Maximilian Krah hatte vorvergangene Woche eine für AfD-Politiker seltene Gelegenheit. Der Bundestagsabgeordnete durfte sich und seine Partei vor einem großen israelischen Publikum gegen den Vorwurf des Antisemitismus verteidigen. Die Judenfeindlichkeit, sagte der AfD-Abgeordnete im Interview mit dem Newsportal »Ynet«, habe die Seiten gewechselt: »In alten Zeiten« sei die europäische Rechte antisemitisch gewesen, doch heute sei das ein »linkes Problem«. Dasselbe gelte für das Verhältnis zu Israel: Während die Linken »Kampagnen gegen Israel« machten, sei »das rechte Lager pro-israelisch«, so Krah.
Das Ynet-Interview gab Krah im Rahmen eines Israelaufenthalts, den der Abgeordnete aus Dresden für den Versuch nutzte, das Image der AfD aufzupolieren. Denn in Israel hat die deutsche Rechtsaußen-Partei einen schweren Stand. Selbst unter der aktuellen israelischen Regierung, die als die rechteste in der Geschichte des Landes gilt, hat es nie offizielle Kontakte zur AfD gegeben.
Likud sucht die Nähe zu Europas Rechten
Dabei sucht der Likud, die Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, seit einigen Jahren zunehmend die Nähe zur europäischen Rechten. Im September nahmen Vertreter des Likud an einer von der österreichischen FPÖ organisierten Antisemitismus-Konferenz in Straßburg teil – und brachen damit ein Tabu: Die FPÖ wurde von Altnazis gegründet und war von den Israelis lange Zeit mit einem Bann belegt.
Inhaltlich unterscheidet sich die FPÖ nur wenig von der AfD. Dort hoffen jetzt wahrscheinlich einige, dass die israelische Rechte auch den Boykott gegen die Deutschen endlich aufgibt. Krahs Reise nach Israel könnte ein Schritt in diese Richtung gewesen sein. Denn ein Haupthindernis auf dem Weg dorthin war lange Krah selbst.
»Die AfD spricht mit zwei Stimmen«
Im Februar 2025 beschrieb der israelische Diaspora-Minister und Likud-Politiker Amichai Chikli in einem Beitrag auf X das Verhältnis von Israels rechtem Lager zur AfD. Zwar fand er lobende Worte für aus seiner Sicht pro-israelische Positionen innerhalb der AfD, die er vor allem in der Parteivorsitzenden Alice Weidel verkörpert sieht. Doch »im Gegensatz zu den meisten europäischen Rechtsparteien«, die laut Chikli Israel und die jüdische Gemeinschaft vorbehaltlos unterstützten, spreche »die AfD mit zwei Stimmen«.
Der Minister nennt zwei Negativ-Beispiele: den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke, der in Bezug auf den Holocaust eine »erinnerungspolitische Wende um 180 Grad« in Deutschland gefordert hatte – und Maximilian Krah. »Die Zeit wird zeigen, ob diese Partei in der Lage ist, sich von Bullies zu säubern, die kein Problem darin sehen, in der SS zu dienen«, so Chikli.
Der israelische Minister nahm damit Bezug auf ein Interview, das Krah der italienischen Zeitung »La Repubblica« im Mai 2024 gegeben hatte. Darin sagte er: »Ich werde nie sagen, dass jeder, der eine SS-Uniform trug, automatisch ein Verbrecher war.« Die Aussage Krahs wurde vielfach als Verharmlosung der unter anderem für die KZs zuständigen SS kritisiert und schlug auch in Israel Wellen.
»Komplett dumm«
Gegenüber Ynet rechtfertigte sich Krah nun. Inhaltlich verteidigte er seine Aussagen zwar, nannte sie aber gleichzeitig »komplett dumm« und »ein kommunikatives Desaster«. Die israelische Journalistin, die das Interview führte, gab sich zufrieden: »Es ist ausreichend für mich, dass Sie sagen, es zu bereuen.« Auf die Vorstellungen seines Parteifreunds Höcke zum Holocaust-Gedenken angesprochen, sagte Krah: »Ich bin optimistisch, dass nun jeder versteht, dass solche Rhetorik inakzeptabel ist und dass wir viel mit Israel gemeinsam haben.«
Doch Krahs aktuelle Positionen dürften in seiner Partei kaum mehrheitsfähig sein. Nach dem Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 gehörte die AfD zu den Kräften im Parlament, die von Anfang an gegen deutsche Waffenlieferungen nach Israel waren. Zudem konnte die AfD im September bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt knapp 44 Prozent der Stimmen mit einem Programm gewinnen, in dem die deutsche Holocaust-Erinnerung als »Verewigung eines Schuldkomplexes« bezeichnet wird.
Das Bild, das Krah in Israel von seiner Partei zeichnet – pro-israelisch und die deutsche Verantwortung für den Holocaust bejahend –, stimmt heute wohl weniger denn je mit der Realität überein.
Annäherung wird wahrscheinlicher
Dafür, dass eine Annäherung zwischen der AfD und der israelischen Rechten dennoch wahrscheinlicher geworden ist, spricht zweierlei: zum einen die große Bereitschaft, mit der der Likud seine bisherigen Berührungsängste gegenüber anderen Rechtsaußen-Parteien in Europa hat fallen lassen – und zum anderen die Stärke der AfD. Eine Partei, die seit Monaten die bundesweiten Umfragen anführt, lässt sich von den Israelis, für die Deutschland der wichtigste Verbündete in der EU ist, immer schlechter ignorieren.
Maximilian Krah ist jedenfalls zuversichtlich, dass die israelische Brandmauer zur AfD bald fällt. »Ich weiß, dass unsere Partei offiziell abgelehnt wird«, so der Abgeordnete bei Ynet. Aber »normale Israelis« würden ihm sagen, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis sich das ändert. Er selbst wolle Israel künftig öfter besuchen.