Saudi-Arabien

Leoparden in der Wüste

Geschäft im Visier: Deutschland plant, 200 Leopard-2-Panzer nach Saudi-Arabien zu verkaufen. Foto: imago

Der Terminplan auf der Israelreise von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) war eng. Neben Kranzniederlegung in der Gedenkstätte Yad Vaschem und Treffen mit Knessetmitgliedern standen Anfang der Woche vor allem »militärpolitische Gespräche« im Zentrum. Der aktuellste Anknüpfungspunkt dürfte das noch nicht offiziell bestätigte Leopard-2-Panzergeschäft zwischen Deutschland und Saudi-Arabien sein.

Über die Vermutung, Israel und die USA hätten vor dem Verkauf von über 200 Leopard-Panzern für geschätzte 1,7 Milliarden Euro ihr Einverständnis dazu gegeben, schweigen sich die Beteiligten aus. Aber auch israelische Quellen sprechen von »grünem Licht« aus Jerusalem. Israels Vizeaußenminister Danny Ayalon sprach gar von »vollständigem Vertrauen in die deutsche Regierung«.

Aufrüstung Kritik am Panzerexport entzündet sich vor allem innenpolitisch. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Jerzy Montag, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe, kritisiert den Verkauf der Panzer, denn Saudi-Arabien »ist ein menschenrechtsverachtender und undemokratischer Staat«.

Man wisse nicht, ob das saudische Herrscherhaus die Panzer nicht gegen die Demokratiebewegung einsetze, so wie es China 1989 tat. Montag warnt vor einer neuen »Aufrüstungsspirale im Nahen Osten«. Auch SPD und Linke kritisieren die Bundesregierung scharf.

Deutschland ist laut Angaben des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) der weltweit drittgrößte Waffenexporteur – nur übertroffen von den USA und Russland. So fuhr die Bundesrepublik im Jahr 2010 Waffen im Wert von rund 2,5 Milliarden US-Dollar aus. Und der Handel werde immer attraktiver, sagt Siemon Wezemann von SIPRI: »Es ist ein großer Markt. Wenn man das Geschäft am Laufen halten will, dann wird auch Deutschland in Zukunft in Länder exportieren, die in der Vergangenheit nicht attraktiv waren – wie Saudi-Arabien.«

Export Allerdings ist für Wezemann der geplante Verkauf von über 200 Panzern »überraschend« gewesen. Deutschland habe in der Vergangenheit eine sehr restriktive Waffenexportpolitik betrieben, sagte Wezemann der Jüdischen Allgemeinen.

Er könne sich gut vorstellen, dass es eine vorherige Abstimmung mit Isreal und den USA gegeben habe: »Was Lieferungen in diese Region angeht, ist Deutschland sehr sensibel.« Dass das Panzergeschäft die Balance im Nahen Osten verschieben würde, glaubt Wezemann aber nicht.

Saudi-Arabien hatte erst kürzlich dem benachbarten Bahrain mit Panzern geholfen, die dortige Demokratiebewegung niederzuschlagen. Dafür, befürchtet Mohammed al-Kahtani von der saudischen Menschenrechtsgruppe ACPRA, werden die Panzer gekauft – »um die saudi-arabische Bevölkerung zu bedrohen und zu unterdrücken«.

Guido Steinberg, Nahostexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik, schreibt in der Süddeutschen Zeitung, es sei »immer wahrscheinlicher, dass die Panzer tatsächlich zum Einsatz kommen«. Sie seien »gerade für die Bekämpfung von Unruhen im städtischen Umfeld« geeignet. Das sei umso bedenklicher, weil das Regime in Riad »eine extremistische Islam-Interpretation fördert, die nicht allzu weit von der Ideologie Al-Qaidas entfernt ist«.

iran Was Jerusalems Motivation angeht, dem deutsch-saudischen Deal zuzustimmen, hat der israelische Militärhistoriker Martin van Creveld eine Theorie: »Die Panzer könnten dafür bestimmt sein, iranischen Plänen in der Golfregion entgegenzutreten, aber nicht, um Israel zu bekämpfen.«

Es würde ihn auch nicht überraschen, wenn der Verkauf der Leopard-2-Panzer Teil eines größeren Geschäfts wäre.

Kiev

Israelischer Unternehmer klagt gegen Selenskyj

Timur Mindich reicht Klage gegen ein Präsidialdekret ein, mit dem persönliche Sanktionen gegen ihn verhängt worden waren

 21.05.2026

Sachsen-Anhalt

Szenario: Gegängelte Bildung, mehr rechte Gewalt mit AfD-Regierung

Laut Umfragen könnte die AfD im September in Sachsen-Anhalt an die Regierung kommen. Was das für Auswirkungen hätte, hat die Amadeu Antonio Stiftung skizziert

von Lukas Philippi  21.05.2026

Meinung

Iranischer Staatsterror: Zeit zu handeln, Herr Bundeskanzler!

Die Islamische Revolutionsgarde des Iran wollte den Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft zufolge Josef Schuster und Volker Beck ermorden lassen. Das darf nicht ohne Konsequenzen bleiben

von Michael Thaidigsmann  21.05.2026

Berlin

Zentralrat der Juden distanziert sich von Itamar Ben-Gvir

Ein Video des rechtsextremen israelischen Ministers sorgt weltweit für Empörung. Auch die Vertretung der Juden in Deutschland äußert sich

 21.05.2026

Hamburg

Teheraner Regime soll Ermordung von Josef Schuster geplant haben

Das iranische Mord-Komplott richtete sich auch gegen den Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck

 21.05.2026 Aktualisiert

Berlin

Zentralrat startet Initiative gegen Antisemitismus im Fußball

Slogans wie »Aus Liebe zum Spiel. Gegen Antisemitismus« sowie »Mitfiebern. Gegen Antisemitismus« sollen zum DFB-Pokalfinale auf digitalen Werbetafeln zu sehen sein

 21.05.2026

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026

Nahost

Strategische Oberhand

War der Krieg gegen das iranische Regime ein Fehlschlag? Eine Analyse

von Michael Wolffsohn  21.05.2026

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026