Berlin

Israel-Kurs: Streit in der SPD eskaliert

Adis Ahmetović (SPD) Foto: picture alliance / dts-Agentur

In der SPD ist ein offener Konflikt über die Haltung zu Israel ausgebrochen. Auslöser sind Äußerungen des außenpolitischen Sprechers der Fraktion, Adis Ahmetović, der Außenminister Johann Wadephul scharf kritisiert hatte, nachdem dieser EU-Sanktionen gegen Israel ablehnte. Mehrere SPD-Abgeordnete gingen laut »Bild« daraufhin demonstrativ auf Distanz zu ihrem Parteikollegen.

Ahmetović hatte Wadephuls Nein zu Strafmaßnahmen gegen Israel als falsch bezeichnet. Deutschland verhindere damit eine gemeinsame europäische Linie in der Nahostpolitik, »gerade auch als Reaktion auf die Destabilisierung durch die israelische Regierung im Gazastreifen, im Westjordanland und im Libanon«, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Hintergrund der Auseinandersetzung ist ein Vorstoß mehrerer EU-Staaten. Spanien, Irland und Slowenien hatten auf einem Treffen der Außenminister versucht, Unterstützung für eine Aussetzung des EU-Israel-Assoziierungsabkommens zu gewinnen. Der Vertrag regelt die politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union und Israel.

Deutlicher Widerspruch

Wadephul hatte sich dagegen ausgesprochen und stattdessen auf Gespräche im »konstruktiven Dialog« gesetzt.

Innerhalb der SPD-Fraktion stieß Ahmetovićs Vorstoß auf deutlichen Widerspruch. Der europapolitische Sprecher Markus Töns sagte gegenüber »Bild«, die Forderungen seien weder mit der Bundesregierung noch innerhalb der SPD abgestimmt. Man dürfe sich nicht von anderen Regierungen unter Druck setzen lassen, die bereits durch antisemitische Äußerungen aufgefallen seien.

Lesen Sie auch

Töns betonte zudem, eine Stabilisierung der Lage in der Region sei nur gemeinsam mit Israel möglich. Kritik an der Siedlungspolitik und an Ministerpräsident Netanjahu müsse diplomatisch geäußert werden. Sanktionen würden hingegen nicht zum gewünschten Ergebnis führen und eher wirtschaftlichen Schaden in Europa verursachen.

»Nicht relativierbar«

Auch die SPD-Abgeordnete Kathrin Michel widersprach Ahmetović. Es sei problematisch, wenn einzelne Sprecher den Eindruck erweckten, sie sprächen für die gesamte Fraktion. Das sei nicht der Fall. Deutschland verhindere keine europäische Einigkeit. Zugleich stellte sie klar: »Unsere Solidarität mit Israel ist nicht relativierbar.«

In Parteikreisen wird vermutet, dass auch innerparteiliche Spannungen auf europäischer Ebene eine Rolle spielen. Nach einem Treffen sozialdemokratischer Parteien in Barcelona soll der pro-israelische Kurs von SPD-Chef Lars Klingbeil auf wenig Zustimmung gestoßen sein. Manche in der Partei sehen Ahmetovićs Vorstoß deshalb auch als Signal an europäische Schwesterparteien.

Die Regierung Spaniens und andere Stimmen in Europa kritisieren, das Vorgehen Israels gegen den Terrorsponsor Iran sowie gegen die von ihm finanzierten Terrororganisationen Hamas und Hisbollah, obwohl letztere im Oktober 2023 jeweils Kriege gegen den jüdischen Staat begannen. im

Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat bei der Abgeordnetenhauswahl 2026

Berlin

SPD-Vorstand beschließt Mitgliedervotum zu Koalitionsvertrag

Noch haben die Koalitionsverhandlungen in Berlin nicht begonnen. Klar ist aber schon, dass die Basis der drei potenziellen Regierungspartner eng eingebunden werden soll

 30.10.2026

Friedens-Mission

Woidke lobt Pferdetreck nach Jerusalem als Friedenszeichen

Sechs Monate und mehr als 3.500 Kilometer Reise durch acht Länder: Der Friedenstreck nach Jerusalem im vergangenen Jahr musste viele Hindernisse überwinden

 30.10.2026

Meinung

Elif Eralp und der »Spiegel«: Alles nur eine böse rechte Kampagne!

Die Spitzenkandidatin der Linken in Berlin offenbart aus Versehen ihre Angst vor dem Umfeld der eigenen Partei – und entlarvt den Vorwurf, Opfer einer Kampagne zu sein

von Wiebke Hollersen  30.10.2026

Iran-Krieg

Katarische Unterhändler in Teheran zu Gesprächen

Inmitten von Spannungen und Angriffen auf Schiffe in der Straße von Hormus mehren sich diese Woche diplomatische Besuche im Iran. Jetzt sind Vertreter aus Katar eingetroffen

 30.10.2026

Wahl in Israel

Josef Schuster: Regierungswechsel in Israel könnte förderlich sein

Äußerungen rechtsradikaler Minister in Israel sind nicht akzeptabel, sagt der Präsident des Zentralrats der Juden. Was ein möglicher Regierungswechsel im Land für die deutsch-israelischen Beziehungen bedeuten könnte

von Leticia Witte  30.10.2026

SPIEGEL-Affäre

Eralp zu Angst-Eingeständnis: Nehme Rat von Behörden ernst

Mit schriftlichen Anmerkungen zu einem Interview sorgt die Berliner Linken-Frontfrau für Aufsehen. Nun bezieht sie selbst Stellung - und führt ihr Handeln auf den Rat der Sicherheitsbehörden zurück

 30.10.2026

Berlin

Thorsten Frei fordert Abbruch der Koalitionsverhandlungen mit Linken

»Wer in den eigenen Reihen die Zusammenarbeit mit Hamas-Sympathisanten duldet, kann nicht glaubwürdig Verantwortung für die Sicherheit von Millionen Berlinern übernehmen«, so der Fraktionschef der Bundestagsunion

 30.10.2026

Debatte

Nach Eralp-Veröffentlichung: Jetzt meldet sich der »Spiegel« zu Wort

 30.10.2026

Rheinland-Pfalz

CDU, SPD und Grüne fordern Schulterschluss gegen Antisemitismus

Nachdem in einem Brief an die Jüdische Gemeinde Speyer gedroht wurde, die Synagoge in die Luft zu sprengen, wollten die Fraktionen ein Zeichen setzen

 30.10.2026