Washington D.C.

Mitglied im Aufsichtsrat des Holocaust-Museums: Bernie Sanders blieb Sitzungen 18 Jahre lang fern

Senator Bernie Sanders mit dem neuen New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani Foto: picture alliance / Andrea Renault/STAR MAX/IPx

Der amerikanische Senator Bernie Sanders hat über fast zwei Jahrzehnte hinweg kein einziges Treffen des Aufsichtsgremiums des Holocaust Memorial Museum in Washington D.C. besucht. Das geht aus Anwesenheitslisten hervor, die nun öffentlich wurden. Der Vorgang sorgt in Washington für scharfe Kritik – auch aus den eigenen Reihen – und hat eine parteiübergreifende Initiative ausgelöst, Sanders aus dem Gremium abzuberufen. Die »New York Post« und andere Medien in den USA berichteten.

Sanders gehört dem sogenannten Holocaust Memorial Council seit 2007 an. Das Gremium überwacht die Arbeit des nationalen Holocaust-Museums und kommt in der Regel zweimal im Jahr zusammen. Nach Angaben von Museumsmitarbeitern, die entsprechende Unterlagen zur Verfügung stellten, fehlt der Senator aus Vermont jedoch seit seiner Berufung bei sämtlichen Sitzungen.

Ein Mitglied des Rates, der Jurist Robert Garson, äußerte sich ungewöhnlich deutlich: »Es gibt zwei große Treffen im Jahr, zu denen Menschen aus dem ganzen Land anreisen. Aber Bernie Sanders konnte sich nicht einmal dazu aufraffen, ein paar Straßen in Washington zu überqueren.«

Brief an Schumer

Auch Jonathan Burkan, ein weiterer Museumsrat, reagierte mit Spott: »Achtzehn ist im Judentum eigentlich eine gute Zahl – aber nicht in diesem Fall.« Beide betonten, sie sprächen nicht im Namen des Museums, sondern persönlich.

Der Holocaust Memorial Council wurde 1980 per Gesetz gegründet. Er besteht aus 55 vom Präsidenten berufenen Mitgliedern sowie zehn Vertretern aus dem Kongress, je fünf aus Senat und Repräsentantenhaus. Sanders zählt zu den vom Senat entsandten Mitgliedern.

Mehr als ein Dutzend Ratsmitglieder haben nun einen Brief an den demokratischen Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer, unterzeichnet. Darin fordern sie, Sanders zu ersetzen. Begründet wird dies nicht nur mit seiner jahrelangen Abwesenheit, sondern auch mit seinen öffentlichen Äußerungen zum Gaza-Krieg.

Gesunder Menschenverstand

»In der aktuellen Situation, in der Judenhass und Holocaust-Verzerrung weltweit zunehmen, ist es unerlässlich, dass die vom Senat entsandten Mitglieder des Councils engagiert sind und die Mission des Museums uneingeschränkt unterstützen«, heißt es in dem Schreiben.

Weiter wird auf Sanders’ »öffentliche Aussagen zu zeitgenössischen angeblichen Völkermorden« verwiesen. Zudem habe er »selten, wenn überhaupt, an Sitzungen des Councils teilgenommen«. Sanders, der wie Schumer Jude ist, gehört zu den lautesten Kritikern des jüdischen Staates in der amerikanischen Hauptstadt.

Alex Heckler, ein langjähriger Aktivist der Demokratischen Partei und selbst Mitglied des Gremiums, sagte: »Das ist kein parteipolitisches Thema, sondern eine Frage des gesunden Menschenverstands.« Sanders’ Überzeugungen und öffentlichen Aussagen stünden nicht im Einklang mit dem Auftrag des Museums. »Er hat in all den Jahren, in denen ich im Council sitze, kein einziges Treffen besucht.«

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»Warum blockiert man einen Platz?«

Auch andere Ratsmitglieder zeigten sich fassungslos. Jimmy Resnick, der von Präsident Trump in das Gremium berufen wurde, sagte: »Warum nimmt man jemandem den Platz weg, der tatsächlich erscheinen würde? Ich verstehe das nicht.« Sanders’ Verhalten wirke so, »als existiere dieser Posten für ihn gar nicht«.

Resnick wies darauf hin, dass andere demokratische Ratsmitglieder – darunter Susan Rice und Doug Emhoff – noch im vergangenen Jahr an Sitzungen teilgenommen hätten.

Unklar bleibt, warum Sanders das Gremium nie nutzte, um Einfluss auf die pädagogische Ausrichtung des Museums zu nehmen. Historiker verweisen darauf, dass Sozialisten und Kommunisten eine bedeutende Rolle im Widerstand gegen die Nationalsozialisten spielten und sozialistische Zionisten wie David Ben-Gurion maßgeblich an der Gründung Israels beteiligt waren.

»Die Absicht ist klar«

Sanders veröffentlichte im September 2025 eine ausführliche Erklärung, in der er Israel einen Völkermord im Gazastreifen vorwarf. Darin schrieb er: »Die Absicht ist klar. Die Schlussfolgerung ist unausweichlich.«

Weiter erklärte Sanders: »Dieses Wort stammt aus dem Holocaust – der Ermordung von sechs Millionen Juden – einem der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte.« Und weiter: »Machen wir uns nichts vor: Wenn es keine Rechenschaftspflicht für Netanjahu und seine Mitstreiter unter den Kriegsverbrechern gibt, werden andere Demagogen dasselbe tun. Die Geschichte verlangt, dass die Welt mit einer Stimme sagt: genug ist genug. Kein weiterer Völkermord.«

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu betonte wiederholt, die israelische Armee gehe gegen die Hamas vor, nicht gegen die Zivilbevölkerung. Die Streitkräfte (IDF) haben im Verlauf des Krieges humanitäre Zonen und Fluchtrouten eingerichtet und Bewohner vor bevorstehenden Luftangriffen gewarnt. 

Die Hamas missbraucht palästinensische Zivilisten im Gazastreifen als menschliche Schutzschilde. Die Terroristen verstecken Waffen und Raketen in zivilen Einrichtungen und beschießen israelische Soldaten unter anderem aus Krankenhäusern und Schulen. 

Schweigen von Sanders und Schumer

Anfang Januar vereidigte Sanders zudem den neuen Bürgermeister von New York, Zohran Mamdani, der öffentlich damit gedroht hatte, Ministerpräsident Netanjahu bei einer Einreise nach New York festnehmen zu lassen.

Weder Sanders noch Schumer äußerten sich bislang zu den Forderungen nach einer Ablösung. Auch der Präsident pro tempore des Senats, Chuck Grassley, ließ Anfragen unbeantwortet, obwohl auch er formell befugt wäre, eine Neubesetzung vorzunehmen. Sanders ist einer von derzeit zehn jüdischen Senatoren. Kritiker betonen, es gebe zahlreiche qualifizierte Kandidaten, die bereit wären, den Sitz aktiv auszufüllen.

Zwar gestaltet das Holocaust-Museum keine Regierungspolitik, doch gilt es als eine der wichtigsten jüdischen Institutionen in Washington – mit großer symbolischer und pädagogischer Bedeutung.

Sanders ist nicht der einzige Senator mit schwacher Anwesenheitsbilanz. Die demokratische Senatorin Jacky Rosen nahm nur an zwei der letzten zehn Sitzungen teil. Der Republikaner Tim Scott fehlte bei den vergangenen 13 Treffen, war jedoch zumindest 2017 und 2019 anwesend. Ein weiterer Sitz ist derzeit unbesetzt. ja

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