Washington D.C.

USA und Iran: Gespräche in Ankara in Vorbereitung

Der amerikanische Vermittler Steve Wittkoff Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Die USA und der Iran sollen einander signalisiert haben, zu direkten Gesprächen über eine Deeskalation bereit zu sein. Offenbar arbeiten mehrere Vermittler daran, noch in dieser Woche ein Treffen in Ankara zu organisieren. Parallel dazu führte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Jerusalem hochrangige Beratungen zur sicherheitspolitischen Lage.

Ein ranghoher US-Regierungsvertreter sagte dem Nachrichtenportal »Axios«, die Regierung von Präsident Donald Trump sei grundsätzlich offen für Verhandlungen – auch kurzfristig. Demnach bemühen sich die Türkei, Ägypten und Katar um ein Treffen zwischen dem Sondergesandten des Weißen Hauses, Steve Witkoff, und iranischen Vertretern in der türkischen Hauptstadt.

Aus Washington heißt es, Trumps öffentliche Forderungen nach einem Abkommen seien ernst gemeint und nicht Teil einer Täuschung vor einem militärischen Vorgehen. Gleichzeitig haben die USA ihre militärische Präsenz im Nahen Osten zuletzt deutlich verstärkt. Trump sprach in diesem Zusammenhang erneut von einer »massiven Armada«. Vor dem Hintergrund früherer Erfahrungen – etwa vor dem kurzen Krieg zwischen Israel und Iran im vergangenen Jahr – wird in Israel jedoch angenommen, dass diplomatische Signale und militärische Vorbereitungen parallel laufen können.

»Fair und ausgewogen«

Trump selbst äußerte sich am Sonntag vor Journalisten zu möglichen Gesprächen, nachdem Irans oberster Führer Ali Chamenei vor einem regionalen Krieg im Falle eines US-Angriffs gewarnt hatte. »Warum sollte er das nicht sagen? Natürlich sagt er das«, erklärte Trump. Zugleich verwies er auf die militärische Stärke der USA in der Region und fügte hinzu: »Hoffentlich machen wir einen Deal. Wenn wir keinen Deal machen, werden wir sehen, ob er recht hatte.«

Auch aus Teheran kamen zuletzt versöhnlichere Töne. Irans Außenminister Abbas Araghtschi sagte in einem Interview mit CNN, er sei zuversichtlich, dass eine Einigung über das iranische Atomprogramm möglich sei. »Ich bin überzeugt, dass wir ein Abkommen erreichen können«, erklärte er. Zugleich betonte Araghtschi jedoch, das Vertrauen seines Landes in die USA als Verhandlungspartner sei beschädigt.

Der iranische Chefdiplomat machte deutlich, dass sich mögliche Gespräche ausschließlich auf das Atomprogramm beziehen dürften. Forderungen nach Einschränkungen des iranischen Raketenprogramms oder nach einem Ende der Unterstützung verbündeter Terrororganisationen wies er zurück. »Lasst uns nicht über unmögliche Dinge sprechen«, sagte Araghtschi. Ziel müsse ein »faires und ausgewogenes Abkommen« sein, das sicherstelle, dass Iran keine Atomwaffen entwickle.

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Unmittelbare Bedrohung

Israelische sieht diese Haltung mit großer Skepsis. Aus Jerusalemer Sicht stellen Irans ballistische Raketen eine unmittelbare Bedrohung dar, unabhängig von der nuklearen Frage. Israel hatte im vergangenen Jahr gezielt iranische Raketenfähigkeiten angegriffen und zugleich mehrere von Teheran unterstützte Terrorgruppen empfindlich geschwächt. Auch Trump hatte den Iran mehrfach davor gewarnt, sein Raketenarsenal weiter auszubauen.

Während die diplomatischen Kontakte Fahrt aufnehmen, laufen in Israel intensive Konsultationen. Netanjahu traf sich am Sonntagabend mit Generalstabschef Ejal Zamir, der zuvor Gespräche mit US-Vertretern in Washington geführt hatte. An dem Treffen nahmen Berichten zufolge auch Verteidigungsminister Israel Katz und Mossad-Chef David Barnea teil. In israelischen Medien hieß es anschließend, der Eindruck sei entstanden, dass Washington einem möglichen militärischen Schritt näher sei als noch vor einer Woche – auch wenn Umfang und Zielrichtung unklar blieben.

Unterdessen meldete die US-Marine, dass ein amerikanischer Raketenzerstörer, der zuletzt im israelischen Hafen Eilat lag, den Hafen nach einem planmäßigen Besuch wieder verlassen habe. Das Kommando der US-Seestreitkräfte betonte die enge maritime Zusammenarbeit zwischen den USA und Israel sowie das gemeinsame Interesse an Sicherheit im Roten Meer und im Golf von Akaba. Nach Angaben der israelischen Armee war der Besuch Teil der routinemäßigen militärischen Kooperation.

»Extremistisch-religiöse Logik«

Trotz der Signale in Richtung Gespräche bleibt die Nervosität hoch. Der frühere Chef des militärischen Nachrichtendienstes, Amos Jadlin, warnte in einem Fernsehinterview davor, sich allein auf rationale Abschreckung zu verlassen. Während westliche Logik dafür spreche, dass Iran keinen Präventivkrieg beginne, könne »extremistisch-religiöse Logik« zu anderen Entscheidungen führen. Die IDF müsse daher auf ein Überraschungsszenario vorbereitet sein.

Jadlin verwies zudem darauf, dass in den jüngsten regionalen Konflikten häufig derjenige im Vorteil gewesen sei, der zuerst zugeschlagen habe. Zugleich betonte er die enge Zusammenarbeit zwischen Israel und den USA bei der Auswertung früherer Konfrontationen mit dem Iran. Insbesondere die Zerstörung von mehr als 200 iranischen Raketenabschussrampen im vergangenen Jahr sei auch für die amerikanische Seite von großem Interesse gewesen. im

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