Hinter den Kulissen laufen intensive Bemühungen, eine militärische Eskalation zwischen den USA und Iran noch abzuwenden. Nach Informationen aus diplomatischen Kreisen könnte es in den kommenden Tagen in Istanbul zu hochrangigen Gesprächen über das iranische Atomprogramm kommen. Ziel sei es, einen neuen Dialog zu eröffnen, bevor Washington zu militärischen Mitteln greift, schreiben amerikanische Medien wie »The Washington Post«.
Im Zentrum der möglichen Gespräche stehen der US-Sondergesandte Steve Witkoff und Irans Außenminister Abbas Araghchi. Mehrere Regionalmächte vermitteln, darunter die Türkei, Katar und Ägypten. Auch Saudi-Arabien, Oman und Pakistan sollen eingebunden sein. Die Initiative gilt als Versuch, nach dem Abbruch früherer Verhandlungen und den israelisch-amerikanischen Luftangriffen auf iranische Atomanlagen im vergangenen Jahr wieder Bewegung in den festgefahrenen Konflikt zu bringen.
US-Präsident Donald Trump äußerte sich zuletzt öffentlich ambivalent. Einerseits betonte er, er würde »gerne ein Abkommen aushandeln«. Zugleich warnte er, sollte es dazu nicht kommen, könnten »wahrscheinlich schlimme Dinge passieren«. Parallel dazu hat Washington seine militärische Präsenz in der Region massiv ausgebaut – mit Kriegsschiffen, einem Flugzeugträgerverband und zusätzlichen Luftstreitkräften. Offiziell dient dies der Abschreckung, wird in Teheran jedoch als unmittelbare Drohkulisse verstanden.
Ergänzende Formate
Aus diplomatischen Kreisen heißt es, die Vermittler wollten den Gesprächsrahmen bewusst eng halten. Im Fokus solle ausschließlich das iranische Atomprogramm stehen, um eine realistische Einigung zu ermöglichen. Andere strittige Punkte – etwa Irans Raketenprogramm oder die Unterstützung regionaler Terrororganisationen – würden zunächst ausgeklammert. »Wenn es zu Gesprächen kommt, dann nur über das Nuklearthema«, sagte ein beteiligter Diplomat. Alles Weitere solle später über ergänzende Formate adressiert werden.
Araghchi zeigte sich vorsichtig optimistisch. In einem Interview erklärte er, er sehe Spielraum für neue Gespräche, sofern die US-Seite tatsächlich ein »faires und ausgewogenes Abkommen« anstrebe, das sicherstelle, dass Iran keine Atomwaffen erlange. »Wenn das der Maßstab ist, bin ich zuversichtlich, dass wir eine Einigung erreichen können«, sagte der Außenminister. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Teheran kein Interesse an Verhandlungen über »unmögliche Dinge« habe.
Washington fordert neben einer Begrenzung des Atomprogramms unter anderem die Ausfuhr hoch angereicherten Urans und Einschnitte bei der Raketenentwicklung. Iran weist diese Forderungen bislang zurück und betont sein Recht auf zivile Nutzung der Kernenergie. Zwar wird in Expertenkreisen über Kompromissmodelle diskutiert – etwa eine formalisierte Aussetzung weiterer Urananreicherung –, doch bleibt offen, ob beide Seiten dafür politisch bereit sind.
Scharfe Rhetorik
Erschwert werden die Annäherungsversuche durch scharfe öffentliche Rhetorik. Irans oberster Führer Ali Khamenei warnte zuletzt, ein erneuter Angriff der USA würde einen regionalen Krieg auslösen. Die Vereinigten Staaten strebten danach, Iran erneut zu dominieren und über Ressourcen, Politik und Sicherheit zu bestimmen. Teheran drohte im Gegenzug mit Vergeltung und verwies auf die Verwundbarkeit amerikanischer Stützpunkte in der Region.
Gerade diese Drohkulisse erklärt den ungewöhnlich geschlossenen Einsatz der Regionalmächte. In mehreren Hauptstädten wächst die Sorge, bei einer Eskalation zwischen Washington und Teheran selbst ins Visier iranischer Gegenangriffe zu geraten. Ein Analyst brachte es so auf den Punkt: Es sei selten, dass Länder wie Pakistan, Saudi-Arabien, Katar, Oman und die Türkei dem US-Präsidenten nahezu geschlossen dieselbe Botschaft übermittelten. Der Grund sei simpel: Alle wüssten um den enormen Preis einer weiteren Eskalation.
Ob es tatsächlich zu einem Treffen in Istanbul kommt, ist noch offen. im