Soziale Netzwerke

Google und Apple sperren Zugang zu Hildmann-Kanal

Attila Hildmann bei einer Demo gegen die Corona-Politik am 30. Mai 2020 vor dem Berliner Reichstag Foto: imago images/Stefan Zeitz

Schwerer Dämpfer für Attila Hildmann: Der Zugang zum Telegram-Kanal des aus Deutschland geflüchteten Kochs, der in den vergangenen Monaten nicht durch Kulinarisches, sondern mit übler antisemitische Hetze Schlagzeilen gemacht hatte, wurde nun von Google und Apple gesperrt.

Damit sind Hildmanns Hassbotschaften ab sofort über die auf dem Google Play Store beziehungsweise dem App Store von Apple auf Smartphones und andere Geräte heruntergeladene Telegram-App nicht mehr erreichbar. Auf wessen Veranlassung hin die Zugänge eingeschränkt wurden und ob diesem Schritt weitere folgen werden, wurde zunächst nicht bekannt.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

ANTISEMITISMUS Auf seiner Webseite schrieb Hildmann, der sich aktuell in der Türkei dem Zugriff der deutschen Behörden entzogen hat: »Worauf ich lange vorbereitet war, ist nun eingetreten! Nachdem sich sogar der jüdische Weltkongress und Europol eingeschalten haben, haben APPLE und GOOGLE meinen Kanal zensiert über das Telegram, welches man über GOOGLE PLAYSTORE und APPLE APP-STORE runterlädt! TELEGRAM selbst hat meinen Kanal nicht zensiert, man kann ihn noch über die App erreichen, dafür muss man sie sich aber über die Webseite von Telegram runterladen!«

Bereits im Juni des vergangenen Jahres hatte Hildmann dem ehemaligen Grünen-Politiker Volker Beck öffentlich gedroht: »Wenn ich Reichskanzler wäre, dann würde ich die Todesstrafe für Volker Beck wieder einführen, indem man ihm die Eier zertritt auf einem öffentlichen Platz« und anschließend die Menge gefragt, wer dabei mitmachen würde.

WEIGERUNG Bislang hatten sich die Betreiber von Telegram geweigert, Hildmanns Kanal wegen Hassrede zu sperren. Doch war der Druck auf die Plattform offenbar zu groß geworden. Seit einigen Monaten bereits verbreitet der prominente Koch auf Telegram Antisemitismus und macht Juden und für die Corona-Politik der Bundesregierung verantwortlich.

Vor Kurzem hatte unter anderem Maram Stern, Geschäftsführer des Jüdischen Weltkongresses (WJC), gefordert, dass Hildmanns Kanal endlich gesperrt werden müsse. In einem am 19. Mai in der »Wiener Zeitung« veröffentlichten Gastbeitrag wetterte Stern, es sei ein Skandal, dass Telegram »rund um die Uhr digitalen Raum für die Verbreitung solcher Hassparolen und für Aufrufe zu Gewalttaten« bereitstelle und strafbare Inhalte nicht lösche.

Die Plattform lasse zu, »dass der in die Türkei geflüchtete deutsche Holocaust-Leugner Attila Hildmann an seine inzwischen mehr als 110.000 Follower die oben zitierten antisemitischen Hassbotschaften verbreiten kann. Ich halte es für unerträglich und skandalös, dass solche rechtsextreme Inhalte in Europa offenbar ohne strafrechtliche Konsequenzen verbreitet werden dürfen«, so Stern.

DRUCK Er habe, so der WJC-Geschäftsführer weiter, Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ersucht, Druck auf Telegram auszuüben, um »solche Inhalte unverzüglich zu löschen und Personen und Organisationen, die Gewalt fördern und Hassparolen unterstützen, zu entfernen.«

Daraufhin hatte Hildmann auf Telegram Stern mit den Worten attackiert: »JUDE DEIN MORDPLAN IST ENTTARNT! EGAL WAS DU JETZT MACHST, GENUG MENSCHEN WISSEN, DASS DU HINTER ALLEM STEHST UND DIE NWO [neue Weltordnung; Red.] DIE JEWISH WORLD ORDER IST! ALLE GIFTSPRITZEN KOMMEN VON JUDENFIRMEN!« Wiederholt hatte der Impfgegner Hildmann suggeriert, die Impfkampagne gegen das Coronavirus sei in Wahrheit ein »jüdischer Mordplan«. Auf seinem Telegram-Kanal hatte er zuletzt mehr als 110.000 Follower.

