Berlin

Auswärtiges Amt kritisiert Menschenrechtsbeauftragten

Lars Castellucci Foto: picture alliance / dts-Agentur

Das Auswärtige Amt hat den Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Lars Castellucci (SPD), wegen einer Bezeichnung der israelischen Regierung als rechtsradikal scharf kritisiert. Ein entsprechender X-Post von Castellucci pauschalisiere die Situation in Israel, er könne »auch missverstanden werden als Relativierung von Antisemitismus. Das ist äußerst bedauerlich«, sagte ein Sprecher des deutschen Außenministeriums in Berlin. Außenminister Johann Wadephul (CDU) halte »diese Positionierung deswegen für unangebracht und auch falsch«. Castellucci wollte sich auf dpa-Anfrage nicht zu der Kritik äußern.

Der Menschenrechtsbeauftragte hatte am Samstag auf einen X-Post von Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) geantwortet, die zu der gewalttätigen Auseinandersetzung an Bord eines Flugzeuges der emiratischen Fluggesellschaft Flydubai mit überwiegend israelischen Passagieren geschrieben hatte: »Und warum juckt das eigentlich niemanden in der Welt so richtig?« Prien ist jüdischer Abstammung. Der SPD-Politiker schrieb daraufhin auf X, es sei »ein entsetzliches Verbrechen verhindert worden«. Er ergänzte als Antwort auf Priens Frage: »Weil Israel gerade seine letzten Freunde verliert. Wegen seiner rechtsradikalen Regierung und allen, die sie verteidigen.«

Auswärtiges Amt: Worte nicht sorgsam gewogen

Das Auswärtige Amt sprach von einem privaten Post Castelluccis als SPD-Bundestagsabgeordneter. In einer Zeit, in der es fatalerweise sich sehr rasant ausbreitenden Antisemitismus gebe, müsse man seine Worte sorgsam wägen, ergänzte der Sprecher des Ministeriums. »Das ist in diesem Fall nicht geschehen.« Auf die Frage nach Konsequenzen sagte er, darüber müsse sich Castellucci Gedanken machen. 

In weiteren X-Posts hatte Castellucci am Samstag unter anderem geschrieben, auch die Bundesregierung bitte »die israelischen Freunde um die Einhaltung internationalen Rechts, Zugang für Hilfsgüter und Hilfsorganisationen, Ende der Siedlergewalt und Demütigungen im Westjordanland, Schluss mit illegalen Besiedlungen usw. Reaktion? Keine.« Er ergänzte: »Wo sollen da Sympathie und Empathie herkommen?« Tiefsitzender alter und neuer Antisemitismus sei zu benennen, zu verurteilen und zu bekämpfen. »Aber es wenden sich längst völlig rechtschaffene Leute ab, die mit Antisemitismus nichts am Hut haben.«

Beim Flydubai-Flug hatte vergangenen Mittwoch Berichten zufolge der Copilot seinen Kollegen angegriffen. Dieser schaffte es nach eigenen Angaben trotz schwerer Verletzungen, die Cockpit-Tür zu öffnen. Passagiere überwältigten den Täter. Motiv und Absichten des mutmaßlichen Angreifers sind ungeklärt. Die israelische Regierung geht von einem dschihadistischen Terroranschlag aus. Israelische Medien hatten berichtet, es seien 174 Passagiere an Bord gewesen, darunter 27 Kinder. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte gesagt, fast alle Passagiere seien Israelis. dpa

Der Verfassungsrechtler Steffen Augsberg, Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU), der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker und Zentralratspräsident Josef Schuster (v.l.)

Gutachten

Hessischer Gesetzentwurf zur Leugnung des Existenzrechts Israels verfassungskonform

Hessens Justizminister Christian Heinz: »Wir brauchen dringend eine gesetzliche Regelung.« Zentralratspräsident Josef Schuster: Die Politik steht in der Pflicht, dem Antisemitismus in seinem neuen Gewand Einhalt zu gebieten

 05.10.2026

7. Oktober

Rotes Rathaus zeigt Ausstellung zum Hamas-Überfall auf Israel

Der Überfall der Terrororganisation Hamas hat überall in Israel Spuren hinterlassen. Eine neue Berliner Ausstellung beleuchtet die Erfahrungen von Sportlern und Fans rund um den 7. Oktober 2023

 05.10.2026

Recht

Gute Absicht, falsche Umsetzung

Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats der Juden, kritisiert den hessischen Vorschlag für eine Strafbarmachung der Leugnung des Existenzrechts Israels. Er hat aber einen Alternativvorschlag

 05.10.2026

Studie

»Neue antisemitische Normalität«: 7. Oktober für Juden in Deutschland biografische Zäsur

Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt, wie der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 das Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland verändert hat. Die Befragten berichten von einer »neuen antisemitischen Normalität«, wachsendem Misstrauen und Ausgrenzung

 05.10.2026

Der Verfassungsrechtler Steffen Augsberg, Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU), der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker und Zentralratspräsident Josef Schuster (v.l.)

Initiative

Hessen dringt auf Strafen für Leugnung des Existenzrechts Israels

Die hessische Landesregierung dringt darauf, dass ihr Vorschlag zur Strafbarkeit israelfeindlicher Äußerungen umgesetzt wird. Die Bundesregierung bleibt aber skeptisch. Auch der Zentralrat der Juden ist nicht restlos überzeugt

 05.10.2026

Josef Schuster

Berlin

Zentralrat: Linke muss Mitglieder bei Antisemitismus ausschließen

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, äußert klare Erwartungen an die Linkspartei in Bezug auf den innerparteilichen Kampf gegen Judenhass

 05.10.2026

Magdeburg

BSW: Wählen den AfD-Kandidaten zum Landtagspräsidenten

Am Dienstag kommt der neu gewählte Landtag von Sachsen-Anhalt erstmals zusammen. Die AfD hat die Zusage des BSW für die nötigen Stimmen

 05.10.2026

Berlin

Parteien in der Hauptstadt bereiten sich auf drittes Vorgespräch vor

Nach der Abgeordnetenhauswahl setzen Linke, Grüne und SPD auf ein drittes Vorgespräch. Details bleiben geheim – und keiner weiß, wo das Ganze hinführt

 05.10.2026

Berlin

Israelis selbst schuld an Empathielosigkeit? SPD-Politiker in der Kritik

Der Sozialdemokrat Lars Castellucci machte am Samstag mit einem X-Post zum versuchten Anschlag auf ein Flugzeug mit israelischen Passagieren von sich reden. Viele sehen darin eine Täter-Opfer-Umkehrung

 05.10.2026