Der Fall eines hessischen Gymnasiallehrers, der wegen scharfer Kritik an Israels Kriegsführung in Gaza und der deutschen Unterstützung für die israelische Regierung vom Dienst suspendiert wurde, beschäftigt Gerichte und die Staatsanwaltschaft. Nachdem ein Eilantrag des Mannes gegen das vom Schulamt Rüsselsheim ausgesprochene Dienstverbot erfolglos blieb, liegt der Fall aktuell beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof. Der zuständige Senat sei um eine zeitnahe Entscheidung bemüht, teilte ein Gerichtssprecher dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit.
Zudem läuft bei der Staatsanwaltschaft Mainz ein Ermittlungsverfahren wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung gegen den Pädagogen. Die Ermittlungen gehen allerdings nicht auf die hessischen Behörden, sondern auf die Strafanzeige einer Privatperson zurück.
»Ich habe keine verfassungsfeindlichen Positionen vertreten«,
sagte der Mathematik- und Informatiklehrer Julian Hundt dem epd. Nach
dem Hamas-Angriff auf Israel im Oktober 2023 habe er noch eine Solidaritätsveranstaltung für die israelischen Opfer besucht. Später
aber habe er auf seinem privaten Instagram-Kanal den israelischen
»Völkermord« in Gaza verurteilt und das Recht der Palästinenser auf
Widerstand gegen die Besatzung betont. »Für alle ist sichtbar, dass
dort großes Unrecht geschieht«, sagte er. »Es ist eine Gewissensfrage: Kann ich schweigen, wenn ich Unrecht erlebe?«
Meinungsäußerungen »nicht als rein privat anzusehen«
Bereits Ende 2025 hatte das Verwaltungsgericht Darmstadt das vom
Schulamt verfügte Dienstverbot und dessen »Gefahrenprognose« bis zur
endgültigen Klärung der Vorwürfe als gerechtfertigt gewertet. Der Lehrer habe auf seinem öffentlichen Account »antisemitische und israelfeindliche« Posts kommentiert und entsprechende Inhalte verlinkt. Zudem habe er in einem Video »selbst angegeben, im Rahmen seiner Lehrtätigkeit fachfremd und unterrichtsunabhängig den Palästina-Konflikt zu thematisieren«. Seine Meinungsäußerungen seien deshalb »nicht als rein privat anzusehen«.
Hundt war mehrere Monate nach seiner Suspendierung selbst mit seinem Fall an die Öffentlichkeit gegangen und hatte in einem Video ausführlich zu den Verfahren gegen sich Stellung genommen. Das zuständige hessische Bildungsministerium will sich auf Nachfrage nicht öffentlich äußern. »Wegen der in Personalangelegenheiten zu wahrenden Vertraulichkeit geben wir keine Auskunft zu einzelnen Personalfällen«, teilte ein Sprecher mit.
Seit dem Dienstverbot und seiner klaren Positionierung im Israel-Palästina-Konflikt sei sein Leben komplett auf den Kopf gestellt, berichtete der in Rheinland-Pfalz lebende Beamte. »Ich möchte gerne wieder mit Jugendlichen arbeiten«, erklärte er. Allerdings habe er Zweifel, ob dies innerhalb des bestehenden Systems noch möglich sei. epd