Berlin

Kritik an Merz-Zitat zur »Drecksarbeit« Israels im Iran

BSW-Chefin Sahra Wagenknecht spricht in Zusammenhang mit den Angriffen gegen das iranische Regime und dessen Atomprogramm von einem »völkerrechtswidrigen Angriffskrieg«, den Merz legitimiere. Foto: picture alliance / Chris Emil Janßen

Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zum israelischen Angriff auf Israel sorgen für scharfe Kritik. »Wenn der Bundeskanzler sagt, Israel mache im Iran die Drecksarbeit für uns, ist das mehr als befremdlich«, sagte der SPD-Politiker Ralf Stegner dem »Spiegel«. Widerspruch kam auch von Grünen, Linken und vom Bündnis Sahra Wagenknecht.

Merz hatte in einem ZDF-Interview mit Blick auf Israels Krieg gegen den Iran das Wort »Drecksarbeit« benutzt und gesagt: »Ich kann nur sagen, größten Respekt davor, dass die israelische Armee den Mut dazu gehabt hat, die israelische Staatsführung den Mut dazu gehabt hat, das zu machen.«

»Mehr Doppelmoral geht nicht«

BSW-Chefin Sahra Wagenknecht sprach von einer Entgleisung sondergleichen. Merz »legitimiert in unverfrorener Weise einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, dem bereits Hunderte Zivilisten im Iran zum Opfer gefallen sind«, sagte Wagenknecht. Das sei ein Bruch mit der Tradition der außenpolitischen Mäßigung.

Merz habe offenbar kein Problem mit einem Kriegseintritt der USA. »Dass jetzt ein Flächenbrand im Nahen Osten droht, ist dem Kanzler keine Silbe wert«, sagte Wagenknecht. »Mehr Doppelmoral geht nicht.«

Lesen Sie auch

Linken-Bundestagsfraktionschef Sören Pellmann kritisierte: »Dass Kanzler Merz jetzt das Völkerrecht über Bord wirft und in die verheerende Logik eines «Rechts des Stärkeren» einstimmt, ist ein Skandal und beschädigt Deutschlands Ansehen bei den Vereinten Nationen und darüber hinaus massiv.«

Merz’ Äußerungen seien eine Absage an rechtsstaatliche und internationale Normen. »Den meisten von uns dürfte noch nicht klar sein, wo das enden kann«, sagte Pellmann der dpa.

»Erhebliche Eskalationsgefahren«

SPD-Politiker Stegner sagte: »Mit einer solchen Diktion suggeriert Herr Merz selbst, dass die militärische Attacke Netanjahus gegen den Iran mutmaßlich völkerrechtswidrig war.« Für einen Vertreter Deutschlands sei jedwede öffentlich geäußerte Erleichterung völlig unangebracht. »Das gilt erst recht, wenn man die fraglos erheblichen Eskalationsgefahren mit einbezieht«, sagte der Sozialdemokrat.

Der Grünen-Politiker Anton Hofreiter sagte dem Sender Welt TV: »Ich halte die Wortwahl für ungeschickt.« Im Iran seien 80 bis 90 Prozent der Menschen gegen das islamistische Regime – »und bei den Angriffen Israels auf den Iran sterben auch Zivilisten«.

Deshalb solle man Worte vorsichtig wählen, meinte Hofreiter. »Aber natürlich wäre es wünschenswert für ganz viele Menschen auf dieser Welt und insbesondere auch für die Menschen im Iran und in Israel, wenn das Mullah-Regime fallen würde.« dpa

Interview

»Soziale Medien sind Brandbeschleuniger für Judenhass«

Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung gegen Antisemitismus, wechselt nach Paris. Am Dienstagabend zog er auf einem Podium in Berlin Bilanz. Im Interview blickt er zusätzlich auch auf Persönliches

von Leticia Witte  03.07.2026

Migration

Mehr Juden, bitte!

Ein Plädoyer

von Tobias Kühn  03.07.2026

Thüringen

Simson-Nachfahren schockiert über Vereinnahmung durch AfD

Die berühmte Moped-Marke wurde von einer jüdischen Familie gegründet. Heute zeigt sich unter anderem Björn Höcke gern mit dem Traditions-Moped

 03.07.2026

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  02.07.2026 Aktualisiert

Protest

Zehntausende Gegner des AfD-Bundesparteitags in Erfurt erwartet

Erfurt hofft auf ein gewaltfreies Wochenende: Zum AfD-Bundesparteitag in der Stadt werden zehntausende Demonstranten erwartet. Kirchen, Parteien und Bündnisse rufen zu friedlichem Protest auf. Die Polizei bereitet sich auf mögliche Störungen vor

von Matthias Thüsing  02.07.2026

Nahost

Iran besteht auf militärische Kontrolle der Straße von Hormus

Die iranische Armee verlangt, dass Schiffe nur die vom Iran festgelegte Route durch die Meerenge nutzt

 02.07.2026

Diplomatie

USA und Iran sollen Fortschritte bei indirekten Gesprächen gemacht haben

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran erschweren eine Lösung der komplexen Konfliktlage im Nahen Osten. Nach indirekt geführten Gesprächen in Doha melden die Vermittler Fortschritte

 02.07.2026

Meinung

Was Deutschland von Albanien lernen kann

Wer immer noch überrascht tut und nicht konsequenter gegen die Mullahs vorgeht, handelt nicht nur fahrlässig, sondern lädt ihre Killer geradezu ein

von Ralf Balke  02.07.2026

Analyse

Vorteil Putin?

Früh hieß es, Russland sei einer der Profiteure des Iran-Kriegs und die Ukraine ein Verlierer. Doch das greift zu kurz

von Alexander Friedman  02.07.2026