Nach Antizionismus-Beschluss

Linken-Spitze will gegen Antisemitismus vorgehen

Heidi Reichinnek, Sören Pellmannn, Ines Schwerdtner, Jan van Aken (v.l.) beim Bundesparteitag der Linken in Chemnitz Foto: picture alliance / Chris Emil Janßen

Nach der Aufregung um einen Beschluss der Linken in Niedersachsen zum Zionismus verurteilt die Spitze der Bundespartei klar jede Art von Antisemitismus. »Die Linke stellt sich gegen jede Form von Antisemitismus, antimuslimischem Rassismus und gegen die Instrumentalisierung des Nahostkonflikts für innenpolitische Hetze«, heißt es in einem Antrag des Geschäftsführenden Bundesvorstandes an den Bundesparteitag, der Mitte Juni in Potsdam stattfindet. Das ARD-Hauptstadtstudio hatte zuerst über den Antrag berichtet, er liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. 

Die Linke bekenne sich weiterhin »unmissverständlich« zum Selbstbestimmungsrecht von Jüdinnen und Juden im heutigen Staat Israel, genauso wie zum Selbstbestimmungsrecht von Palästinenserinnen und Palästinensern in einem unabhängigen Staat Palästina, heißt es in dem sechsseitigen Papier, über das nun der gesamte Bundesvorstand noch berät. »Dies schließt ausdrücklich das Existenzrecht Israels und das Existenzrecht Palästinas im Sinne einer integrativen Zweistaatenlösung ein«, betont die Linken-Spitze um die Vorsitzenden Ines Schwerdtner und Jan van Aken.

Lesen Sie auch

Aufregung um Beschluss der niedersächsischen Linken 

Die Linke verurteilt in dem Papier die islamistische Terrororganisation Hamas und deren Gewalt und kritisiert zugleich scharf das Vorgehen Israels. »Auch wir in der Linken sind mehrheitlich davon überzeugt, dass die systematisch begangenen Verbrechen einen Völkermord darstellen«, heißt es in dem Papier. Die israelische Regierungspolitik wird als »zunehmend autoritär, nationalistisch und offen expansionistisch« beschrieben. 

Mit dem Vorschlag für den Parteitag reagiert die Führung auf innerparteiliche Debatten, die sich zuletzt an einem Beschluss der niedersächsischen Linken neu entzündet hatten. Der kritisierte Beschluss des Landesverbands vom vergangenen Wochenende richtet sich gegen »heute real existierenden Zionismus«. Historisch ist Zionismus eine politisch-religiöse Bewegung mit dem Ziel, einen jüdischen Nationalstaat in Palästina zu errichten. Der Beschluss enthält auch Vorwürfe, wonach die israelische Regierung im Gazastreifen einen »Genozid« betreibe und in Israel und den besetzten Gebieten »Apartheid« herrsche.

Landesvorstand räumt Fehler ein 

Die Parteichefs hatten sich von dem Beschluss bereits distanziert. Nun zeigte sich auch der Landesvorstand selbstkritisch. »Der unbedingte Kampf gegen Antisemitismus und der Schutz jüdischen Lebens sowie zugleich die Ächtung von Kriegsverbrechen und der Einsatz für die Einhaltung des Völkerrechts sind das Fundament linker Politik. Diese beiden Dinge klar zu formulieren, ist uns mit dem Beschluss vom vergangenen Wochenende nicht gelungen«, heißt es in einer Erklärung des Landesvorstandes vom Freitagabend. 

Der Landesvorstand erklärte: »Antisemitismus hat in unserer Partei keinen Platz. Ebenso stehen für uns das Existenzrecht Israels und das Recht der Palästinenser*innen auf einen eigenen Staat außer Frage.« Zentrale Formulierungen des Textes seien »seitens der Öffentlichkeit als unausgewogen wahrgenommen« worden. Dies habe zur aktuellen Zuspitzung beigetragen. »Wir nehmen die Kritik, insbesondere von jüdischen Organisationen und Verbänden, sehr ernst und werden die Aussprache mit ihnen suchen«, hieß es vom Landesvorstand.

Teheran

Irans neuer Oberster Führer erklärt USA zum Verlierer des Krieges

Der Oberste Führer wirft den Gegnern seines Landes vor, nach dem militärischen Konflikt nun auf psychologische Mittel zu setzen

 05.06.2026

Hamburg

Ex-Antisemitismusbeauftragter berät CDU

Stefan Hensel hatte sein Amt aus Protest gegen die Arbeit des rot-grünen Senats niedergelegt. Jetzt berät er die Opposition bei der Ausarbeitung eines Aktionsplans gegen Antisemitismus

 05.06.2026

Potsdam

Antisemitismusbeauftragter legt Bericht vor

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner hat eine erste offizielle Bilanz seiner Arbeit angekündigt

 05.06.2026

Wahlen

Weimer: AfD wird »wie ein Soufflé« zusammenfallen

In Umfragen ist die AfD an den Regierungsparteien CDU und SPD vorbeigezogen. Doch der Kulturstaatsminister ist zuversichtlich, dass sich das Blatt bald wendet

 05.06.2026

Jerusalem

US-Botschaft warnt amerikanische Staatsbürger vor erhöhter Gefahr im Nahen Osten

Ist die neue Sicherheitswarnung ein Hinweis auf bevorstehende neue Angriffe gegen das iranische Regime, dessen Revolutionsgarden und atomare Anlagen?

 05.06.2026

Interview

»Wir wollen eine Gegenstimme zu israelfeindlichen Narrativen sein«

Anika Schmütz ist die neue Vorsitzende des »Jungen Forums« der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Ein Gespräch über das Israelbild unter jungen Deutschen, Antisemitismus in linken Milieus und die Freundschaft zwischen zwei Ländern

von Joshua Schultheis  05.06.2026

Washington D.C.

Trump will iranische Uranbestände nach Kriegsende holen

Zum wiederholten Mal äußert sich der US-Präsident hinsichtlich eines Abkommens mit Teheran optimistisch: Bereits in den kommenden Tagen könne eine vorläufige Einigung erzielt werden

 05.06.2026

Kommentar

Juden haben Hausverbot

Ausgerechnet in einem Prozess gegen einen Antisemiten würde einer Jüdin der Zutritt verwehrt, weil sie einen Davidstern um den Hals trug. Keine der Erklärungen für diesen Skandal ist beruhigend

von Wolf J. Reuter  05.06.2026

Meinung

Sicherheitsrat? Wichtiger ist, dass Deutschland Weltmeister wird!

Deutschland scheitert in New York mit seiner Bewerbung für den UN-Sicherheitsrat - und die versammelte Schwarmintelligenz weiß auch warum. Spoiler-Alert: Es hat etwas mit Annalena Baerbock zu tun. Oder mit Israel

von Michael Thaidigsmann  04.06.2026