Antibes

Frankreich und Italien streben neue Libanon-Mission an

Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag in Antibes Foto: picture alliance / abaca

Frankreich und Italien wollen sich nach dem Ende des derzeitigen UN-Blauhelm-Einsatzes im Libanon (Unifil) für eine neue Unterstützungsmission für das kriegserschütterte Land starkmachen. »Wie Sie wissen, endet die Unifil-Mission Ende des Jahres, und aus unserer Sicht ist es notwendig, eine internationale Präsenz zu gewährleisten, die ein äußerst gefährliches Sicherheitsvakuum verhindert«, sagte Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nach einem italienisch-französischen Regierungsgipfel in Antibes.

»Aus diesem Grund haben wir gemeinsam beschlossen, eine Koalition zur Unterstützung des Libanon nach dem Ende von Unifil ins Leben zu rufen und möglicherweise schon bald eine internationale Konferenz zur Einleitung dieser Initiative in Betracht zu ziehen«, sagte Meloni. »Dabei gehen wir davon aus, dass Italien und Frankreich aufgrund ihrer Arbeit und ihrer langjährigen Präsenz im Libanon in den vergangenen Jahren zwei Länder sind, die eine internationale Koalition in diesem Bereich selbstverständlich anführen können.«

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte, es gehe darum, die Souveränität des Libanon und seiner Streitkräfte zu stärken und zu verhindern, dass sein Hoheitsgebiet zum Ausgangspunkt einer regionalen Eskalation werde. Mit den libanesischen Behörden müsse eine möglichst breite Koalition gebildet und ein klares Mandat erarbeitet werden. »Wird es das Mandat einer multinationalen Truppe an der Seite der libanesischen Streitkräfte sein? Werden wir ein echtes Mandat der Vereinten Nationen aufstellen können? Es ist noch zu früh, um diese Frage zu beantworten«, sagte Macron.

Lesen Sie auch

»Es braucht selbstverständlich einen völkerrechtlichen Rahmen. Und es braucht ein Mandat, das tatsächlich etwas bewirken kann – vielleicht etwas, das der Unifil-Mission in den vergangenen Jahren teilweise gefehlt hat«, meinte Meloni. »Es braucht also ein klares und strukturiertes Mandat, das uns dabei helfen kann, für dieses Land, das für die Region des Nahen Ostens von grundlegender Bedeutung ist, eine andere Zukunft aufzubauen.«

Der UN-Sicherheitsrat hatte im August 2025 die Beendigung der gesamten Unifil-Mission beschlossen. Sie wurde 1978 zur Überwachung des Grenzgebiets zwischen Israel und dem Libanon gestartet. Nach ihrem Abzug soll die libanesische Armee die Kontrolle übernehmen.

Die EU plant bereits einen Unterstützungseinsatz für die Streitkräfte und die Polizei im Libanon. Dabei soll es sich um eine mindestens dreijährige militärische und zivile Mission handeln. Die Pläne von Frankreich und Italien könnten darüber noch hinausgehen. dpa/ja

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  30.06.2026

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Meinung

Maccabiah ist gelebte Selbstbehauptung

Gerade jetzt ist es für jüdische Sportlerinnen und Sportler wichtig, in Israel Kraft zu tanken. Es geht nicht nur um Sport, sondern auch um Selbstbehauptung und ein tieferes Verständnis für das Land

von Alon Meyer  30.06.2026

Berufung

Hamburg hat wieder eine Beauftragte gegen Antisemitismus

Nach Monaten der Vakanz ist das Amt wieder besetzt: Anna von Villiez wird Hamburgs neue Beauftragte gegen Antisemitismus. Ein Rechtsstreit hatte die Auswahl verzögert

von Michael Althaus  30.06.2026

Kommentar

Für Islamisten existiert kein Kindeswohl

In glühender Hitze wurden Kinder von Islamisten gefesselt durch Berlin geführt. Dass so etwas mitten in der Hauptstadt geschehen kann, ist die Folge einer fehlgeleiteten Migrationspolitik

 30.06.2026

Aufruf

Jüdische Hochschullehrer fordern besseren Schutz gegen Antisemitismus

Hochschulen können ihre jüdischen Studierenden und Lehrenden nicht ausreichend gegen Antisemitismus schützen. Das NJH will das ändern und fordert unter anderem die Möglichkeit zur Exmatrikulation von Störern

 30.06.2026

Interview

»Soziale Medien sind Brandbeschleuniger für Judenhass«

Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung gegen Antisemitismus, wechselt nach Paris. Am Dienstagabend zog er auf einem Podium in Berlin Bilanz. Im Interview blickt er zusätzlich auch auf Persönliches

von Leticia Witte  30.06.2026

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Früher hätte man Journalisten wie Restle, die Juden unterstellen, sie seien nur Sprachrohr einer Regierung in Israel, die Eignung als Politik-Redakteure beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk abgesprochen. Zu Recht

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Hamburg

Mutmaßlicher Block-Entführer: »Wir sind hier wie in einer Mossad-Operation«

Im Block-Prozess wird ein Zeuge aus Israel weiter per Video befragt. Der 42-Jährige steuerte bei der gewaltsamen Rückholung der Kinder einen der Wagen. Wie er heute auf die Ereignisse blickt.

von Stephanie Lettgen  30.06.2026