Urteil

Mustafa A. soll Lahav Shapira nicht aus Antisemitismus fast totgeschlagen haben

Mustafa A. während des ersten Prozesses gegen ihn. Der Ex-Lehramtsstudent hatte im Februar 2025 seinen Kommilitonen Lahav Shapira krankenhausreif geschlagen Foto: picture alliance/dpa

Mehr als zwei Jahre nach einem brutalen Angriff auf den jüdischen Studenten Lahav Shapira in Berlin ist der Täter auch im Berufungsprozess zu einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt worden. Das Landgericht Berlin verhängte gegen den 25-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren. Das Gericht habe allerdings nicht festgestellt, »dass die Tat einen antisemitischen Hintergrund hat«, sagte die Vorsitzende Richterin Sinja Stachrowski. 

In der ersten Instanz hatte das Amtsgericht Tiergarten im April 2025 drei Jahre Haft verhängt. Es habe sich um einen »antisemitischen Gewaltexzess« gehandelt, befand die Vorinstanz. Der Angeklagte hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt. Der 25-Jährige - ein früherer Kommilitone Shapiras - hatte die Gewalttat gestanden. Er bestritt jedoch eine antisemitische Motivation. 

»Welches Motiv soll es sonst gewesen sein«, sagte laut »Tagesspiegel« Lahav Shapira im Gerichtsflur in Reaktion auf das Urteil. »Ich bin genervt, es ist traurig.«

Auch der Geschäftsführer des »Tikvah Instituts«, Volker Beck, hält das Urteil »für ein Rätsel«. Der ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete ist auch Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG). Der Jüdischen Allgemeinen sagte er: »Was kann den Täter derart gereizt haben, dass er einen derart exzessiven Angriff auf Lahav Shapira gestartet hat? Welcher nicht-antisemitische Tathintergrund soll hier vorgelegen haben?« Im Tikvah Institut wolle man sich das Urteil genau anschauen und prüfen, »ob eine gesetzgeberische Diskussion notwendig ist«, so Beck.

Angeklagter bat um Entschuldigung

Der frühere Lehramtsstudent der Freien Universität (FU) und das Opfer waren sich am 2. Februar 2024 – vier Monate nach dem Terroranschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 – zufällig in einer Bar in Berlin-Mitte begegnet. Als Shapira das Lokal verließ, folgte ihm der 25-Jährige. Er habe den inzwischen 33-jährigen Studenten spontan niedergeschlagen und anschließend gegen den Kopf getreten, so das Gericht. Das Opfer erlitt Knochenbrüche im Gesicht und eine Hirnblutung. 

Lesen Sie auch

In seinem Schlusswort kurz vor dem Urteil entschuldige sich der Angeklagte persönlich bei Shapira, der im Prozess Nebenkläger war. »Es tut mir sehr leid«, sagte der 25-Jährige. Er habe sich in Therapie begeben und könnte versichern, »dass so etwas nie wieder geschehen wird«. 

Die Staatsanwaltschaft hatte in der zweiten Instanz auf eine Haftstrafe von zwei Jahren und elf Monaten plädiert. Die Verteidigung beantragte eine Bewährungsstrafe, stellte allerdings keinen konkreten Antrag. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. dpa

Khan Younis

Israel wirft Hamas Folter in Klinik vor

Die Terrororganisation soll ein Krankenhaus im Süden des Gazastreifens als Folterzentrale nutzen, um ihre Macht über die Bevölkerung auszubauen

 20.08.2026

Berlin

Diskriminierung wegen falscher Hummus-Aussprache?

Im Ortsteil Prenzlauer Berg soll ein arabisches Restaurant einen israelischen Gast wegen der vermeintlich falschen Aussprache des Kichererbsengerichts nicht bedient haben. Das Lokal widerspricht dem Vorwurf

 20.08.2026

USA

Amerikas nächster Präsident?

Rahm Emanuel gilt als Hoffnungsträger der Demokraten und steht für einen Kurs der Mitte – sowohl in innenpolitischen Fragen als auch im Verhältnis zu Israel. Eine Annäherung

von Joshua Schultheis  20.08.2026

München

Knobloch in Zeiten von Judenhass: »Ich habe mich getäuscht«

Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden spricht offen über ihre Enttäuschung: Warum die Reaktion auf das Hamas-Massaker ihr nicht genügt und der Judenhass sie tief erschüttert

 20.08.2026

Florida

Nach antisemitischen Angriffen: »Hebräischer Hammer« gewinnt Vorwahl

Der jüdische Abgeordnete Randy Fine, ein republikanischer Israel-Unterstützer, setzt sich gegen den Antisemiten Dan Bilzerian durch

 20.08.2026

Berlin

Medienbericht: Andreas Franck will nicht Antisemitismusbeauftragter werden

Das Bundesinnenministerium wollte die Absage Francks auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren

 20.08.2026

Mar del Plata

Argentinien entlässt Bundesrichter wegen antisemitischer Äußerungen

Der Justizrat sieht einen schweren Verstoß gegen die für Richter geltenden Anforderungen an Anstand und Unparteilichkeit

 20.08.2026

München

Brandanschlag auf jüdisches Gemeindezentrum: Hinweise auf deutschen Täter verdichten sich

56 Jahre nach dem tödlichen Anschlag in der Reichenbachstraße 27 legen die Ermittler einen neuen Erkenntnisstand vor

 20.08.2026

Berlin

Umfrage: Mehrheit lehnt AfD-geführte Regierung im Osten ab

Die zumindest in Teilen rechtsextremistische Partei kann bei den Landtagswahlen im Osten mit hohen Stimmanteilen rechnen. Die Möglichkeit, dass sie im Anschluss einen Ministerpräsidenten stellen könnte, stößt überwiegend auf Ablehnung

 20.08.2026