Potsdam

Beauftragter gegen Judenhass: »Ich sehe nicht ein, mich verschrecken zu lassen«

Andreas Büttner Foto: picture alliance/dpa

Der brandenburgische Antisemitismusbeauftragte Andreas Büttner zeigt sich nach dem Brandanschlag auf sein Wohnhaus und einer anschließenden Morddrohung entschlossen und unbeugsam. Einschüchtern lassen wolle er sich nicht, sagte Büttner dem »Tagesspiegel« in einem Interview. Was ihm widerfahren sei, bezeichnete er als Angriff auf demokratische Institutionen. »Ich sehe nicht ein, mich von solchen Leuten verschrecken zu lassen.«

In der Nacht zum Sonntag war auf seinem Grundstück im uckermärkischen Templin ein Nebengebäude in Brand gesetzt worden. Büttner schilderte, er sei am späten Samstagabend im Wohnzimmer eingeschlafen und gegen drei Uhr morgens durch das Klirren einer Scheibe an der Haustür aufgewacht. Beim Blick nach draußen habe er gesehen, dass das Lagergebäude brannte.

Er habe umgehend seine Familie gewarnt. Besonders dramatisch sei die Situation gewesen, weil sein ältester Sohn noch versucht habe, mit einem Eimer zu löschen. »Ich habe ihm zugerufen: Bleib stehen. Ich weiß nicht, ob noch Personen auf dem Grundstück sind.« Die Feuerwehr sei etwa zehn Minuten nach dem Notruf eingetroffen und habe zwei Benzinkanister sowie eine Gasflasche aus dem brennenden Gebäude geborgen. Trotzdem habe es mehr als zwei Stunden gedauert, bis das Feuer vollständig gelöscht gewesen sei.

»Ich lebe noch«

Während die Familie in der Kälte vor dem Haus ausharrte, entdeckte sie ein rotes Dreieck an der Haustür. »Da war mir klar: Ich bin jetzt auch ein Ziel.« Das Symbol wird von der palästinensischen Terrororganisation Hamas verwendet, um Anschlagsziele zu markieren.

Besonders belastend sei die Situation für seinen jüngsten Sohn, sagte Büttner in dem »Tagesspiegel«-Interview. Der 15-Jährige habe Angst und könne wegen einer geistigen Behinderung derzeit nicht allein bleiben. »Er schläft im Moment bei meiner Frau im Bett.« Die übrigen Familienmitglieder hätten den Schock vergleichsweise gut verarbeitet. Noch in der Tatnacht habe seine Familie ihn darin bestärkt, seine Arbeit fortzusetzen. »Sie haben mir gesagt, ich müsse weitermachen. Eigentlich sogar noch lauter werden.«

Am Montag nach dem Anschlag erreichte Büttner eine weitere Bedrohung. In der Post im Landtag fand er einen Briefumschlag ohne Absender, aus dem ein schwarz-weißes Pulver rieselte. »Da habe ich sofort den Sicherheitsdienst eingeschaltet.« Das Landeskriminalamt habe den Brief geöffnet und darin eine Morddrohung sowie erneut das Dreieckssymbol gefunden. Bei dem Pulver handle es sich nach bisherigen Erkenntnissen um eine ungefährliche Substanz. Büttner kommentierte trocken: »Ich lebe noch. Von daher ist alles gut.«

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Polizei vor der Tür

Dass er vergleichsweise gefasst wirke, erklärte Büttner mit seiner beruflichen Vergangenheit. Er habe 25 Jahre lang als Polizeibeamter in Berlin gearbeitet und sich einen Schutzmechanismus zugelegt. »Ich habe am Sonntag irgendwie von oben auf den Brandanschlag geschaut, als wäre es ein Einsatz.« Wie es ihm gehe, werde sich möglicherweise erst zeigen, wenn Ruhe einkehre.

Scharf wies Büttner Vorwürfe der AfD zurück, der brandenburgische Innenminister René Wilke habe ihn nicht ausreichend geschützt. Wilke habe sehr schnell und empathisch reagiert, sagte Büttner. Es sei umgehend ein objektbezogener Polizeischutz angeordnet worden. »Die Polizei steht bei uns vor der Tür. Das beruhigt auch meine Familie.« Auch Ministerpräsident Dietmar Woidke habe ihn mehrfach angerufen.

Büttner erinnerte daran, dass er bereits kurz nach seinem Amtsantritt im Juni 2024 Ziel eines antisemitischen Angriffs geworden sei. Damals seien Hakenkreuze und ein durchgestrichener Davidstern in den Lack seines Autos geritzt worden. Das Verfahren sei später eingestellt worden. »Ich gehe davon aus, dass jemand ein Problem mit mir hatte und die Situation ausnutzte.«

Kippa oder Davidstern

Mit Blick auf die Täter der aktuellen Anschläge sagte Büttner dem »Tagesspiegel«, es gebe bislang keine gesicherten Erkenntnisse. Er beobachte jedoch, dass der Großteil der Drohungen gegen ihn aus linken, antikolonialen Milieus komme. »Ich habe eine klare Meinung und lasse mir die nicht verbieten.« Zugleich betonte er, dass antisemitische Straftaten weiterhin überwiegend von Rechtsextremen begangen würden. Antisemitismus wachse jedoch auch in islamistischen und linken Kreisen sowie in der gesellschaftlichen Mitte.

Die Sicherheitslage für Jüdinnen und Juden in Brandenburg beschrieb Büttner als angespannt. »In der Synagoge sind sie geschützt, aber nicht auf dem Weg dorthin.« Es müsse selbstverständlich möglich sein, öffentlich eine Kippa oder einen Davidstern zu tragen. »Wenn das nicht möglich ist, haben wir ein massives Problem mit Antisemitismus.«

Trotz der Bedrohungen wolle er an seiner Aufgabe festhalten. Seine Arbeit sei darauf ausgerichtet, jüdisches Leben sichtbar zu machen und zu schützen, gerade in einem Flächenland wie Brandenburg. »Meine Aufgabe ist es, dass sich Jüdinnen und Juden hier wohl und sicher fühlen.« Er fühle sich derzeit von seinem Ministerium und der Polizei gut geschützt. Weitere Sicherheitsmaßnahmen würden geprüft, Details wolle er bewusst nicht nennen. »Wir wollen ja niemanden einladen.« im

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