschläge ausgekundschaftet haben

 26.06.2026

Magdeburg

Höchststrafe für Anschlag auf Magdeburger Weihnachtsmarkt

Bei dem Anschlag 2024 kamen sechs Personen ums Leben; Hunderte wurden verletzt. Jetzt steht das Urteil fest

 26.06.2026 Aktualisiert