Medien

Merz: Habe mich mit Begriff Staatsräson immer schwergetan

Bundeskanzler Friedrich Merz Foto: picture alliance / dts-Agentur

Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich zurückhaltend zum Begriff der Staatsräson geäußert und gleichzeitig deutlich gemacht, dass Israels Sicherheit ein wichtiger Teil der deutschen Außenpolitik bleibe.

Auf die Frage, ob der von der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel geprägte Begriff erledigt sei, sagte der CDU-Vorsitzende im Interview der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung«: »Ich habe mich mit diesem Begriff immer schwergetan, weil er in all seinen Konsequenzen nie ausbuchstabiert worden ist.« Merkel hatte die Sicherheit Israels in einer Rede vor dem israelischen Parlament, der Knesset, im Jahr 2008 zur Staatsräson erklärt. 

Seine Haltung zu Israel habe sich trotzdem nicht verändert, sagte Merz nun.

Merz sagte bereits Anfang Oktober in der ARD-Sendung »Caren Miosga« auf den Hinweis, dass er mit dem Begriff nicht viel anfangen könne: »Staatsräson hat man in der Regel für das eigene Land und nicht für andere.« Noch im Juni hatte Merz gesagt: »Unsere Staatsräson ist die Verteidigung des Staates Israel in seiner Existenz.« 

Seine Haltung zu Israel habe sich trotzdem nicht verändert, sagte Merz nun der »FAS«. »Es gibt diesen besonderen Wesenskern in den Beziehungen zum Staat Israel, und dazu gehört, dass Israels Sicherheit immer auch ein wichtiger Teil der deutschen Außenpolitik war, ist und bleibt.« Jede Bundesregierung müsse im Lichte der Lage im Nahen Osten neu bewerten, »wie wir dieser Verantwortung für Israels Sicherheit am besten gerecht werden können«.

Lesen Sie auch

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wegen dessen Distanzierung vom Begriff einer deutschen Staatsräson gegenüber Israel kritisiert. Man sei enttäuscht über das Abrücken des Kanzlers, sagte DIG-Präsident Volker Beck am Samstag in Berlin. »Mit dieser Distanzierung gibt er jenen ohne Not diskursiv recht, die sich grundsätzlich an jeder Bekräftigung von Deutschlands Verantwortung für Israels Sicherheit stören.«

Merz hatte am 8. August angeordnet, dass vorerst keine Ausfuhren von Rüstungsgütern nach Israel mehr genehmigt werden, die im Gaza-Krieg verwendet werden können.

Nach der Einigung zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas auf erste Schritte in einem Friedensprozess hatte Merz erklärt, dass diese Regelung überdacht werden müsse. Der Exportstopp hatte in Israel für Unmut gesorgt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warf Deutschland vor, mit dem Beschluss die islamistische Hamas für deren Terror zu belohnen. dpa

Berlin

Bezirk prüft Entzug der Zulassung von antisemitischem Influencer als Berufsbetreuer

Auf Instagram verbreitet er Judenhass und Verschwörungsmythen, im Job soll er Berufstätige mit Herausforderungen betreuen. Passt das zusammen?

 21.08.2026

Iran-Konflikt

Nach Berichten über Missstände: US-Flugzeugträger »USS George Washington« löst Pannenschiff ab

Die »USS Abraham Lincoln« ist seit Monaten im Mittleren Osten eingesetzt und hat zuletzt wegen erheblicher Probleme an Bord Schlagzeilen gemacht. Nun ist ein neuer Flugzeugträger in der Region angekommen

 21.08.2026

Benjamin Graumann Jüdische Gemeinde Frankfurt

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  21.08.2026

Berlin/Brüssel/Jerusalem

Sieben Staaten und EU verlangen Stopp von Siedlungsprojekt im Westjordanland

Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und weitere Länder fordern Israel auf, die geplante Bebauung zu stoppen. Die EU bereitet offenbar ein Sanktionspaket vor

 21.08.2026

Khan Younis

Israel wirft Hamas Folter in Klinik vor

Die Terrororganisation soll ein Krankenhaus im Süden des Gazastreifens als Folterzentrale nutzen, um ihre Macht über die Bevölkerung auszubauen

 20.08.2026

Berlin

Diskriminierung wegen falscher Hummus-Aussprache?

Im Ortsteil Prenzlauer Berg soll ein arabisches Restaurant einen israelischen Gast wegen der vermeintlich falschen Aussprache des Kichererbsengerichts nicht bedient haben. Das Lokal widerspricht dem Vorwurf

 20.08.2026

USA

Amerikas nächster Präsident?

Rahm Emanuel gilt als Hoffnungsträger der Demokraten und steht für einen Kurs der Mitte – sowohl in innenpolitischen Fragen als auch im Verhältnis zu Israel. Eine Annäherung

von Joshua Schultheis  20.08.2026

München

Knobloch in Zeiten von Judenhass: »Ich habe mich getäuscht«

Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden spricht offen über ihre Enttäuschung: Warum die Reaktion auf das Hamas-Massaker ihr nicht genügt und der Judenhass sie tief erschüttert

 20.08.2026

Florida

Nach antisemitischen Angriffen: »Hebräischer Hammer« gewinnt Vorwahl

Der jüdische Abgeordnete Randy Fine, ein republikanischer Israel-Unterstützer, setzt sich gegen den Antisemiten Dan Bilzerian durch

 20.08.2026