Hamburg

Block-Entführung: Team war »zusammengewürfelter Haufen« aus Israel und Deutschland

Christina Block und ihr Anwalt Ingo Bott am Donnerstag im Hamburger Landgericht Foto: picture alliance/dpa/Pool dpa

Die Frage, ob sich Christina Block kurz vor der gewaltsamen Rückholung ihrer Kinder mit maskierten Entführern traf, bestimmt weiter den Prozess vor dem Landgericht Hamburg. Der Verteidiger eines angeklagten Israelis (36), Sascha Böttner, betonte, dieses Treffen habe am 28. Dezember 2023 im Hotel Grand Elysée stattgefunden. Das Team sei »ein zusammengewürfelter Haufen« gewesen, sagte der Anwalt.

Die Männer hätten keine persönliche Beziehung zum Chef des israelischen Sicherheitsunternehmens, David Barkay (68), gehabt. Diese Firma soll laut Anklage für die gewaltsame Rückholaktion in der Silvesternacht 2023/24 verantwortlich sein.

Es sei den Männern am 28. Dezember darum gegangen, zu »verifizieren, dass der Auftrag von der Kindesmutter erteilt wird«, sagte der Verteidiger des 36-Jährigen. Die Männer hätten sich seiner Ansicht nach vermummt, um »professionelles Auftreten« zu vermitteln. Sein Mandant sei überzeugt gewesen, es handele sich um eine »Rettungsmission«.

Mutter soll Auftrag zur Entführung gegeben haben

Die Hamburger Unternehmerin Block ist angeklagt, nach einem erbitterten Sorgerechtsstreit den Auftrag zur Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder gegeben zu haben. Der Vater Stephan Hensel hatte diese 2021 nach einem Wochenendbesuch bei ihm in Dänemark nicht zurückgebracht. Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette »Block House«, Eugen Block, bestreitet die Vorwürfe. Ihr Ex-Mann ist in dem Prozess Nebenkläger.

Der Verteidiger von Christina Block, Ingo Bott, hatte am vorherigen Verhandlungstag erklärt, dass es ein solches Treffen am 28. Dezember nie gegeben habe. Die Behauptung, Frau Block könne irgendwas gewusst haben, sei abwegig. Es sei zudem unglaubwürdig, dass das Team maskiert gewesen sein soll, aber sonst im Hotel für Kameras gut sichtbar ohne Maskierung herumgelaufen sei.

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Auch an diesem 40. Verhandlungstag äußerte sich Bott noch einmal ausführlich. Das sei nicht der Platz für ein vorgezogenes Plädoyer, ermahnte ihn die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt schließlich. Der Anwalt Hensels, Philip von der Meden, wählte scharfe Worte und bezeichnete Botts Erklärung als »allgemeine Schwafelei«, die nur die Zeit stehle. Bott wiederum warf der Seite der Nebenklage vor, mit solchen Aussagen nur Überschriften für die Presse produzieren zu wollen.

Block-Anwalt: Angebliches Treffen nur »Wunschdenken«

Bott betonte, das angebliche Treffen am 28. Dezember sei nur »Wunschdenken« der mutmaßlichen Entführer, die davon mehrere Versionen geliefert hätten. Böttners Mandant habe diesen Termin lange nicht erwähnt und erst nach Barkays Zeugenaussage davon berichtet. Er »will noch irgendwie mitmachen«. Der 36-Jährige hatte die späte Erwähnung dagegen damit begründet, er habe Christina Block schützen wollen.

Der Mann ist der Einzige aus dem Team, der festgenommen wurde und in Untersuchungshaft sitzt. Der Chef der mutmaßlichen Entführer, Barkay, hatte für eine Zeugenaussage Monate später wie drei weitere Israelis sicheres Geleit bekommen. Sie müssen jetzt ebenfalls mit einer Anklage und einem Prozess rechnen.

Barkay hatte vor einigen Wochen im Gerichtssaal ausgesagt, Christina Block habe von der geplanten Rückholung Kenntnis gehabt, sei jedoch nicht in Einzelheiten eingeweiht gewesen. Sein gesamtes Team sei aus Israel nach Hamburg gereist und habe sich am 28. Dezember 2023 mit ihr getroffen. Block habe dem Team dafür gedankt, dass es gekommen sei, um die Kinder zu retten.

In dem aktuellen Verfahren gibt es sechs weitere Angeklagte. Darunter ist auch Blocks Lebensgefährte, der Ex-Sportmoderator Gerhard Delling. Auch er bestreitet, etwas Unrechtes getan zu haben.

Der Prozess wird am Freitag mit der Befragung eines Kriminalbeamten fortgesetzt. dpa

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