Washington D.C.

Trump weist Netanjahus Kritik an möglichem F-35-Verkauf an die Türkei zurück

US-Präsident Donald Trump am Montag (Ortszeit) in seinem Flugzeug Foto: picture alliance / AP Photo/Alex Brandon

US-Präsident Donald Trump hat die öffentliche Kritik des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu an einem möglichen Verkauf von F-35-Kampfjets an die Türkei scharf zurückgewiesen. Auf einem Flug erklärte Trump am Montag vor Journalisten: »Niemand schreibt mir vor, was wir verkaufen sollen.«

Zugleich lobte Trump die Türkei ungewöhnlich deutlich. Das NATO-Mitglied sei für ihn »ein großartiger Verbündeter«. Zwar räumte er ein, dass Ankara kein Freund Israels und auch »kein großer Freund von Bibi« Netanjahu sei. Dennoch betonte er: »Sie waren großartig zu mir.«

Netanjahu hatte sich zuvor entschieden gegen eine Lieferung der modernsten US-Kampfjets an die Türkei ausgesprochen. In einem Interview mit Fox News bezeichnete er die türkische Führung als ein vom Gedankengut der Muslimbruderschaft geprägtes Regime. Deshalb dürfe Ankara weder F-35-Kampfjets noch Triebwerke für Kampfflugzeuge erhalten.

Iran im Mittelpunkt

Die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei haben sich seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem anschließenden Gaza-Krieg massiv verschlechtert. Israel betrachtet die Türkei inzwischen zunehmend als regionalen Gegenspieler. Trump hob dagegen die militärische Stärke des Landes hervor. Die Türkei sei »ein sehr mächtiges Land« mit einer »sehr großen und starken Armee« sowie hervorragender militärischer Ausrüstung. Der US-Präsident pflegt seit Jahren ein enges persönliches Verhältnis zum türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan.

Ob es tatsächlich zu einem Verkauf der F-35 kommt, bleibt allerdings offen. Trump hatte sich Anfang Juli zwar grundsätzlich dafür ausgesprochen, doch das US-Außenministerium teilte dem Kongress vergangene Woche mit, dass die Voraussetzungen dafür weiterhin nicht erfüllt seien. Die Türkei war 2020 aus dem internationalen F-35-Programm ausgeschlossen worden, nachdem sie das russische Luftabwehrsystem S-400 gekauft hatte. Dieser Schritt führte auch zu US-Sanktionen gegen Ankara. Zwar kündigte Trump bei einem Treffen mit Erdoğan Anfang Juli an, diese Strafmaßnahmen aufheben zu wollen. Nach Angaben des Außenministeriums sind die Voraussetzungen für einen Verkauf der F-35 jedoch weiterhin nicht erfüllt.

Die Äußerungen Trumps fallen unmittelbar vor seinem achten Treffen mit Netanjahu seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus. Am Dienstag wollen beide Politiker erstmals seit Beginn des Krieges gegen den Iran wieder persönlich zusammentreffen. Im Mittelpunkt der Gespräche dürfte die Lage im Nahen Osten stehen – insbesondere der Konflikt mit Teheran sowie mögliche diplomatische Perspektiven.

»Ich habe viel Geduld«

Vor seinem Abflug nach Washington bezeichnete Netanjahu das Treffen als »großes Privileg«, zugleich aber auch als »große Verantwortung«. Man werde über sämtliche aktuellen Themen sprechen, »an erster Stelle über den Iran«. Ziel sei es, Israels Sicherheit zu gewährleisten und zugleich »den Kreis des Friedens« in der Region weiter auszubauen.

Lesen Sie auch

Die USA haben ihre Luftangriffe gegen iranische Ziele nach 13 aufeinanderfolgenden Nächten vorerst eingestellt. Trump zeigte sich vor Journalisten optimistisch, dass eine diplomatische Lösung möglich sei. Nach seinen Angaben habe der Iran sowohl über Vermittler als auch direkt um Gespräche mit den Vereinigten Staaten gebeten.