STAATSANWALTSCHAFT Die Berliner Staatsanwaltschaft vermutete Mitte Mai dieses Jahres, dass Informationen über einen Haftbefehl gegen Attila Hildmann aus den eigenen Reihen unzulässig weitergereicht wurden. Es werde gegen Unbekannt wegen Verletzung von Dienstgeheimnissen ermittelt, teilte die Staatsanwaltschaft damals mit. Zuvor hatte die »Süddeutsche Zeitung« berichtet.

Hildmann ist seit Monaten in der Türkei, ein Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts der Volksverhetzung kann deshalb nicht vollstreckt werden. Der 40-Jährige hat laut Staatsanwaltschaft neben der deutschen auch die türkische Staatsbürgerschaft. Mit seiner Rückkehr sei derzeit nicht zu rechnen.

Es gebe aber keinen Zusammenhang zwischen der Weitergabe von Informationen und der Flucht von Hildmann, hieß es. Dieser habe sich bereits »geraume Zeit« vor Erlass des Haftbefehls ins Ausland abgesetzt.

In dem Ermittlungsverfahren gegen Hildmann überprüft die Berliner Anklagebehörde mehr als 1000 Äußerungen. Es geht dabei neben dem Verdacht auf Volksverhetzung auch um den Verdacht der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. (mit dpa)

Interview

»Wir haben keine Wahl«

Suaad Onniselkä über den Dialog zwischen Juden und Muslimen, Desinformation und die nächste Generation

von Michael Thaidigsmann  17.02.2026

Ehrung

Preis für Stärkung des jüdischen Lebens an Elke Büdenbender

Bundespräsidenten-Gattin Elke Büdenbender wird mit einem Preis für ihren Einsatz zum Schutz jüdischen Lebens in Deutschland ausgezeichnet

 17.02.2026

Thüringen

Landesgemeinde dringt auf Ehrung von Klaus Trostorff

Klaus Trostorff war Buchenwald-Häftling und leitete später die Mahn- und Gedenkstätte der DDR. Die Jüdische Landesgemeinde will ihm in Erfurt eine Straße widmen

 17.02.2026

Atomabkommen

Iran dämpft Erwartungen an Deal

Washington und Teheran haben ihre Verhandlungen zunächst beendet. Der Iran berichtet von einer Einigung auf »eine Reihe von leitenden Prinzipien«. Ist ein Abkommen greifbar?

 17.02.2026

Julia Klöckner

»Man muss sich ein eigenes Bild machen«

Die Bundestagspräsidentin war vergangene Woche in Israel. Im Interview spricht sie über ihre Eindrücke von der Reise und die Kritik an ihrem Besuch in Gaza

von Philipp Peyman Engel, Joshua Schultheis  17.02.2026

Suhl

Simson: Nachfahren der Gründerfamilie wehren sich gegen AfD

Die Schwalbe oder die S51 aus DDR-Produktion sind Liebhaberstücke - und inzwischen ein Politikum, das nicht nur Björn Höcke zu nutzen weiß. Nun kommt deutlicher Widerspruch

 17.02.2026

Brüssel

Streit um Beschneider: US-Botschafter nennt Belgien »antisemitisch«

In mehreren X-Posts griff Bill White die belgische Regierung scharf an, die wiederum sich die Einmischung verbat. Hintergrund ist ein Strafverfahren gegen drei Mohels in Antwerpen

von Michael Thaidigsmann  17.02.2026

Nahost

Iran feuert Raketen auf Straße von Hormus ab

Teile der strategisch wichtigen Meerenge wurden laut iranischen Staatsmedien »aus Sicherheitsgründen« zeitweise gesperrt

 17.02.2026

Tel Aviv

Lindsey Graham fordert konsequente Unterstützung für Iran-Proteste

Der republikanische Senator spricht sich außerdem für ein konsequentes Vorgehen in Gaza aus: »Ich glaube nicht, dass die Hamas jemals abrüsten wird, solange man sie nicht dazu zwingt.«

 17.02.2026