Diplomatie

Malaysias Premier verteidigt Drohung, Israelis abzuschieben

Will Israels aufspüren und deportieren lassen: Malaysias Premierminister Anwar Ibrahim (hier bei einer Solidaritätskundgebung für Gaza im August 2025) Foto: picture alliance / Anadolu

Mehrere Abgeordnete der Demokraten im Repräsentantenhaus haben US-Außenminister Marco Rubio aufgefordert, der malaysischen Regierung die Mittel für ein von Washington finanziertes militärisches Ausbildungsprogramm für ausländische Soldaten zu streichen. Hintergrund sind Aussagen von Malaysias Premierminister Anwar Ibrahim.

Vergangene Woche hatte dieser gesagt, alle auf malaysischem Staatsgebiet angetroffenen israelischen Staatsbürger würden festgestellt und außer Landes gebracht, da sein Land das staatliche Existenzrecht Israels nicht anerkenne. Israelische Doppelstaatsbürger reisen dennoch seit Jahren nach Malaysia ein, müssen aber dafür einen anderen Pass benutzen. Anlass für die Kontroverse waren Berichte, dass Personen mit israelischem Pass an einem Schulprojekt in Johor teilgenommen haben sollen.

Lesen Sie auch

»Es ist völlig inakzeptabel, dass ein Regierungschef öffentlich erklärt, sein Land werde Bürger unseres engen Verbündeten allein aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit aufspüren und ausweisen. Dies sollte nicht auf Kosten der amerikanischen Steuerzahler gehen«, erklärte der Abgeordnete Greg Landsman.

Malaysias Weigerung, Israel diplomatisch anzuerkennen, sei »schon beunruhigend genug«, so das Schreiben. Dies dürfe nicht auch noch vom amerikanischen Steuerzahler gefördert werden. Unterschrieben haben den Brief an Rubio auch die Demokraten Josh Gottheimer, Jimmy Panetta, Dan Goldman, Debbie Wasserman Schultz, Jared Moskowitz, Brad Sherman und Jake Auchincloss.

Am Mittwoch antwortete Anwar ihnen und sagte, Malaysia übe lediglich sein souveränes Recht auf Einreisekontrolle aus. Er verwahrte sich gegen Anschuldigungen der US-Abgeordneten, seine Regierung verstoße gegen internationales Recht, und nannte die Vorwürfe »völlig absurd«.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Weiter sagte der Premierminister: »Wir lehnen die Anwesenheit israelischer Staatsbürger hier ab. Nicht die von Juden, sondern von israelischen Staatsbürgern, da sie untrennbar mit  den Morden, Verbrechen sowie der anhaltenden Unterdrückung und Kolonisierung Palästinas und des Gazastreifens verbunden sind.«

Anwars Vorgänger, einstiger Förderer und mittlerweile erbitterter Gegner Mahatir Mohamad hatte in der Vergangenheit regelmäßig mit antisemitischen Äußerungen für Empörung im Westen gesorgt. So behauptete Mahatir 2018, Juden würden die Welt durch Stellvertreter beherrschen und hätten Hakennasen.

Der BBC sagte er, der Nahostkonflikt lasse sich einzig und allein auf die Gründung Israels zurückführen. Auch die Zahl von sechs Millionen Juden, die im Holocaust ermordet wurden, stellte der heutige 101-jährige Langzeitregierungschef in Frage. mth

Kommentar

Die Schatten der Vergangenheit sind lang

Wie der Hessische Rundfunk über jüdische Grundstücke stolpert

von Daniel Neumann  18.09.2026

Weimar

Gedenkstätte Buchenwald bittet um Spenden für Kyryl Romantschenko

Die Familie Romantschenko ist der Gedenkstätte Buchenwald seit Jahrzehnten eng verbunden. Nun benötigt der 18-jährige Kyryl Romantschenko Unterstützung

 18.09.2026

Wuppertal

Brandanschlag auf Synagoge: Staatsanwaltschaft geht von Judenhass aus

Der 37 Jahre alte mutmaßliche Täter soll aus antisemitischen Gründen gehandelt haben

 18.09.2026

Tel Aviv

Shin-Bet-Chef: Wir finden alle Hamas-Terroristen vom 7. Oktober

»Wir haben euch verfolgt, wir verfolgen euch und wir werden euch bis zum letzten Mitverschwörer verfolgen«, sagt Shin-Bet-Chef David Zini

 18.09.2026

Jerusalem

Warum ein Ex-Shin-Bet-Chef Israelis dazu aufruft, zu Jom Kippur in der Synagoge ihre Waffen zu tragen

Die Verantwortlichen der Synagogen sollten dafür sorgen, dass bewaffnete Menschen kommen, sagt Arik Barbing

 18.09.2026

Erinnerungspolitik

Weimer wirft AfD »Frontalangriff« auf Integrität der Republik vor

In den Positionen der Rechtsaußenpartei sieht der Kulturstaatsminister einen Angriff auf das moralische Selbstverständnis der Bundesrepublik

von Corinna Buschow, Karsten Frerichs  18.09.2026

Martin Hikel (3.v.l, SPD), Bezirksbürgermeister von Neukölln, nimmt vor dem Rathaus Neukölln an der Aktion „Berlin trägt Davidstern“ teil.

Berlin

Solidarität nach Angriff auf Frau mit Davidstern

Stadtweit waren Berlinerinnen und Berliner zum Tragen eines Magen David aufgerufen. In Neukölln kam es auch zu Pöbeleien

 18.09.2026

Sachsen-Anhalt

Jurist hält Bundeszwang »nicht für abwegig«

Falls eine AfD-geführte Landesregierung Verfassungsrecht oder Bundesgesetze missachten sollte, könnte der sogenannte Bundeszwang zum Einsatz kommen

 18.09.2026

Reaktionen

»Dass es hier in Wuppertal passiert und wieder passiert, das macht mich sprachlos«

Der Wuppertaler SPD-Bundestagsabgeordnete Helge Lindh ist einer von vielen Menschen, die sich zum Brandanschlag auf die Synagoge geäußert haben. Die Reaktionen im Überblick

 18.09.2026