Kommentar

Für Islamisten existiert kein Kindeswohl

Susanne Schröter Foto: picture alliance/dpa

Der Dschihad, der Heilige Krieg, spielt in der islamischen Geschichte eine besondere Rolle, denn er verspricht den dabei Gefallenen einen privilegierten Zugang zum Paradies. In Sure 3:169 heißt es: »Haltet die, die auf dem Wege Gottes getötet wurden, nicht für tot! O nein! Sie sind am Leben, bei ihrem Herrn, und werden wohl versorgt.« Dass man dazu noch schönen Paradiesjungfrauen begegnet, motiviert junge Männer bis auf den heutigen Tag, ihr Leben für die islamische Sache zu geben, wie immer diese aussehen mag. Anschläge auf Zivilisten gehören definitiv dazu, denn auch die Verbreitung des Schreckens zählt nach Auffassung Radikaler zu den verdienstvollen Taten.

Die Kinder wurden gefesselt bei mehr als 35 Grad durch Berlin paradiertFoto: Screenshot

Dabei werden nicht nur Erwachsene angeworben. Vielmehr kennen wir die Instrumentalisierung von Kindern für den Dschihad von allen islamistischen Gruppen. Der IS absolvierte Kampftrainings mit Zehnjährigen und ließ sie gefesselte Gefangene massakrieren. Es gibt Bilder, auf denen Dreijährige ermutigt werden, ihre Kuscheltiere zu enthaupten. Die Hamas trainiert 15-Jährige an Sturmgewehren und zeigt ihnen, wie man Sprengsätze baut. Die Fatah bietet Sommercamps an, in denen Kinder lernen, wie man dem »Weg der Märtyrer« folgt. Der Iran lässt Mütter mit männlichen Säuglingen auf Demonstrationen aufmarschieren, auf denen sie dem Regime versprechen, ihre Söhne als Kämpfer Gottes zu erziehen.

Nach Angabe von Menschenrechtsorganisationen wurden jüngst Zwölfjährige zur Verteidigung des Vaterlandes für Milizen angeworben. Im Iran-Irak-Krieg wurden Zehntausende Kinder schlecht bewaffnet als erste Welle gegen die feindlichen Truppen geschickt, wo sie den Tod fanden. Man hatte sie mit Plastikschlüsseln ausgestattet, mit denen sie angeblich die Pforten des Paradieses aufschließen würden.

Inszenierungen von Märtyrerkulten gibt es mittlerweile auch in Deutschland. Vor einigen Jahren waren es DITIB-Moscheen, in der Jungen die historische Schlacht von Gallipoli aufführten, während verschleierte Mädchen sie nach ihrem Tod betrauerten. Sie sollten das Gedenken an die Märtyrer der Vergangenheit hochhalten.

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Jetzt ist sind es Schiiten, die Kinder für ihren eigenen Märtyrerkult Aschura missbrauchen. Dass sie die Kinder dabei gefesselt in glühender Sonne durch die Straßen laufen ließen, war in den Augen der Eltern offenbar kein Vergehen. So geschehen am Samstag in Berlin. In ihrer islamistischen Ideologie existiert kein Kindeswohl, sondern allein der Gehorsam unter einen Normenkomplex, in dem der Tod für Gott das schönste Ziel darstellt.

Das dies mitten in Berlin geschehen kann, ist die Folge einer Migrationspolitik, die nicht danach fragt, wes Geistes Kind die Menschen sind, die zu uns kommen. Wer so etwas duldet, gefährdet nicht nur das Wohl der Kinder, sondern auch die Zukunft unserer Gesellschaft.

Die Autorin ist Ethnologin und leitete seit 2014 das Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam. Zuletzt erschien von ihr im Herder-Verlag »Der neue Kulturkampf – Wie eine woke Linke Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft bedroht«.

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