Grenoble

Nach antisemitischem Angriff: DJane Barbara Butch kündigt Rückkehr auf die Bühne an

Die französische DJane Barbara Butch Foto: picture alliance / SIPA

Bei einem Musikfestival im französischen Grenoble ist die jüdische DJ Barbara Butch durch einen gewaltsamen Protest von der Bühne vertrieben worden. Antisemitische Demonstranten beschimpften die Künstlerin, warfen Flaschen und andere Gegenstände auf die Bühne und zwangen die Veranstalter schließlich dazu, den Auftritt nach rund 20 Minuten abzubrechen.

Der Vorfall ereignete sich bereits am vergangenen Wochenende. Die Organisation Combat Antisemitism Movement und lokale Publikationen berichteten.

Nach Angaben der DJane flogen unter anderem Glasflaschen, die in unmittelbarer Nähe ihres Mischpults zerschellten. Sicherheitskräfte brachten sie schließlich in Sicherheit. Die Stadt Grenoble erstattete anschließend Strafanzeige gegen Unbekannt. Bürgermeisterin Laurence Ruffin erklärte, es gebe Hinweise auf Gewalttaten und Sabotage an der technischen Ausstattung. Die Behauptung, es habe sich lediglich um einen friedlichen Protest gehandelt, wies sie zurück.

Kämpferische Botschaft

Nur wenige Tage nach dem Vorfall meldete sich Butch mit einer kämpferischen Botschaft zu Wort. In einem Video erklärte sie, sie lasse sich nicht einschüchtern und werde wieder auftreten. Die Attacke sei der vorläufige Höhepunkt einer seit Monaten andauernden Kampagne, die darauf abziele, sie aus dem kulturellen und öffentlichen Leben zu verdrängen. »Ich werde auf die Bühne zurückkehren«, kündigte sie an.

Auslöser der Proteste war unter anderem Butchs Unterstützung eines Gesetzesvorhabens der französischen Abgeordneten Caroline Yadan gegen moderne Erscheinungsformen des Antisemitismus. Gegner des inzwischen zurückgezogenen Entwurfs warfen ihm vor, die Meinungsfreiheit im Zusammenhang mit Israel einzuschränken. Zudem hatten Aktivisten ihre Reise nach Tel Aviv kritisiert und bereits im Vorfeld des Festivals zum Boykott ihres Auftritts aufgerufen.

Besonders engagiert gegen die Musikerin trat Allan Brunson auf, den Ortsvorsitzenden der linksradikalen La France Insoumise in Grenoble. Er hatte öffentlich dazu aufgerufen, gegen Butchs Auftritt zu mobilisieren, und begrüßte die Proteste anschließend. Politiker anderer Parteien forderten deshalb Konsequenzen gegen ihn.

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Nuñez verurteilt Vorfall

Gemeinsam mit ihrer Anwältin Audrey Msellati veröffentlichte Butch nach dem Vorfall einen Gastbeitrag in der Zeitung »Le Monde«. Darin heißt es: »An diesem Abend wurde eine Grenze überschritten: die Grenze zwischen Protest und Zwang, zwischen Meinungsverschiedenheit und Einschüchterung, zwischen Rede und Gewalt. Es ging nicht länger darum, auf eine Künstlerin zu reagieren – sie wurde von der Bühne vertrieben.«

Der französische Innenminister Laurent Nuñez verurteilte die Vorfälle scharf. Antisemitismus, Einschüchterung und Druck hätten »keinen Platz in unserer Republik«. Es sei inakzeptabel, einer Künstlerin die Ausübung ihres Berufs mit Gewalt unmöglich zu machen.

Auch jüdische Organisationen stellten sich hinter die Musikerin. Der Dachverband Conseil représentatif des institutions juives de France (CRIF) warnte vor einem besorgniserregenden Trend, jüdische Künstler gezielt unter Druck zu setzen und Kulturveranstaltungen zu politischen Tribunalen zu machen.

»Beschämender antisemitischer Übergriff«

Das Combat Antisemitism Movement erklärte ebenfalls seine Solidarität mit Butch. CAM bezeichnete den Angriff als »beschämenden antisemitischen Übergriff«. Deren Europa-Direktorin Shannon Seban nannte die Ereignisse »inakzeptabel«. In Paris demonstrierten zudem jüdische Studenten und weitere Unterstützer vor dem Parteibüro von La France Insoumise für die DJ.

Für Barbara Butch ist es nicht die erste antisemitisch motivierte Anfeindung. Bereits nach ihrem Auftritt bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2024 in Paris hatte sie Morddrohungen und massive Hasskampagnen im Internet angezeigt. In diesem Zusammenhang wurden später vier Männer strafrechtlich verurteilt. im

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