»Ich habe viel Geduld. Ich habe jede Menge Zeit«, sagte Trump. Die Gespräche verliefen »gut«, und es gebe »eine gute Chance«, dass eine Einigung erzielt werde. Zugleich machte er deutlich, dass Washington jederzeit bereit sei, die militärischen Angriffe wieder aufzunehmen. »Wenn etwas zustande kommt, ist das gut. Wenn nicht, machen wir wieder das, was wir vor zwei Tagen getan haben.«

Saudi-Arabien und Israel

Auch zur Lage in der Straße von Hormus äußerte sich der Präsident zuversichtlich. Trotz der jüngsten iranischen Versuche, den Schiffsverkehr zu beeinträchtigen, befinde sich die strategisch wichtige Wasserstraße in einem »sehr guten Zustand«.

Weniger Bewegung sieht Trump derzeit bei einer möglichen Annäherung zwischen Saudi-Arabien und Israel. Auf die Frage, ob es Gespräche über einen Beitritt Riads zu den Abraham-Abkommen gegeben habe, antwortete er: »Wir haben darüber nicht gesprochen.« Dabei hatte Trump nach dem Abschluss eines Abkommens über ein ziviles saudisches Atomprogramm erklärt, dass dessen Umsetzung an eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Israel geknüpft sei.

Zudem widersprach Trump Berichten, wonach die anhaltenden Militäreinsätze im Nahen Osten die amerikanischen Munitionsbestände erheblich belastet hätten. »Nein. Wir haben reichlich Munition. Sehr viel Munition – verschiedene Arten«, sagte er.

Zwar wünsche er sich größere Bestände bei besonders hochentwickelten Waffensystemen, insgesamt verfüge das US-Militär jedoch über mehr als ausreichende Vorräte. Für Engpässe machte Trump erneut seinen Vorgänger Joe Biden verantwortlich, der große Mengen an Waffen an die Ukraine geliefert habe. »Als ich das Amt verließ, waren die Schränke voll«, sagte der Präsident. Nun werde die Produktion wieder ausgebaut. im

Washington D.C./Rom

USA kündigen weitere Gespräche zwischen Israel und Libanon in Rom an

Nach jahrzehntelangem Kriegszustand gab es zuletzt Annäherungsversuche zwischen Jerusalem und der libanesischen Regierung. Die USA als Vermittler setzen vor allem auf den Erfolg sogenannter Pilotzonen

 28.07.2026

Berlin

Ahmad Mansour: Müssen schneller sein als Islamisten

Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD fordert der Psychologe und Extremismus-Experte umfassende Präventionskonzepte gegen Radikalisierung. Einen Vorschlag des Bundesinnenministers sieht er allerdings kritisch

 28.07.2026

Berlin

CSD-Anschlag: So überschneiden sich Islamismus und Rechtsextremismus

Der Berliner Konfliktforscher Jannis Grimm nennt Gemeinsamkeiten bei den beiden Phänomenen - und sieht eine Doppelmoral

von Daniel Zander  28.07.2026

Terror

Berlin am Tag zwei nach dem CSD-Anschlag

Nach dem CSD-Anschlag: Kanzler Merz kündigt Konsequenzen an, Herkunft des Todesopfers bekannt, verletzten Opfern geht es besser

 27.07.2026

Berlin

Neuköllns Integrationsbeauftragte: Härter gegen Islamismus vorgehen

Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag am Rande des CSD in Berlin erklärt Güner Yasemin Balci, dass es in ihrem Bezirk sowohl mit Homophobie als auch mit Islamismus ein massives Problem gebe

 27.07.2026

New York

Angehörige von Opfern des 11. September wollen Mamdani von Gedenkfeier ausschließen

Die Betroffenen werfen dem Politiker vor, sich in der Vergangenheit nicht ausreichend von Terrorismus distanziert zu haben

 27.07.2026

Teheran

Chamenei bekräftigt Unterstützung für Hisbollah

Es gebe »keinen anderen Weg als Dschihad und Widerstand« gegen Israel, sagt der Oberste Führer

 27.07.2026

Toronto

Schüsse auf jüdische Bäckerei – Polizei ermittelt wegen möglicher Hasskriminalität

Innerhalb von 20 Minuten werden in der kanadischen Metropole zwei Anschläge auf die Bäckereikette Kiva’s Bagel verübt

 27.07.2026

Jerusalem

Netanjahu wirft Mamdani Hetze gegen Juden vor

Die Äußerungen des New Yorker Bürgermeisters über Israel schürten Hass, spalteten die Stadt spalten und trügen dazu bei, dass sich viele jüdische Einwohner nicht mehr sicher fühlten

 27.07.2026