Offener Brief

Schramm warnt vor Rechtsruck in Sachsen-Anhalt

Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen Foto: IMAGO/ari

Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Reinhard Schramm, hat vor einem wachsenden Nationalismus und einem möglichen Rechtsruck in Deutschland und Europa gewarnt. In einem am Dienstag in Erfurt veröffentlichten offenen Brief äußerte der 81-Jährige Verständnis für die Sorgen vieler Menschen angesichts von Preiserhöhungen, Firmenpleiten und drohenden Massenentlassungen.

Gleichzeitig warnte er jedoch mit Blick auf die anstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt davor, Schuldige zu suchen und Sündenböcke zu benennen.

Mit Blick auf politische Entwicklungen weltweit zeigte sich Schramm besorgt, dass rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien zunehmend als wählbar empfunden würden. Besonders in Deutschland sei dies erschreckend, da der Nationalsozialismus Europa einst in seine größte Katastrophe geführt habe. Der Gemeindevorsitzende rief dazu auf, dass demokratische Kräfte mit guten Argumenten um tragfähige Lösungen ringen müssten.

»Nie wieder« als bleibender Auftrag

Die AfD nannte Schramm wegen ihrer rechtsextremistischen Tendenzen und ihrer Haltung zur Erinnerungskultur »nicht wählbar«. Ausdrücklich nannte er die Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen und Forderungen nach einer »180-Grad-Wende« in der Erinnerungspolitik.

Schramm verwies auch auf die eigene Familiengeschichte. Angehörige seien während der NS-Zeit über Gefängnisse in Weißenfels und Naumburg in Konzentrationslager deportiert und ermordet worden, etwa nach Neuengamme, Ravensbrück und in die Tötungsanstalt Bernburg. Daraus leite sich für ihn der bleibende Auftrag »Nie wieder!« ab, der sein Engagement bis heute präge. epd

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