Prozess

Mutmaßlicher Block-Entführer wollte wie James Bond sein

Der mutmaßlich Tatbeteiligte Jonathan G. Foto: picture alliance/dpa

Vom Model zum mutmaßlichen Entführer: Im Block-Prozess hat ein 35-Jähriger als Zeuge seine Version der Silvesternacht 2023/24 geschildert. »Wir waren aufgeregt und ein bisschen ängstlich«, sagt der Zeuge über die Gefühle des Teams kurz vor der Aktion. Aber die Männer hätten geglaubt, die Kinder vor einem schrecklichen Vater retten zu müssen. 

Der Mann hatte sich im Frühjahr von Israel aus in Interviews in Deutschland zu Wort gemeldet. Damals wurde er als Jonathan C. vorgestellt. Er habe seinen Nachnamen aber geändert, sagt der Mann auf Englisch laut Übersetzung. Er heiße nun Jonathan G. Früher habe er als Model und Fitnesstrainer gearbeitet, doch derzeit habe er keinen Job. »Ich kann nicht arbeiten, weil all diese Artikel erschienen sind.«

»Man sieht James-Bond-Filme, und dann will man Teil von so etwas sein.« Der Angeklagte vor Gericht

Der große, schlanke Mann mit dem Bart trägt Jeans, Sakko und ein hellblaues Hemd. Er wirkt zurückhaltend, spricht sehr schnell, rauscht durch die Ereignisse - die Prozessbeteiligten haben später viele Nachfragen.

Er sei in das Team geholt worden, weil er Deutsch spreche, denn er habe elf Jahre lang in Hamburg gelebt, sagt der 35-Jährige mit Wurzeln in Schweden und Israel. Er habe bei Wohltätigkeits-Veranstaltungen mit Kindern gearbeitet. Bei der Rückholaktion habe er die Aufgabe gehabt, mit dem Mädchen und dem Jungen zu kommunizieren. Für seine Teilnahme bekam er eigenen Angaben zufolge 10.000 Euro.

Zeuge: Ich fühlte mich geehrt

Er habe im Dezember 2023 über einen Bekannten Kontakt zu dem Chef einer israelischen Sicherheitsfirma, David Barkay, bekommen. Der habe Leute für eine angeblich rechtmäßige »Operation« gesucht, um zwei Kinder der Familie Block zu retten, sagt der Zeuge. Er habe sich geehrt gefühlt, dass ihm ein »Mossad-Agent« so ein Angebot mache. »Ich wollte etwas Gutes tun.«

Er habe zugesagt, obwohl er nicht auf alle seine Fragen von Barkay Antworten bekommen habe. »Man sieht James-Bond-Filme, und dann will man Teil von so etwas sein.« Alle in der Gruppe hätten Spitznamen bekommen, die richtigen Namen habe er erst viel später erfahren. »Ich war Nils Holgersson«, sagt der Zeuge. Die Männer mit Kampfsport-Erfahrung seien die »Ninjas« gewesen.

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Der Mann hatte für seine Zeugenaussage sicheres Geleit bekommen. Bereits drei Männer und eine Frau aus Israel, darunter auch Barkay, hatten diese Zusage erhalten. Sie müssen zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls mit einer Anklage und einem Prozess rechnen.

Kinder beim Beobachten des Feuerwerks entführt
Christina Block mit ihrem Anwalt im Landgericht HamburgFoto: picture alliance/dpa/dpa-Pool

Die Hamburger Unternehmerin Christina Block ist angeklagt, eine israelische Sicherheitsfirma im Zuge eines langen Sorgerechtsstreits mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel damit beauftragt zu haben, ihre beiden jüngsten Kinder vom Wohnort des Vaters in Dänemark zu entführen.

Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette »Block House«, Eugen Block, bestreitet die Vorwürfe. Die Sicherheitsfirma habe auf eigene Faust gehandelt, hatte sie erklärt. Der Chef Barkay weist das zurück. Ihm sei zudem immer wieder versichert worden, es sei rechtmäßig, die Kinder nach Deutschland zurückzuholen. Es gibt noch sechs weitere Angeklagte in dem Prozess. Für alle Beschuldigten in dem Fall gilt die Unschuldsvermutung.

Wie die anderen Israelis berichtet auch G. von einem Treffen mit der Mutter kurz vor der Tat. »Ich habe eine am Boden zerstörte Frau gesehen.« Sie habe den maskierten Männern für ihre Hilfe gedankt. »Das war eine Motivation für uns.« Block bestreitet, dass es so ein Treffen gegeben habe.

Kinder wurden in einen Wagen gezerrt

Laut Anklage hatten maskierte Männer den Jungen (damals 10) und das Mädchen (13) beim Beobachten des Silvesterfeuerwerks in dem dänischen Ort Gråsten (Gravenstein) in einen Wagen gezerrt. Später seien sie durch einen Wald marschiert und sollten auf der deutschen Seite der Grenze in ein Wohnmobil steigen, das sie nach Süddeutschland brachte.

Einer der drei Hauptangeklagten, ein 36-jähriger Israeli, hatte im August 2025 in dem Prozess seine Beteiligung gestanden. Er sei aber auch von einer Rettungsaktion ausgegangen.

Wegen seiner Kampfsport-Erfahrungen habe er von dem Chef der israelischen Sicherheitsfirma den Auftrag bekommen, Blocks Ex-Mann zu überwältigen, hatte der Angeklagte ausgesagt. Er sollte Hensel aber nicht verletzen. »Das Erste, was ich gemacht habe: Ich sprang auf den Vater«, lautet die Aussage des Angeklagten. Dann habe er ihn mit Klebeband fesseln wollen.

Wer schlug den Vater?

Ein junger »Deutscher«, der auch fließend Hebräisch gekonnt habe, sei ungeplant hinzugekommen - an seinen Namen erinnere er sich nicht. Der habe den Vater auf eine Weise verprügelt, die nicht nötig gewesen wäre. Der habe Hensel mit Fäusten geschlagen und auch getreten. Hensel ist Nebenkläger in dem Prozess, an diesem Verhandlungstag ist er nicht anwesend.

Ob er das gewesen sei, befragt die Vorsitzende Richterin den Zeugen G. zur Aussage seines mutmaßlichen Komplizen. Der 35-Jährige verneint das. Er wisse nicht, wer was gemacht habe, es seien ja alle maskiert gewesen. Auch ein Weinen der Kinder will er nicht mitbekommen haben. Es sei alles so schnell gegangen. »Die ganze Situation war überwältigend.«

Zeuge wurde von Hund gebissen

Ausführlichere Angaben macht G. zu den Ereignissen später im Wald. Er habe versucht, einen Hund der Polizei in einem Wald von den Kindern wegzulotsen, sagt der 35-Jährige. Er sei gerannt, das Tier sei ihm gefolgt und habe ihn gebissen. Schließlich sei es ihm gelungen, den Hund zu beruhigen. Die beiden hätten durstig aus derselben Pfütze getrunken. Dann sei er über die Grenze gegangen, habe einen eiskalten Fluss durchquert.

Mit dem Zug sei er zurück nach Hamburg, habe 18 Stunden durchgeschlafen nach diesen Erlebnissen. Als er die Nachrichten gesehen habe, habe er begriffen, dass etwas schiefgelaufen sei. »Ich habe absolut Panik gehabt.« Er habe aber lange so tun müssen, als ob alles in Ordnung sei. Als sein Name schließlich in der Presse aufgetaucht sei, habe er sich entschieden, sich bei den Ermittlern zu melden.

In welcher Verfassung er heute sei, will der Verteidiger des 36 Jahre alten Angeklagten aus Israel von G. wissen. Es gehe ihm nicht gut, er habe große Ängste, sagt der 35-Jährige. 

Die Befragung des Zeugen wird am Donnerstag fortgesetzt.

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