Kommentar

Ich gebe die Hoffnung für Brandenburg nicht auf

Alex Stolze Foto: Stephan Pramme

Das Aus der Koalition zwischen SPD und BSW in Brandenburg zeigt einmal mehr die Schwierigkeit, in unserer heutigen Welt gemeinsam an einem Tisch zu sitzen und Kompromisse zu finden. Vor allem, wenn es um die Lösung von Problemen geht. Demokratie war schon immer ein schwieriges Unterfangen und scheitert zunehmend daran, verschiedene Perspektiven zusammen zu bringen. Weltweit zerbrechen Bündnisse daran, sich auf Mittelwege zu einigen. Polarisierte Gesellschaften verhindern einen dialektischen Umgang mit Schwierigkeiten. 

Für nicht polarisierende Meinungen bleibt kaum noch Raum im Lärm unserer Zeit. Lärm, Raash רעש, Krach, Tumult - das ist der Vibe der Gegenwart.  Das geht nicht nur uns Jüdinnen und Juden so, die wir spätestens seit dem 7.Oktober 2023 einer Lawine von Unmöglichkeiten der Kommunikation ausgesetzt sind. 

Der Zwang zur Positionierung verhindert die Möglichkeit von Ambiguität.  Von der Polarisierung und Verrohung der Gesellschaften profitiert weltweit der Populismus.

Egal ob Trump, die AFD, das BSW oder auch der Aufschwung Netanjahus in Israel in Folge der Ermordung Yitzhak Rabins – ein populistischer Politikstil instrumentalisiert die Ängste der Menschen. 

Mit einfachen Antworten darauf, was die Lösung auf die Probleme sei, erobern und erhalten die Populisten unserer Zeit ihre Macht, ohne Verantwortung bis zum Ende zu übernehmen. Und sie profitieren von der Zerrüttung eines linken Parteienspektrums, das einstmals für Progressivität und Humanität stand. Heute steht es mehr denn je als Pseudonym für Spaltung , die Linke von der SPD, das BSW von der Linken, Mitgefühl gilt nur noch für einen Teil der Menschen. 

Aber Populisten liegen falsch darin, einfache Antworten zu haben, denn diese Antworten haben immer einen zerstörerischen Rattenschwanz.

Das nun zerbrochene Bündnis unter der SPD wurde in einem Final-Sprint bei der Wahl in Brandenburg 2024 zum ersten Mal gebildet.

Ich als Mitglied von Bündnis 90/ Die Grünen habe in meinem Wahlkreis kandidiert, aber am Ende meine Stimme wie viele von uns bei der Wahl der SPD gegeben, um den Sieg der AfD abzuwenden. Nun ist es an der SPD, eine neue stabile Regierung zu bilden und den Spaltungen der sich radikalisierenden Mitte etwas entgegenzusetzen. Ich hoffe, dass wir in Zukunft den Einfluss der AfD weiter abwenden können. Dafür braucht es aber eine Politik, die die Menschen in den Mittelpunkt stellt. 

Wir brauchen die Stimmen, die in der Jetzt-Zeit noch in der Lage sind, sinnvolle und  progressive Beiträge zum Zusammenleben zu leisten und damit überhaupt Gehör zu bekommen. Ich gebe meine Hoffnung für Brandenburg jedenfalls noch nicht auf.

Alex Stolze ist Musiker und lebt in der Uckermark.

Meinung

Orden für den Botschafter: Wie Leo XIV. Irans Regime aufwertet

Mit seinem Orden für den iranischen Botschafter beim Heiligen Stuhl verpasst der Papst den Menschen im Iran symbolisch einen Tritt in die Magengrube

von Michael Thaidigsmann  13.05.2026

Meinung

Was Sachsen-Anhalt im Herbst droht

Nach den aktuellen Umfragen ist eine Alleinregierung für die AfD zum Greifen nah. Was das allein für die Erinnerungspolitik bedeuten würde, konnte man zuletzt an der Reaktion der Landespartei auf den 8. Mai beobachten

von Mascha Malburg  13.05.2026

Kommentar

Warum Dieter Nuhr den Leo-Baeck-Preis gerade jetzt verdient hat

Dass der Zentralrat der Juden den Kabarettisten ehrt, sendet ein wichtiges Signal weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus

von Ahmad Mansour  13.05.2026

Meinung

Wer definiert das Judentum?

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg im Üechtland verleiht dem messianischen Rabbiner Mark S. Kinzer die Ehrendoktorwürde. Das belastet das jüdische Verhältnis zu einem katholischen Partner

von Zsolt Balkanyi-Guery  12.05.2026

Essay

Warum ich Zionist bin

Heute ist Zionismus für viele ein Schimpfwort und gleichbedeutend mit Rassismus. Da muss eine Verwechslung vorliegen. Antizionismus ist Rassismus. Der Zionismus ist die selbstverständlichste Antwort auf zweitausend Jahre Verfolgung, Vertreibung und Völkermord

von Mathias Döpfner  12.05.2026

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026

Kommentar

Wenn »schwarz auf weiß« nicht mehr genügt

Eine funktionierende Demokratie braucht freie Medien – aber vor allem glaubwürdige

von Roman Haller  10.05.2026

Meinung

»Boykottlisten« gegen »Zionisten«? Die 30er-Jahre lassen grüßen

Streit um eine Palästina-Halskette: Was wirklich im Berliner Café »The Barn« passierte, was das Café »Acid« damit zu tun hat und welche Rolle die Lokalpresse spielt

von Ayala Goldmann  08.05.2026

Essay

Wenn meine Töchter mich fragen

Am 8. Mai 1945 wurde der NS-Staat besiegt, aber nicht das Denken, das ihn ermöglicht hat. Der Hass wächst heute wieder. Werde ich meinen Kindern einmal sagen können, dass ich nicht geschwiegen, sondern widersprochen habe?

von Andreas Albrecht  08.05.2026