Hamburg

Haftbefehl gegen AfD-Politiker wegen offener Böhmermann-Kosten

Maximilian Krah (AfD) Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Gegen den AfD-Bundestagsabgeordneten Maximilian Krah ist ein Haftbefehl erlassen worden. Hintergrund ist ein verlorener Rechtsstreit mit dem Satiriker Jan Böhmermann. Krah hatte gegen eine Aussage in Böhmermanns Podcast »Fest und Flauschig« geklagt und muss die daraus entstandenen Kosten tragen. Der »Spiegel« berichtete.

Auslöser des Verfahrens war dem Bericht zufolge eine Hörernachricht, die Böhmermann in seinem Podcast vorgelesen hatte. Darin wurde behauptet, Krah habe während des Oktoberfests im Käfer-Zelt 200 Flaschen Champagner bestellt. Der AfD-Politiker sah darin eine Verletzung seines Persönlichkeitsrechts. Eine derart große Bestellung könne den Eindruck von »Großspurigkeit, Selbstdarstellung und einem starken Geltungsbedürfnis« vermitteln, argumentierte Krah nach Angaben aus dem Gerichtsurteil.

Mit seiner Klage scheiterte er. Das Gericht sah sein Persönlichkeitsrecht nicht verletzt. Entscheidend war unter anderem, dass Böhmermann im Podcast deutlich gemacht hatte, dass er lediglich die Zuschrift eines Hörers wiedergab. Zudem wurde die Darstellung kurz nach Veröffentlichung korrigiert: Nach Recherchen habe es nicht 200, sondern »rund 50« Champagnerflaschen gegeben.

Gesetzliche Verpflichtungen

Die Kosten des Rechtsstreits hat Krah dem »Spiegel«-Bericht nach bislang nicht vollständig beglichen. Zunächst musste Böhmermann rund 5000 Euro im Wege der Zwangsvollstreckung eintreiben. Das Geld wurde Anfang dieses Jahres schließlich über das Konto von Krahs Sohn überwiesen. Damals erklärte Krah gegenüber »T-Online«: »Ich habe gezockt.« Er habe möglichst lange mit der Zahlung warten wollen.

Lesen Sie auch

Nun ist offenbar erneut ein Betrag offen. Nach Angaben von Böhmermanns Anwalt Sebastian Gorski geht es um 296,26 Euro. »Deutschland ist ein Rechtsstaat, und es kann nicht sein, dass sich ein Bundestagsabgeordneter und Volljurist seinen gesetzlichen Verpflichtungen entzieht«, sagte Gorski.

Die jüngste Eskalation begann Mitte Juli. Eine Gerichtsvollzieherin hatte Krah zu einem Termin zur Abgabe einer Vermögensauskunft geladen. Der AfD-Abgeordnete erschien jedoch nicht. Daraufhin beantragte die Gerichtsvollzieherin beim Amtsgericht Chemnitz den Erlass eines Haftbefehls.

»Keine Kenntnis«

Das Amtsgericht bestätigte, dass ein entsprechendes Verfahren geprüft worden sei. Zu dessen Ausgang wollte eine Gerichtssprecherin keine Angaben machen. Derartige Verfahren seien nicht öffentlich.

Krah selbst zeigte sich auf Anfrage überrascht. Er sprach davon, dass »ständig Forderungen nachgeschoben« würden. Sein Anwalt werde die Angelegenheit prüfen, anschließend werde er den offenen Betrag im Zweifel bezahlen.

Seine Abneigung gegen Böhmermann machte Krah ebenfalls deutlich. Er bezeichnete den Satiriker als »einen Widerling« und erklärte, deshalb zahle er »nur widerwillig«. Von dem Termin bei der Gerichtsvollzieherin habe er nach eigener Aussage »keine Kenntnis« gehabt. im

Meinungsfreiheit

Wenn Juden plötzlich Nazis sein sollen

Ein Gericht erklärt die Gleichsetzung von Hakenkreuz und Davidstern für zulässig. Kritiker sind irritiert

von Michael Thaidigsmann  13.08.2026

Sachsen-Anhalt

Polizeirabbiner vor der Wahl: Erstarken der AfD bereitet Sorgen         

Mehr Begegnung zwischen Juden und Nicht-Juden - das wünschen sich Deutschlands Polizeirabbiner. Sie bilden Polizeianwärter hierzulande fort und vermitteln jüdische Kultur. Seit fünf Jahren gibt es sie

von Nina Schmedding  13.08.2026

Hamburg

Gericht erklärt Kritik an Claim für zulässig: Journalist darf NGO »unsaubere« Zahlen vorwerfen

Der Investigativjournalist Sascha Adamek darf der Organisation vorwerfen, bei der Erfassung antimuslimischer Vorfälle mit »unsauber« erhobenen Zahlen gearbeitet zu haben. Die Hintergründe

 13.08.2026

Meinung

AfD als Sicherheitsrisiko

Es ist die Pflicht jedes Einzelnen, unsere Verfassung zu verteidigen und ein Überprüfungsverfahren anzustrengen. Verbieten kann nur unser freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat

von Roderich Kiesewetter  13.08.2026

Los Angeles

Nick Reiner wegen Mordes an seinen Eltern angeklagt

Das Motiv für die Ermordung des bekannten Hollywood-Regisseurs Rob Reiner und dessen Frau Michele bleibt unklar. Welche Strafe kommt bei einer Verurteilung infrage?

 13.08.2026

Washington D.C.

Medien: CIA zweifelte an iranischer Bedrohung für Trump

Trump wechselt auf dem Heimweg vom Nato-Gipfel versteckt in einem Catering-Container den Flieger. Der einem Politthriller gleichende Vorgang schlägt international Wellen. Nun gibt es neue Informationen

 13.08.2026

Nahost

Geplante Gebühr für Straße von Hormus: Iran verweist auf Umweltschäden

Für den Iran ein Muss, für die USA ein rotes Tuch: Das Mullah-regime will für die Passage der Straße von Hormus künftig eine Gebühr erheben. Zur Begründung führt es auch Umweltschäden an

 13.08.2026

Rom

»Jagd auf Juden«: Jüdische Organisationen verurteilen Doppel-Angriff auf Tourist mit Kippa

Einer von mehreren mutmaßlichen Tätern ist gefasst. Jüdische Organisationen in Italien zeigen Solidarität mit dem Opfer

 13.08.2026

Offener Brief

Lieber Heinz Rudolf Kunze, ...

Malca Goldstein-Wolf schreibt dem Sänger Heinz Rudolf Kunze einen Offenen Brief, denn was sie von ihm im Fernsehen hörte, machte sie fassungslos

von Malca Goldstein-Wolf  12.08.2026