USA

Fall Mahmoud Khalil: Abschiebung wieder möglich

Mahmoud Khalil bei der Amtseinführung des New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani am 1. Januar 2026. Foto: picture alliance / Anadolu

Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat in einem aufsehenerregenden Einwanderungsverfahren einen juristischen Erfolg erzielt. Ein Bundesberufungsgericht entschied mit knapper Mehrheit, dass ein Richter der Vorinstanz nicht befugt war, die Freilassung des israelfeindlichen Aktivisten Mahmoud Khalil aus der Haft anzuordnen.

Das aus drei Richtern bestehende Gremium des 3. US-Berufungsgerichts kam mit zwei zu eins Stimmen zu dem Ergebnis, dass dem zuständigen Bundesrichter in New Jersey die rechtliche Zuständigkeit fehlte, um in das Abschiebungsverfahren einzugreifen. Amerikanische Medien berichteten. Damit stellte sich das Gericht auf die Seite der Trump-Regierung.

Khalil war Anfang März in seiner Wohnung in New York von Beamten der Heimatschutzbehörde festgenommen worden. Am 20. Juni ordnete ein Bezirksrichter seine Freilassung aus staatlichem Gewahrsam an – eine Entscheidung, die nun kassiert wurde.

»Betrug und falsche Angaben«

In der schriftlichen Begründung erklärten die Richter, der Kongress habe im Einwanderungsrecht ein klares Verfahren vorgesehen. Khalil stehe es frei, seine Einwände zu einem späteren Zeitpunkt im Rahmen einer Überprüfung einer endgültigen Abschiebungsentscheidung geltend zu machen. Das Gericht ordnete an, den ursprünglichen Antrag auf Haftprüfung abzuweisen.

Das Weiße Haus begrüßte die Entscheidung. Regierungssprecherin Abigail Jackson erklärte, Khalil habe sein Studentenvisum »durch Betrug und falsche Angaben« erlangt. »Mahmoud Khalil wurde das Privileg gewährt, zum Studium in die Vereinigten Staaten zu kommen – ein Privileg, das er sich durch Täuschung verschafft hat«, sagte Jackson. Die Exekutive habe das Recht und die Pflicht, die Bevölkerung zu schützen und die Integrität des Einwanderungssystems zu sichern.

Lesen Sie auch

Weiter sagte sie: »Khalil hat relevante Informationen zu seinem Hintergrund vorsätzlich und absichtlich verschwiegen. Wer die US-Regierung belügt, um ins Land zu gelangen, muss mit Konsequenzen rechnen.«

Wichtiger Etappensieg

Die Entscheidung gilt als wichtiger Etappensieg für die Trump-Regierung, die seit Monaten auf die Abschiebung Khalils drängt. Der Aktivist ist Inhaber einer dauerhaften Aufenthaltserlaubnis und war früher Student an der Columbia University. Er war als Organisator und Teilnehmer israelfeindlicher Proteste aufgefallen.

Außenminister Marco Rubio hatte in einem internen Memorandum erklärt, Khalils Verbleib in den USA könne »erhebliche negative außenpolitische Folgen« haben und zentrale Interessen der Vereinigten Staaten beeinträchtigen. Grundlage dieser Einschätzung seien Informationen der Sicherheitsbehörden über Khalils Beteiligung an antisemitischen Protesten und störenden Aktionen.

»Diese Aktivitäten schaffen ein feindseliges Umfeld für jüdische Studierende in den Vereinigten Staaten«, schrieb Rubio. Zudem untergrabe Khalils öffentliches Auftreten die Bemühungen der USA, Antisemitismus im In- und Ausland zu bekämpfen und jüdische Studenten vor Belästigung und Gewalt zu schützen.

Khalil selbst zeigte sich kämpferisch. »Die heutige Entscheidung ist zutiefst enttäuschend, aber sie bricht nicht unseren Willen«, erklärte er. Zwar sei die Tür für eine erneute Inhaftierung geöffnet worden, doch sein »Engagement für Palästina und für Gerechtigkeit« werde fortgesetzt. im

Essay

Fallstricke des Wokeismus

Gegenerzählungen zur westlichen Kolonialgeschichte bilden ein berechtigtes Korrektiv, aber was über Israel verbreitet wird, bedarf grundlegender Korrekturen

von Richard Blättel  22.06.2026

Kanada

Zwei Tote bei Anschlag im jüdischem Viertel von Montreal

Bei einem der Opfer soll es sich laut Medienberichten um Michael Moshe Mizrahi handeln, ein Mitglied der örtlichen jüdischen Gemeinde

 22.06.2026 Aktualisiert

Meinung

Wenn niemand sonst zu Israel steht

Unser Autor ist Schüler auf einem Gymnasium nahe Köln. Mit Entsetzen musste er feststellen, dass Antisemitismus und Israelhass in seiner Klasse weit verbreitet sind. Nun fragt er sich: Wie kann das sein?

von Jan Tersteegen  22.06.2026

Verhandlungen

USA lockern Sanktionen auf iranisches Öl

Nach »produktiven« Gesprächen mit dem Iran setzen die USA Teile ihrer Sanktionen gegen den Iran vorübergehend aus. Die Maßnahme könnte dem Iran Milliarden einbringen und die Energiemärkte beruhigen

 22.06.2026

Trauer

Orakel und Maestro

Über 18 Jahre lang herrschte Alan Greenspan als Zentralbankchef über die Zinspolitik der weltgrößten Wirtschaftsmacht. Mit 100 Jahren ist er nun gestorben

von Anna Ringle, Thomas Kaufner  22.06.2026

Debatte

Jüdischer Verein verlangt Schutz für das Tragen religiöser Symbole

Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen: Bei einem Prozess wegen Volksverhetzung in Flensburg musste eine Zuschauerin ihre Davidsternkette ablegen. Der Verein Jüdischer Hochschullehrender fordert nun Maßnahmen von der Justiz

 22.06.2026

Berlin

Mann mit Kippa beleidigt und bespuckt

Laut eines Medienberichts kam es am Samstag in Berlin-Charlottenburg zu einem antisemitischen Vorfall

 22.06.2026 Aktualisiert

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  22.06.2026

Berlin

Nova-Ausstellung: Interne Unterlagen zeigen Streit um Fördergeld

Die Finanzierung des Projekts war bis zuletzt umstritten. Eine angekündigte Kürzung der Landesförderung in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro wurde zurückgenommen

 22.06.2026