Meinung

Wir müssen darüber sprechen, was der Terror mit dem Islam zu tun hat

Ali Ertan Toprak Foto: privat

Meinung

Wir müssen darüber sprechen, was der Terror mit dem Islam zu tun hat

Die islamistische Ideologie muss endlich klar und deutlich als solche benannt werden

von Ali Ertan Toprak  29.07.2026 13:10 Uhr

Wie oft haben wir in den vergangenen zwei Jahrzehnten nach terroristischen Anschlägen – auch gerade aus dem Mund von deutschen Politikern – den Satz gehört: »Das hat mit dem Islam nichts zu tun.«

Man ist sogar so weit gegangen zu behaupten, schon der Begriff Islamismus sei problematisch oder unzulässig. In deutschen Debatten wurde teilweise der Eindruck erweckt, Kritiker islamistischer Ideologien hätten diesen Begriff neu erfunden. Dabei existiert er seit Jahrzehnten in islamisch geprägten Ländern. In der Türkei beispielsweise bezeichneten sich islamistische Bewegungen bereits in den 1970er-Jahren selbst als Islamisten.

Stattdessen wurden hierzulande zahlreiche NGOs finanziert, die Begriffe wie antimuslimischer Rassismus oder Islamophobie in den öffentlichen Diskurs einführten oder prägten. Problematisch wird es, wenn sie dazu genutzt werden, Islamismus und Islamisten pauschal gegen Kritik zu immunisieren. Damit schützt man nicht Muslime, sondern Islamisten.

Lesen Sie auch

Warum reichen Begriffe wie Muslimfeindlichkeit nicht aus, um die Feindseligkeit und Diskriminierung gegenüber Muslimen – die es selbstverständlich gibt – zu benennen und zu bekämpfen?

Häufig schwiegen islamische Verbände nach solchen Anschlägen oder verurteilten sie nur halbherzig – fast immer verbunden mit der Formel, die Taten hätten »nichts mit dem Islam zu tun«. Dabei ist ihnen bekannt, dass sich die Täter ausdrücklich auf bestimmte theologische Auslegungen des Islams berufen und ihre Gewalt damit religiös zu legitimieren versuchen. Auch wir als Staat und Gesellschaft müssen endlich klar und unmissverständlich die islamistische Ideologie die dahintersteht benennen. Das ist der erste und wichtigste Schritt zur Lösung des Problems.

Wenn Muslime immer wieder ausschließlich als Opfer dargestellt werden, der »dekadente Westen« für nahezu alle Missstände verantwortlich gemacht und in vielen Moscheen im Westen mit theologischen Argumenten gegen die Werte offener Gesellschaften mobilisiert wird, dann kann niemand ernsthaft behaupten, all das habe nichts mit dem Islam zu tun.

Eine offene Auseinandersetzung mit problematischen theologischen Auslegungen ist kein Angriff auf den Islam

Wie lange wollen wir als Gesellschaft und als Staat dieses Muster noch fortsetzen? Am wenigsten hilft das den Muslimen. Denn sie sind die ersten Opfer des Islamismus. Zugleich erschwert diese Haltung notwendige Selbstkritik und eine innerislamische Aufklärung. Schluss damit!

Den höchsten Preis zahlen ausgerechnet die Muslime selbst. Sie sind weltweit die ersten Opfer islamistischer Gewalt. Eine offene Auseinandersetzung mit problematischen theologischen Auslegungen ist deshalb kein Angriff auf den Islam, sondern eine Voraussetzung dafür, den Islamismus wirksam zurückzudrängen und eine glaubwürdige innerislamische Aufklärung zu ermöglichen.

Warum wollen dies ausgerechnet progressive Kreise im Westen nicht? Ist Religionskritik nicht eine der wichtigsten Errungenschaften der Aufklärung? Warum verraten ausgerechnet sie diese Errungenschaft – und damit auch die progressiven, liberalen und säkularen Muslime? Sie verbünden sich damit de facto mit den Faschisten der islamischen Welt und glauben zugleich, auf diese Weise die eigenen Faschisten im Westen zu bekämpfen. Was für eine Farce! Doch es ist eine tödliche Farce – für die freie Welt.

Der Autor ist Bundesvorsitzender der Kurdischen Gemeinde Deutschland.

Meinung

Droht in Sachsen-Anhalt eine Allianz der Antisemiten?

In Sachsen-Anhalt könnte es zu einer Zusammenarbeit zwischen AfD und BSW, die potenziell gravierende Folgen hat für die jüdische Gemeinschaft

von Igor Matviyets  11.09.2026

Meinung

Wahlkampf in Israel: Schluss mit der Schlammschlacht!

Niemand erwartet, dass Politiker einander mit Samthandschuhen anfassen. Aber eine Wahl in einer Demokratie ist keine Realityshow voller Gekreische

von Sabine Brandes  10.09.2026

Meinung

Gesundheitswesen: Was Deutschland von Israel lernen könnte

Israels Erfolg bei der Digitalisierung des Gesundheitssektors ist kein Hightech-Geheimnis, sondern das Ergebnis klarer politischer Führung

von Jacques Abramowicz  10.09.2026

Kommentar

Warum der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nie wieder »Nie wieder!« sagen sollte

Wer Antisemitismus nur dort bekämpft, wo es bequem ist, bekämpft ihn nicht – und wer wie im Fall Maha El Hissy konkrete Vorwürfe nicht ernsthaft prüfen will, sollte aufhören, zu erklären, wie ernst er diesen Kampf nimmt

von Andreas Büttner  09.09.2026 Aktualisiert

Meinung

Wie London die Verweigerungshaltung der Palästinenser belohnt

Mit ihren Sanktionen gegen israelische Siedlungen will die britische Regierung im Nahost-Konflikt einer Zwei-Staaten-Lösung näher kommen. Doch sie zeigt vor allem: Verhandeln lohnt sich nicht, Blockade und Terror aber sehr wohl

von Daniel Neumann  08.09.2026

Meinung

Die Wähler sind selbst schuld

Die AfD macht die etablierten Parteien verächtlich und höhlt so die Demokratie aus. Doch die eigentliche Verantwortung für die Misere trägt der Souverän

von Michael Thaidigsmann  08.09.2026

Kommentar

Und nun?

Bloße Empörung über den Wahlsieg der rechtsextremen AfD ist billig und wohlfeil. Es sollte vielmehr über die Gründe ihrer Popularität gesprochen werden. Die Parteien der Mitte müssen endlich aufwachen

von Philipp Peyman Engel  07.09.2026

Kommentar

Warum es eine Brandmauer gegen die Linkspartei braucht

Wenn eine Brandmauer nur auf einer Seite steht, brennt es von der anderen rein. Über diese offene Seite müssen wir reden

von Nelly Eliasberg  06.09.2026

Kommentar

Wladimir Putin setzt auf unsere Langsamkeit

Konsulatsschließungen fangen keine Drohnen ab, Sanktionen schützen keinen Flughafen. Deutschland muss gegenüber Russland endlich eine härtere Gangart einschlagen

von Sergey Lagodinsky  04.09.2026