Berlin

Mehr als 1000 Juristen sprechen sich für AfD-Verbotsverfahren aus

Foto: picture alliance/dpa

Hunderte Juristinnen und Juristen haben sich für die Einleitung eines Verbotsverfahrens gegen die AfD vor dem Bundesverfassungsgericht ausgesprochen. Nach Angaben des Republikanischen Anwältinnen- und Anwältevereins (RAV) haben inzwischen mindestens 1051 Rechtsanwälte, Richter, Staatsanwälte, Verwaltungsjuristen, Unternehmensjuristen sowie Rechtsreferendare einen entsprechenden offenen Brief an die Bundesregierung und die Bundestagsabgeordneten unterzeichnet. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Mit dem Schreiben fordern die Unterzeichner die politischen Entscheidungsträger auf, zeitnah einen Verbotsantrag in Karlsruhe auf den Weg zu bringen. Sie berufen sich dabei auf ein rechtswissenschaftliches Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF), das zu dem Schluss kommt, die Politik der AfD verstoße gegen das im Grundgesetz verankerte Menschenwürdeprinzip sowie gegen das Demokratieprinzip und sei deshalb verfassungswidrig.

Nach Auffassung des RAV tragen Bundesregierung und Bundestag die politische Verantwortung, die Voraussetzungen für ein Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht zu schaffen. Die Juristen warnen, ein Verzicht auf ein Verbotsverfahren könne der Demokratie schweren Schaden zufügen, falls die AfD ihre als verfassungsfeindlich bewerteten politischen Vorstellungen umsetzen könne.

»Neuer Autoritarismus«

Die RAV-Vorsitzende Angela Furmaniak erklärte, das Grundgesetz stelle mit dem Parteiverbotsverfahren ein Instrument bereit, das nun genutzt werden müsse. Die Politik dürfe sich »nicht mehr hinter Scheinargumenten verstecken«, sondern müsse »handeln, bevor es zu spät ist«.

Lesen Sie auch

Kritik an dieser Forderung kommt von der Gründerin des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW). Sie bezeichnete bereits die Debatte über ein mögliches Verbot als problematisch und sprach von einem »neuen Autoritarismus, der aus Unfähigkeit zur sachlichen Auseinandersetzung immer ungenierter nach Verboten ruft«.

Das BSW hatte Ende Juni zudem ein Ende der bisherigen Abgrenzung gegenüber der AfD gefordert und der Partei Wahlkampfdebatten vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern angeboten. Die AfD lehnte direkte Wahlkampfduelle zwar ab, erklärte sich jedoch grundsätzlich zu Gesprächen mit dem BSW bereit, sollte die Partei in die Landtage einziehen.

Bestand der Bundesrepublik

Nach Artikel 21 Absatz 2 des Grundgesetzes können Parteien verboten werden, wenn sie darauf ausgerichtet sind, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden. Einen entsprechenden Antrag können ausschließlich Bundesregierung, Bundestag oder Bundesrat beim Bundesverfassungsgericht stellen.

Die AfD wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall beobachtet. Mehrere Landesverbände der Partei werden von den jeweiligen Verfassungsschutzbehörden bereits als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. ja

Nach CSD-Anschlag

So viele islamistische Gefährder müssen nun in Berlin Fußfesseln tragen

Eine Übersicht

 05.08.2026

Berlin

Viele Fragezeichen zu CSD-Anschlag nach Sondersitzung

Gab es Kommunikationsprobleme zwischen Sicherheitsbehörden und Politik vor dem Anschlag am Rande des CSD? Abgeordnete sehen reichlich offene Fragen rund um die Tat

 05.08.2026

Berlin

Insolvenz: Masorti-Grundschule muss schließen

Die Hintergründe

von Mascha Malburg  05.08.2026

Arlington (Virginia)

USA haben Großteil ihrer Langstreckenraketen im Iran-Krieg verbraucht

Im Verlauf der Operation »Epic Fury« wurden bereits nahezu sämtliche verfügbaren Army Tactical Missile Systems (ATACMS) sowie Precision Strike Missiles (PrSM) eingesetzt

 05.08.2026

Großbritannien

Antisemitische Vorfälle in Großbritannien um 21 Prozent gestiegen

Der Community Security Trust registriert einen Fall von lebensbedrohlicher Gewalt sowie 135 körperliche Angriffe – so viele wie noch nie in einem ersten Halbjahr

 05.08.2026

Washington D.C.

Bericht: USA und Iran vor Übergangsdeal in Straße von Hormus

Noch am Wochenende hatte US-Präsident Donald Trump weitere Angriffe auf den Iran gestoppt: Er sah einen Deal in Reichweite. Jetzt soll tatsächlich eine Übergangslösung kurz vor dem Abschluss stehen

 05.08.2026

Washington D.C.

Autonomiebehörde und PLO könnten weiterhin 656 Mio. Dollar Schadenersatz zahlen müssen

Angehörige von Opfern der Zweiten Intifada können die Behörde und die Terrororganisation weiterhin auf Schadensersatz verklagen, wie der Oberste Gerichtshof in den USA feststellt

 05.08.2026

Bansko

Bulgarische Neonazis bedrohen jüdische Jugendliche aus Italien

Vor einem Hotel, in dem jugendliche Teilnehmer eines jüdischen Sommercamps untergebracht sind, riefen Neonazis »Sieg Heil!«

 05.08.2026

Dublin

Wegen Israel-Boykott: Irisches Regierungsflugzeug kann nicht mehr im Nebel landen

Beim Kauf der Maschine wurde bewusst auf das System »FalconEye« verzichtet, weil der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems an dem Produkt beteiligt ist

 05.08.2026