Wie oft haben wir in den vergangenen zwei Jahrzehnten nach terroristischen Anschlägen – auch gerade aus dem Mund von deutschen Politikern – den Satz gehört: »Das hat mit dem Islam nichts zu tun.«
Man ist sogar so weit gegangen zu behaupten, schon der Begriff Islamismus sei problematisch oder unzulässig. In deutschen Debatten wurde teilweise der Eindruck erweckt, Kritiker islamistischer Ideologien hätten diesen Begriff neu erfunden. Dabei existiert er seit Jahrzehnten in islamisch geprägten Ländern. In der Türkei beispielsweise bezeichneten sich islamistische Bewegungen bereits in den 1970er-Jahren selbst als Islamisten.
Stattdessen wurden hierzulande zahlreiche NGOs finanziert, die Begriffe wie antimuslimischer Rassismus oder Islamophobie in den öffentlichen Diskurs einführten oder prägten. Problematisch wird es, wenn sie dazu genutzt werden, Islamismus und Islamisten pauschal gegen Kritik zu immunisieren. Damit schützt man nicht Muslime, sondern Islamisten.
Warum reichen Begriffe wie Muslimfeindlichkeit nicht aus, um die Feindseligkeit und Diskriminierung gegenüber Muslimen – die es selbstverständlich gibt – zu benennen und zu bekämpfen?
Häufig schwiegen islamische Verbände nach solchen Anschlägen oder verurteilten sie nur halbherzig – fast immer verbunden mit der Formel, die Taten hätten »nichts mit dem Islam zu tun«. Dabei ist ihnen bekannt, dass sich die Täter ausdrücklich auf bestimmte theologische Auslegungen des Islams berufen und ihre Gewalt damit religiös zu legitimieren versuchen. Auch wir als Staat und Gesellschaft müssen endlich klar und unmissverständlich die islamistische Ideologie die dahintersteht benennen. Das ist der erste und wichtigste Schritt zur Lösung des Problems.
Wenn Muslime immer wieder ausschließlich als Opfer dargestellt werden, der »dekadente Westen« für nahezu alle Missstände verantwortlich gemacht und in vielen Moscheen im Westen mit theologischen Argumenten gegen die Werte offener Gesellschaften mobilisiert wird, dann kann niemand ernsthaft behaupten, all das habe nichts mit dem Islam zu tun.
Eine offene Auseinandersetzung mit problematischen theologischen Auslegungen ist kein Angriff auf den Islam
Wie lange wollen wir als Gesellschaft und als Staat dieses Muster noch fortsetzen? Am wenigsten hilft das den Muslimen. Denn sie sind die ersten Opfer des Islamismus. Zugleich erschwert diese Haltung notwendige Selbstkritik und eine innerislamische Aufklärung. Schluss damit!
Den höchsten Preis zahlen ausgerechnet die Muslime selbst. Sie sind weltweit die ersten Opfer islamistischer Gewalt. Eine offene Auseinandersetzung mit problematischen theologischen Auslegungen ist deshalb kein Angriff auf den Islam, sondern eine Voraussetzung dafür, den Islamismus wirksam zurückzudrängen und eine glaubwürdige innerislamische Aufklärung zu ermöglichen.
Warum wollen dies ausgerechnet progressive Kreise im Westen nicht? Ist Religionskritik nicht eine der wichtigsten Errungenschaften der Aufklärung? Warum verraten ausgerechnet sie diese Errungenschaft – und damit auch die progressiven, liberalen und säkularen Muslime? Sie verbünden sich damit de facto mit den Faschisten der islamischen Welt und glauben zugleich, auf diese Weise die eigenen Faschisten im Westen zu bekämpfen. Was für eine Farce! Doch es ist eine tödliche Farce – für die freie Welt.