Berlin

Nancy Faeser kritisiert SPD-Position zu Israel

Nancy Faeser war von 2021 bis 2025 Bundesinnenministerin Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur

Die frühere Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) lehnt die von der EU-Kommission vorgeschlagenen Handelssanktionen gegen Israel ab und geht mit dem Kurs ihrer Partei gegenüber Israel ins Gericht. In einem Interview mit der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« (Samstagsausgabe) betonte Faeser, sie sei gegen die Aussetzung des EU-Israel-Assoziierungsabkommens, weil damit Israels Zivilgesellschaft getroffen würde.

»Maßgebliche Kräfte in der israelischen Gesellschaft wollen den Krieg beenden. Gerade die müssen wir unterstützen. Deshalb bin ich gegen die Aussetzung des Assoziierungsabkommens.« Allenfalls gegen bestimmte israelische Minister hält Faeser Strafmaßnahmen für angebracht.

Die Debatte über den Gaza-Krieg wird ihrer Meinung nach in Deutschland »zu einseitig geführt«, so die SPD-Bundestagsabgeordnete. »Seien wir doch ehrlich: Würde die Hamas alle Geiseln, die noch in ihrer Gewalt sind, freilassen, dann müsste Israel sofort den Krieg beenden. Darüber hinaus müssten auch die täglichen Angriffe auf Israel aufhören. Mir fehlt in der Debatte der Blick auf den Antisemitismus in Deutschland«, so Faeser.

Die SPD-Politikerin nannte es »unerträglich und beschämend«, dass in Deutschland der Antisemitismus umgehend nach dem 7. Oktober 2023 angestiegen sei. »Israel ist angegriffen worden – und sofort fing der Judenhass an zu wachsen. Mich stört, dass es nach dem 7. Oktober keinen Aufschrei der Zivilgesellschaft, wie zum Beispiel der Kulturszene, gab«, sagte sie der FAZ.

Lesen Sie auch

Alle, die sich zu dem Konflikt äußerten, müssten »mitdenken und benennen«, dass ihre Äußerungen auch Folgen für die Situation von Juden in Deutschland haben könnten, so Faeser. Auf die Frage nach der Haltung ihrer Partei zu Israel meinte die 52-Jährige, es gebe keine einheitliche Position zu Sanktionen.

Führende SPD-Politiker, darunter der außenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Adis Ahmetovic, hatten zuletzt die Zustimmung der Bundesregierung zu den Sanktionsvorschlägen der EU-Kommission verlangt. Faeser, die bis Anfang Mai Bundesinnenministerin war, sagte dazu: »Mir war immer wichtig, solche Beziehungen zu stärken. Darüber reden wir ja kaum noch.« mth

Berlin

Israel-Kurs: Streit in der SPD eskaliert

Adis Ahmetović, der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, kritisiert Außenminister Wadephul, weil dieser Sanktionen gegen Israel ablehnt. Das sorgt für Ärger in der Partei

 24.04.2026

Antisemitismus im Alltag

Angefeindet wegen einer Kippa

Zwei Studenten der JSUD werden in Berlin-Mitte angefeindet – weil sie Kippa tragen. Viele Jüdinnen und Juden verstecken aus Angst ihre religiöse Identität

von Jan Feldmann  24.04.2026

Bündnis-Streit

Spanien reagiert auf Bericht über mögliche Nato-Suspendierung

Planen die USA Maßnahmen gegen »schwierige« Nato-Partner? Madrid jedenfalls betont nun die Zusammenarbeit mit Bündnispartnern

 24.04.2026

Fördergeldaffäre

»Evident rechtswidrig«

Kein einziges der 13 vom Berliner Senat mit staatlichen Zuschüssen bedachten Projekte gegen Antisemitismus sei »bescheidungsreif« gewesen, so der Prüfbericht des Rechnungshofes. Die Hintergründe

von Michael Thaidigsmann  24.04.2026

London/Washington

Giuffres Vermächtnis: Epstein-Opfer warten auf Gerechtigkeit

Ihre Berichte brachten den Skandal um Epstein vor Jahren ins Rollen. Doch nach wie vor kämpfen die Opfer des Sexualstraftäters um Gerechtigkeit. Bleibt ihr Kampf am Ende vergeblich?

von Patricia Bartos  24.04.2026

Österreich

Neuer Höchststand an antisemitischen Vorfällen

Seit Beginn des Gaza-Kriegs haben die Anfeindungen stark zugenommen. Der Konflikt droht auch den ESC in Wien zu überschatten. Warum sich die jüdische Gemeinde dennoch auf den ESC freut

 24.04.2026

Berlin

Wegner entlässt Berliner Kultursenatorin Wedl-Wilson

Nach dem die Vergabe von Fördergeldern gegen Antisemitismus als rechtswidrig gerügt wurde, hat Kultursenatorin Wedl-Wilson ein Rücktrittsgesuch eingereicht

 24.04.2026

USA

18-Jährige wollte Anschlag auf Synagoge in Houston verüben

Angelina Han Hicks aus Lexington (North Carolina) befindet sich in Gewahrsam. Der Vorwurf gegen sie: Verschwörung zur Planung eines Massenangriffs auf die Gemeinde Beth Israel

 24.04.2026

Jerusalem

Katz: Israel zu neuer Offensive gegen Iran bereit

Die Armee warte auf grünes Licht aus Washington, sagt der Verteidigungsminister. Die Streitkräfte seien sowohl für Verteidigung als auch für Angriffe vorbereitet. Sämtliche Ziele seien bereits markiert

 24.04.2026