Pforzheim

Antisemitismus im Wahlkampf: »Schabbat schalom, jetzt gibt’s AfD«

In dem TikTok-Video verkleidete sich der AfD-Politiker als orthodoxer Jude Foto: Screenshot

Ein AfD-Mitglied in Pforzheim hat mitten im Wahlkampf antisemitische Videos auf seinem TikTok-Kanal veröffentlicht. Dort hatte der Lokalpolitiker, der vor zwei Jahren noch zur Gemeinderatswahl angetreten ist, über 30.000 Follower. Inzwischen scheint der Kanal gelöscht. Zuerst hatte die »Pforzheimer Zeitung« über den Fall berichtet.

Die Videos, die das AfD-Mitglied vergangene Woche auf seinem Kanal hochlud, liegen der Jüdischen Allgemeinen vor. In den Clips ist der Mann als orthodoxer Jude mit Hut, schwarzer Lockenperücke und einer Art Beketsche verkleidet, nennt sich »Aron« und imitiert einen jiddischen Akzent. Gemeinsam mit seinem Freund »Samuel«, hängt er ein AfD-Plakat aus dem aktuellen Wahlkampf an einen Mast. Darauf steht: »Dein Nachbar wählt uns auch«

Der Mann will einen »Schekel« aufheben

Die Videos triefen vor Klischees über Juden: So sagen die beiden ständig »Schalom«, erklären, dass sie am Schabbat nicht arbeiten dürfen, und erzählen von Gefilte Fisch und Mazzen. In einem Clip will das verkleidete AfD-Mitglied einen »Schekel« auf dem Bürgersteig aufheben, um ihn »in die Synagoge zu bringen«. Anschließend tanzt er zu jüdischer Musik.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Inzwischen hat die AfD in Pforzheim ein Parteiausschlussverfahren eingeleitet. Der Lokalpolitiker ist schon zuvor negativ aufgefallen: So hatte er zu einem Geflüchtetenheim kommentiert: »Raus mit die Viecher« und ein Foto gepostet, auf dem vor ihm eine Art Matte mit einem Hakenkreuz auf einem Tisch liegt. Die Jüdische Allgemeine hat den Mann um eine Stellungnahme zu den Videos gebeten. Die Anfrage wurde nicht beantwortet.

Kein Einzelfall

Das Video ist kein Einzelfall. In der Partei gab es immer wieder Kontroversen um antisemitische Aussagen einzelner Funktionäre, auch in Baden-Württemberg. Bekannt wurde etwa der frühere Abgeordnete Wolfgang Gedeon, der in seinem Buch antisemitische Verschwörungstheorien verbreitete und damit 2016 eine schwere Krise in der Landtagsfraktion auslöste.

Auch der thüringische AfD-Politiker Björn Höcke sorgt immer wieder mit seinen geschichtsrevisionistischen Thesen für Empörung, etwa als er das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin als »Denkmal der Schande« bezeichnete und eine »erinnerungspolitische Wende um 180 Grad« forderte. Zuletzt sorgte eine Rede von Alexander Eichwald im Stil von Adolf Hitler bei der Gründung der neuen AfD-Jugendorganisation für seinen Rauswurf. Beobachter sehen antisemitische Narrative und Verschwörungstheorien innerhalb der Partei als strukturelles Problem. ja

Unterstützer der Huthi-Miliz demonstrieren in Sanaa, 11. September

Vormarsch der Huthi-Miliz

Angst vor Eskalation auf der Arabischen Halbinsel

Die Huthi-Miliz gräbt sich wohl an der wichtigen Meeresenge Bab al-Mandab ein. Saudi-Arabien warnt vor einer Geiselnahme der Weltwirtschaft

von Christoph Meyer, Ramadan Al-Fatash  16.09.2026

Jubiläum

Jüdischer Landesverband Sachsen feiert 100-jährige Geschichte

Rund 20.000 Jüdinnen und Juden haben vor dem Zweiten Weltkrieg in Sachsen gelebt. Bereits vor 100 Jahren wurde eine jüdische Interessenvertretung gegründet

 16.09.2026

Tel Aviv

Omer Shem Tov: 505 Tage Gefangenschaft, Hunger und Einsamkeit

»Wegen der Angst konnte ich nicht atmen«, sagt die frühere Geisel über die 50 Tage, in denen er in völliger Dunkelheit leben musste

 16.09.2026

Berlin-Wahl

Der Kampf ums Rote Rathaus

Wer in der Hauptstadt neuer Regierender Bürgermeister wird, ist offen – CDU und Linke liefern sich ein enges Rennen

von André Anchuelo  16.09.2026

Kommentar

Hohe Feiertage, wichtige Wahl

Die Bürger von Mecklenburg-Vorpommern wählen am 20. September ihr Parlament. Wird der besorgniserregende Trend, der in Sachsen-Anhalt zu beobachten war, fortgesetzt und verfestigt?

von Juri Rosov  16.09.2026

Judenhass

»Während er mir in den Kopf schneidet, sagt er: ›Die Juden erschießen Kinder‹«

Eine neue Dokumentation enthüllt ein erschreckendes Ausmaß an Antisemitismus im britischen Gesundheitssystem

 16.09.2026

Landtagswahl in MV

Zwischen Engagement und Frust: Besuch in einer AfD-Hochburg

Peenemünde ist ein 400-Seelen-Ort an der deutschen Ostseeküste. Bei der vergangenen Wahl haben hier besonders viele Menschen die AfD gewählt. Und dieses Mal? Ein Besuch kurz vor der Landtagswahl

von Lilli Förter, Helena Dolderer, Verena Schmitt-Roschmann  16.09.2026

Großbritannien

Burnham will Beschränkungen für katholische und jüdische Premiers abschaffen

Die Regierung in London legt einen Gesetzentwurf zur Aufhebung religiöser Beschränkungen vor, die aus dem 19. Jahrhundert stammen

 16.09.2026

Berlin

Deutscher Freundeskreis der Bar-Ilan-Universität gegründet

»Wissenschaft lebt von Offenheit und Zusammenarbeit«, sagt Ron Prosor, Israels Botschafter in Deutschland

 16.09.2026