Verfasst vom Antisemitismusexperten Lars Rensmann, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Passau, im Auftrag des American Jewish Committee (AJC) befasst sich die auf Englisch veröffentlichte Studie unter dem Titel »›Freundliche Gesichter‹ des Antisemitismus?« mit dem strategisch codierten und oft verharmlosten Antisemitismus innerhalb der AfD.
Demnach integriere die AfD trotz punktuell pro-israelischer Rhetorik antisemitische Denkmuster, Verschwörungserzählungen und geschichtspolitischen Revisionismus systematisch in ihr ethnonationalistisches Weltbild. Die Partei versuche oft, ein »freundliches« oder bürgerliches Gesicht zu zeigen, während subtile Chiffren genutzt werden, um das eigene Wählerpotenzial zu mobilisieren.
Rensmann erklärt in seiner Studie, der politische Antisemitismus fungiere als verbindendes Element innerhalb der allgemeinen Ablehnung der modernen, pluralistischen Demokratie durch die Partei. Dabei weist er darauf hin, dass die Partei zwar nicht offen antisemitisch auftrete und regelmäßig bestreite, antisemitische Tendenzen zu hegen, antisemitische Ideen, Codes und Narrative jedoch ihre Rhetorik, Mobilisierungsstrategien und Erinnerungspolitik durchdringen würden.
Dem Bericht zufolge hat sich die AfD von einer 2013 gegründeten euroskeptischen Protestpartei zur zentralen politischen Kraft der deutschen Rechten entwickelt, die als dauerhafter parlamentarischer Akteur und größte Oppositionspartei im Bundestag agiere. Laut Rensmann ging dieser Wandel mit einer Radikalisierung einher, in deren Zuge sich die Partei gegen die liberale Demokratie positioniert und zugleich autoritäre, ethnonationalistische sowie verschwörungsideologische Weltbilder pflegt.
Die Analyse zeigt auf, wie die AfD Politik anhand einer starren Freund-Feind-Logik gestaltet und die Gesellschaft in ein vermeintlich tugendhaftes Volk einerseits und korrupte inländische Eliten sowie äußere Kräfte andererseits spaltet. Laut Rensmann spiegelt dieser Rahmen »in hohem Maße Muster des modernen Antisemitismus wider, der Juden historisch als verborgene Feinde darstellte, die interne ›Verräter‹ mit äußeren Bedrohungen verbanden«.
Die Studie stellt fest, dass der Verschwörungsmythos eines geplanten »Großen Austauschs« der einheimischen Bevölkerung »klassische Fantasien einer jüdischen Weltverschwörung widerspiegelt, ohne Juden ausdrücklich zu erwähnen«.
Anstatt Juden ausdrücklich zu nennen, argumentiert Rensmann, greife die AfD in der Regel auf verschlüsselte Sprache zurück. Er weist darauf hin, dass Verweise auf »Globalisten«, »kosmopolitische Eliten« oder »schattenhafte Finanzmächte« auf seit langem bestehende antisemitische Stereotypen zurückgreifen.
Die Studie stellt zudem fest, dass der Verschwörungsmythos eines geplanten »Großen Austauschs« der einheimischen Bevölkerung »klassische Fantasien einer jüdischen Weltverschwörung widerspiegelt, ohne Juden ausdrücklich zu erwähnen«.
Der Investor George Soros dient dabei als wiederkehrende Personifizierung dieser Ideen, wobei Rensmann anmerkte, dass »Vertreter der AfD ihn wiederholt als finsteren Strippenzieher darstellen, der Migration, Klimapolitik und sozialen Wandel orchestriert«. Der Autor argumentiert, dass »solche Narrative die Kernmotive antisemitischer Verschwörungstheorien wiederbeleben und gleichzeitig eine plausible Abstreitbarkeit gewährleisten«. ja