Washington D.C./Saint Paul

Holocaust-Museum weist Anne-Frank-Vergleich von Gouverneur Walz scharf zurück

Tim Walz, der demokratische Gouverneur von Minnesota Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Das Holocaust-Museum in Washington D.C. hat den demokratischen Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, ungewöhnlich deutlich für einen Anne-Frank-Vergleich kritisiert. Walz hatte US-Präsident Trump aufgefordert, Agenten der Einwanderungsbehörde ICE aus Minnesota abzuziehen, nachdem diese einen Mann erschossen hatten.

»Lasst unsere Kinder wieder zur Schule gehen«, sagte Walz. »In Minnesota haben wir Kinder, die sich in ihren Häusern verstecken und Angst haben, nach draußen zu gehen.« Viele Menschen seien mit der Geschichte Anne Franks aufgewachsen.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

In einem öffentlichen Beitrag erklärte das Holocaust-Museum daraufhin, Anne Frank sei »ausschließlich deshalb verfolgt und ermordet worden, weil sie Jüdin war«. Politische Führungspersönlichkeiten, die ihre Geschichte für aktuelle Debatten instrumentalisieren, überschritten eine klare Grenze. »Falsche Gleichsetzungen mit ihrem Schicksal für politische Zwecke sind niemals akzeptabel«, hieß es weiter. Walz wurde namentlich nicht genannt.

Besonders deutlich fiel die Wortwahl mit Blick auf die gegenwärtige Lage aus. Trotz sozialer Spannungen in Minneapolis sei es »zutiefst beleidigend«, den Holocaust für politische Argumente zu missbrauchen – gerade in einer Zeit, in der der Antisemitismus erneut deutlich zunehme.

Anne Frank lebte mit ihrer Familie im besetzten Amsterdam im Versteck, wurde 1944 verraten und deportiert. Sie starb im Alter von 15 Jahren im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Ihr Tagebuch gilt bis heute als eines der zentralen Zeugnisse jüdischen Lebens unter nationalsozialistischer Verfolgung.

Lesen Sie auch

»Moderne Gestapo«

Es ist nicht das erste Mal, dass Walz mit drastischen NS-Vergleichen auffällt. Bereits im vergangenen Jahr hatte er die US-Einwanderungsbehörde ICE als »moderne Gestapo« bezeichnet. Auch andere demokratische Politiker griffen in der Vergangenheit auf ähnliche Analogien zurück.

So verglich der Gouverneur von Illinois, JB Pritzker, Razzien der Einwanderungsbehörden mit dem Vorgehen nationalsozialistischer Schlägertrupps. »So funktionieren autoritäre Regime«, sagte Pritzker damals. Sie konstruierten Feindbilder, erklärten Nachbarn oder Mitbürger zu Gegnern und rechtfertigten damit Repression. »Das ist es, was autoritäre Systeme tun.«

Das Holocaust-Museum machte deutlich, Vergleiche dieser Art trügen nicht zur politischen Auseinandersetzung bei, sondern relativierten historische Verbrechen. im

Washington D.C.

USA knüpfen Atomabkommen mit Saudi-Arabien an Annäherung an Israel

So reagiert Präsident Donald Trump auf Kritik, Washington habe mit dem Vertrag Druckmittel gegenüber Riad aufgegeben

 24.07.2026

Neue Angriffe

Trump kündigt »militärische Bestrafung« Teherans an

Nach Medienberichten bereiten die USA zugleich eine Ausweitung ihrer Militärpräsenz in der Region vor

 24.07.2026

Diplomatie

Nauru eröffnet Botschaft in Jerusalem

Damit ist der Inselstaat das zehnte Land, das seine diplomatische Vertretung in Israels Hauptstadt ansiedelt. Auch Kolumbien will eine Botschaft in Jerusalem eröffnen

 24.07.2026

New York

Zwei Männer in Manhattan niedergestochen – Ermittler prüfen antisemitisches Motiv

Eines der Opfer ist nach Angaben der Polizei ein 50 Jahre alter Mann, der eine Kippa trug und kurz zuvor eine Synagoge verlassen hatte

 24.07.2026

Diplomatie

Malaysias Premier verteidigt Drohung, Israelis abzuschieben

Mehrere US-Abgeordnete haben Außenminister Marco Rubio aufgefordert, Malaysia wegen der jüngsten Äußerungen von Regierungschef Anwar Ibrahim Fördermittel zu streichen

 23.07.2026

Naher Osten

Trump: Atom-Deal nur bei saudischer Anerkennung Israels

Washington und Riad stehen kurz vor einem Atomabkommen zur zivilen Nutzung der Kernenergie. Doch jetzt hat Donald Trump eine neue Bedingung gestellt

 23.07.2026

Würzburg

Schuster kommt zur Kundgebung gegen antisemitische Angriffe

Organisiert wird die Demonstration von der DIG Würzburg, dessen Mitglied das 65-jährige Opfer der jüngsten Attacke in Höchberg ist

 23.07.2026

Handelspolitik

Belgien und Niederlande verbieten Einfuhren aus Siedlungen

Die Regierungen in Brüssel und Den Haag haben ihre Ankündigung wahrgemacht, die Einfuhr von Waren aus den seit 1967 von Israel besetzen Gebieten zu untersagen, sofern sie von Israelis produziert werden

 23.07.2026

Genf/Berlin

Streit zwischen Rosa Luxemburg Stiftung und UN Watch

Die der Partei »Die Linke« nahestehende Stiftung wirft der Genfer NGO vor, in Berlin »die wildesten Verleumdungen gegen die UNRWA« verbreitet zu haben. UN Watch kontert mit Video-Beleg

von Imanuel Marcus  23.07.2026