Hamburg

Block-Prozess: Israelischer Firmenchef vernommen

Christina Block (M), deutsche Gastronomin und Unternehmerin, Rechtsanwalt Ingo Bott (l), Verteidiger von Block, und Gerhard Delling (r), ehemaliger Fernsehmoderator und Sportjournalist, verlassen das Strafjustizgebäude Foto: picture alliance/dpa

Im Zuge des Prozesses gegen die Unternehmerin Christina Block wegen Kindesentziehung ist der Chef einer israelischen Sicherheitsfirma von der Hamburger Staatsanwaltschaft vernommen worden. Sie könne bestätigen, dass der Beschuldigte zwischenzeitlich vernommen worden sei, teilte Oberstaatsanwältin Mia Sperling-Karstens mit. Zuvor hatten »Bild« und »Spiegel« berichtet.

Die israelische Sicherheitsfirma soll den damals zehnjährigen Sohn und die 13-jährige Tochter aus der Obhut des in Dänemark lebenden Vaters entführt und nach Deutschland gebracht haben. Nach Blocks Angaben sollte die Firma nur die IT-Sicherheit im Hotel Grand Elysée verbessern. Die Rückholaktion hätten die Israelis auf eigene Faust und ohne ihr Wissen gemacht.

Der Firmenchef, nach dem gefahndet worden war, gehört nicht zu den Angeklagten in dem aktuellen Prozess. Er ist ein »gesondert Verfolgter«. Ihm wird vorgeworfen, den Auftrag zur Entführung der Kinder angenommen und gemeinsam mit mehreren weiteren Tatverdächtigen ausgeführt zu haben. 

Kontaktaufnahme der Verteidigung

Die Vernehmung betreffe mehrere gegen den Beschuldigten bei der Staatsanwaltschaft Hamburg geführte Ermittlungsverfahren, hieß es weiter von der Staatsanwaltschaft. Vorausgegangen sei eine Kontaktaufnahme der Verteidigung des Mannes, »in deren Folge die Staatsanwaltschaft Sicheres Geleit (§ 295 der Strafprozessordnung) für den Beschuldigten beantragt und das zuständige Ermittlungsgericht einen entsprechenden Beschluss erlassen hat«. 

Die Fahndung nach ihm sei aufgehoben worden. Sollte der Beschuldigte »Anstalten treffen, sich dem Verfahren zu entziehen (wofür derzeit keinerlei Anhaltspunkte vorliegen), würde die Staatsanwaltschaft die Fahndung nach dem Beschuldigten wiederaufleben lassen.«

Zum Inhalt der Aussage wollte Sperling-Karstens keinerlei Auskünfte geben und verwies auf das laufende Ermittlungsverfahren. 

Folgen für Prozessverlauf noch unklar

Von einer Sprecherin des Landgerichts hieß es, das Gericht habe seit Kurzem Kenntnis davon, dass der gesondert Verfolgte als Beschuldigter vernommen worden sei. »Es können derzeit keine Auskünfte dazu erteilt werden, ob und wenn ja, welchen Einfluss das auf den Verlauf der Hauptverhandlung haben wird.«

Die Tochter des Gründers der Restaurantkette »Block House«, Eugen Block, ist angeklagt, während eines langen Sorgerechtsstreits den Auftrag zur Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder in der Silvesternacht 2023/24 in Auftrag gegeben zu haben. 

Angeklagter aus Israel geständig

Unter den sechs Mitangeklagten ist ein 36-jähriger Israeli, der seine Beteiligung an der Rückholaktion umfassend gestanden hat. Bei seiner Aussage hat er auch die Namen der mutmaßlichen Mittäter aus Israel genannt. Die Staatsanwaltschaft fahndet nach der Vernehmung des Beschuldigten nun noch nach fünf anderen Israelis. Christina Blocks Lebensgefährte Gerhard Delling (66) ist wegen Beihilfe angeklagt. Der frühere Sportmoderator bestreitet, etwas Unrechtes getan zu haben.

Food-Trend

Der Mann fürs Eingemachte

Saure Gurken, Kraut und Rote Bete – für Eli Rosenblit ist Fermentieren mehr als Konservieren. Es ist Leidenschaft und israelische Lebensart. Ein Besuch in Herzliya

von Sabine Brandes  17.08.2026

Israel

Kushner wirbt bei Netanjahu für Gaza-Friedensplan

Trumps Schwiegersohn auf schwieriger Mission: Jared Kushner will einen Kompromiss ausloten, obwohl zwischen Israel und der Hamas bei den Verhandlungen über Gazas Zukunft noch eine tiefe Kluft liegt

 17.08.2026

Gesellschaft

Er starb – und rettete sechs Leben

Die Organspende des gefallenen israelischen Soldaten Shahar Gamla lässt auch ein siebenjähriges Mädchen gesund werden

von Sabine Brandes  17.08.2026

Machtkampf im Likud

Persönliche Wahlliste und »fake ballots«

Während die Parteimitglieder über Kandidaten abstimmen, sorgt Streit um reservierte Plätze und angeblich »gefälschte Stimmzettel« für Aufregung

von Sabine Brandes  17.08.2026

Nahost

Ben-Gvir will mehr Menschen im Gazastreifen töten lassen

Jede Nacht sollten »30 bis 40« Menschen »entfernt« werden, fordert der israelische Polizeiminister

 17.08.2026

Tel Aviv

Immer weniger Israelis kehren aus dem Ausland zurück

Der Knessetabgeordnete Gilad Kariv wirft der Regierung vor, die Rückkehr von Israelis aus dem Ausland nicht zu einer politischen Priorität gemacht zu haben

 17.08.2026

Straßenverkehr

KI-Ampeln sollen in Israel 771 Stunden pro Tag sparen

Das staatliche Straßeninfrastrukturunternehmen Netivei setzt auf Ampeln, die sich mithilfe künstlicher Intelligenz laufend an die aktuelle Verkehrslage anpassen

 17.08.2026

Tel Aviv

Yoseph Haddad gründet Partei

Der arabisch-israelische Aktivist startet im Vorfeld der für den 27. Oktober vorgesehenen Knesset-Wahlen eine Kampagne

 17.08.2026

Westjordanland

US-Delegation will attackiertes Dorf Qusra im Westjordanland besuchen

Nach einem Bericht des israelischen Senders Kanal 12 wollen sich die US-Vertreter vor Ort ein eigenes Bild von der Lage machen. Diese bleibt angespannt

 17.08.2026