Der amerikanische Jurist und langjährige Harvard-Professor Alan Dershowitz hat in einem Beitrag für das »Wall Street Journal« seinen Bruch mit der Demokratischen Partei angekündigt. Nach eigenen Angaben war er seit 1959 als Demokrat registriert. Nun wolle er sich als Republikaner eintragen lassen. Grund sind starke antiisraelische Tendenzen in seiner bisherigen Partei.
Dershowitz schreibt, er sei ein »lebenslanger Demokrat« gewesen. Bereits als Jugendlicher habe er in Brooklyn Wahlkampf für lokale Kandidaten der Partei gemacht. Später habe er als Student Reden für John F. Kennedy gehalten. Republikaner habe er in seinem Leben nur in Ausnahmefällen unterstützt.
Zugleich betont der jüdische Jurist, dass er in vielen politischen Fragen weiterhin deutlich anderer Meinung sei als die Republikaner. Er nennt unter anderem Abtreibung, das Verhältnis von Kirche und Staat, Einwanderung, Gesundheitsversorgung und Steuern. Dennoch habe er beschlossen, »die Kröte zu schlucken« und Republikaner zu werden.
Aus dem Randbereich in den Mainstream
Als Hauptgrund nennt Dershowitz die Haltung der Demokraten zu Israel. Die Partei sei zur »antiisraelischsten Partei in der amerikanischen Geschichte« geworden. In der vergangenen Woche hätten bis auf sieben demokratische Senatoren alle übrigen Mitglieder der Fraktion für ein Waffenembargo gegen den jüdischen Staat gestimmt.
Weiter schreibt er, der »harte linke, antiisraelische Flügel« der Demokraten sei inzwischen aus dem Randbereich in den Mainstream gerückt. Früher habe es vor allem unter jüngeren Wählern eine größere Distanz zu Israel gegeben, inzwischen zeigten Umfragen jedoch, dass sich dieser Trend auf Demokraten aller Altersgruppen ausgeweitet habe.
Dershowitz warnt zudem vor einer generellen politischen Verschiebung. Die Feindseligkeit gegenüber Israel stehe für eine »tiefere und gefährlichere Bewegung weg von der Mitte und hin zu einem radikalen Kurs«, der Amerika und der freien Welt schade.
Verhinderung einer demokratischen Mehrheit
Deshalb wolle er nun aktiv daran arbeiten, eine demokratische Mehrheit im Kongress zu verhindern. Er kündigt an, republikanische Kandidaten finanziell zu unterstützen, für sie Wahlkampf zu machen, auf Veranstaltungen zu sprechen und proisraelische Amerikaner zum Parteiwechsel oder zumindest zur Stimmabgabe gegen Demokraten aufzurufen.
Wörtlich erklärt Dershowitz: »Bis sich etwas ändert, werde ich für Repräsentantenhaus, Senat und Präsident republikanisch stimmen.« Zugleich hofft er nach eigenen Angaben, durch seinen Parteieintritt auch Einfluss auf die Republikaner nehmen zu können. Vielleicht könne er helfen, einige Positionen der Partei wieder stärker in die politische Mitte zu rücken.
Mit Blick auf die Demokraten zeigt er sich dagegen pessimistisch. Er habe den Versuch aufgegeben, die Partei von innen zu verändern. Viele traditionelle demokratische Wähler könnten nicht akzeptieren, was aus ihr geworden sei. Sie gleiche inzwischen einer Kopie europäischer Linksparteien, »die ihren Ländern schaden«.
Der heute 87-jährige Dershowitz, der aus einer orthodoxen Familie stammt, ist neben seinen Rollen als Juraprofessor und Kommentator auch als Verteidiger von Berühmtheiten vor Gerichten bekannt. Zu seinen Klienten zählten unter anderem Mike Tyson, Julian Assange und Jeffrey Epstein. im
