Leipzig

Fall Gil Ofarim: Behörde sieht keinen Anlass für Ermittlungen

Gil Ofarim Foto: picture alliance / Flashpic

Die Staatsanwaltschaft Leipzig sieht keinen Anlass für neue Ermittlungen im Fall Gil Ofarim. Es bestehe »keine Veranlassung, bloßen Wiederholungen von Vermutungen und Andeutungen angeblicher Manipulationen an letztlich nicht verfahrensrelevanten Aufnahmen nachzugehen«, teilte Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz, Sprecher der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Hintergrund sind Äußerungen des jüdischen Sängers, der am vergangenen Freitag als Teilnehmer des RTL-Dschungelcamps auf angebliche Ungereimtheiten und mögliche Manipulationen einer Videoaufnahme hingewiesen hatte. Der Musiker hatte 2021 für Schlagzeilen gesorgt, als er sich bei Instagram als Opfer antisemitischer Äußerungen eines Leipziger Hotelmitarbeiters darstellte. Später stellten sich diese Vorwürfe als falsch heraus. Ofarim nahm seine Darstellung in einem Verleumdungs-Prozess gegen ihn zurück und entschuldigte sich.

Spätere Äußerungen führen nicht zur erneuten Verfahrensaufnahme
Auch Konsequenzen für Ofarim selbst schloss die Staatsanwaltschaft aus. »Mit der vollständigen Zahlung der gerichtlich angeordneten Geldauflage wurde das Strafverfahren gegen Gil Ofarim am 21. August 2024 durch das Landgericht Leipzig endgültig eingestellt«. Damit könnten die dem Angeklagten in diesem Verfahren zur Last gelegten Vorwürfe nicht mehr in einem neuen Verfahren erneut verfolgt werden - »soweit nicht der Verdacht eines Verbrechens besteht«. »Hierfür gibt es jedoch keine Anhaltspunkte.« Die Entscheidung sei nicht anfechtbar. Äußerungen Ofarims im Nachhinein können daher nicht zu einer Wiederaufnahme des Strafverfahrens führen.

Lesen Sie auch

Diese Verfahrenseinstellung sei kein Freispruch, teilte die Behörde weiter mit. Nach der ausdrücklichen Diktion des Landgerichts Leipzig sei mit dem Geständnis, der Entschuldigung bei dem Geschädigten und der Erfüllung der gerichtlichen Auflagen das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung beseitigt und kein Urteilsspruch erforderlich.

Ermittlungsbehörde sieht nur Wiederholungen früherer Aussagen
»Die Aussagen des Gil Ofarim aus den letzten Tagen stellen sich für die Staatsanwaltschaft unabhängig davon letztlich nur als Wiederholungen aus dem Strafprozess vom November 2023 dar. In diesem wurde durch die Verteidigung des damaligen Angeklagten ebenfalls auf angebliche Ungereimtheiten und mögliche Manipulationen einer Videoaufnahme hingewiesen, da wenige Sekunden fehlen würden«, so Schulz. Zugleich habe die Verteidigung aber auch betont, dass das Video für die Beweisführung nicht maßgeblich sei.

Das Landgericht habe demgegenüber keine Zweifel an der Beweiskraft der Videoaufnahmen und ebenso wenig an den Aussagen der bis dahin gehörten Zeugen gehabt, erinnerte Schulz an eine damalige Mitteilung des Landgerichts. dpa

Die Träger des Georg-Stefan-Troller-Preises 2026

Frankfurt am Main

Auszeichnung für Journalisten und Buchautoren

Der Georg-Stefan-Troller-Preis für die Berichterstattung über jüdisches Leben wurde erstmals verliehen. Mit Mascha Malburg und Joshua Schultheis sind auch zwei JA-Journalisten unter den Ausgezeichneten

 11.10.2026

Frankfurt am Main

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Philippe Sands überreicht

Der Völkerrechtsanwalt forderte in seiner Rede ein Ende angeblicher »Debattenbeschränkungen« in Deutschland

 11.10.2026

Julia Franck

»Sie liebt, aber sie wird nicht geliebt«

Die Schriftstellerin über ihre literarische Biografie der Jüdin Baladine Klossowska und den Dichter Rainer Maria Rilke

von Knut Elstermann  11.10.2026

Aufgegabelt

Rote Bete mit Tahini

Rezepte und Leckeres

 11.10.2026

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Texten der Jüdischen Allgemeinen

 10.10.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

 10.10.2026

Kino

Ich habe »Naza« gesehen, und es ist ein übles Stück Propaganda

Es ist erschreckend zu sehen, wie große Teile der Filmwelt sich gerade selbst zu nützlichen Idioten der Hamas degradieren, indem sie ihr von Lügen und Blut getränktes Narrativ übernehmen

von Philipp Peyman Engel  10.10.2026

Berlin

733 Tage, 2 Stunden und 35 Minuten

Eine Ausstellung im Paul-Löbe-Haus erzählt von Verlust, Hoffnung und bleibenden Folgen in der Zeit zwischen dem 7. Oktober und dem Abkommen zur Freilassung der Geiseln

von Pascal Beck  09.10.2026

Essay

Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Die Grenzen universitärer Selbstgewissheit

Antisemitismus ist an Universitäten längst kein Ausnahmeproblem mehr. Drei Jahre nach dem 7. Oktober stellt sich deshalb eine unangenehmere Frage: Was haben Universitäten über sich selbst gelernt?

von Frederek Musall  09.10.2026