Fernsehen

Gil Ofarim gewinnt das RTL-Dschungelcamp. Und nun?

Foto: RTL

Der Februar in Deutschland hat etliche gesellschaftliche Höhepunkte. Lassen wir Olympia beiseite und erwähnen nur zwei Highlights: Weil Karneval ist, gibt es vielerorts die Prinzenproklamation. Und weil der RTL-Trash läuft, haben wir uns auf die Ernennung des Dschungelkönigs gefreut.

Beide Titel sind den Menschen, die sich um sie bewerben, sehr wichtig. Auch ein nicht kleiner Teil des Publikums interessierte sich dafür, wer gekürt wird. Doch es gibt auch Leute, die mit Karneval und/oder Dschungelcamp wenig anfangen können und sogar die Nase rümpfen, wenn nicht gar noch heftigere Ablehnung absondern.

In beiden Fällen werden diejenigen, die mit einem Fantasieadelstitel ausgezeichnet werden, auf eine Weise geschmückt, in der nicht unbedingt jeder Betrachter etwas Seriöses erkennen kann: Narrenkappe mit Pfauenfeder kriegen die einen, einen Blumenkranz erhalten die anderen, und ein albernes Zepter bekommen alle in die Hand gedrückt.

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Die Gemeinsamkeiten von Fastecamp und Dschungelval kann eigentlich niemand übersehen: Im rheinischen Karneval zieht sich der Prinz — in Köln das Trifolium, also Dreigestirn — während der Session in die Hofburg zurück, wo die gesamte Entourage versorgt wird. Im RTL-Dschungelcamp halten sich alle in einer Art Festung auf, wo sie zunächst von Simone Ballack versorgt werden. (Apropos: Wie ihr damaliger Mann Michael durch einen blöden Umstand das Fußball-WM-Finale 2020 verpasste, obwohl er einer der wichtigsten Spieler war, so musste auch Simone Ballack kurz vor dem Finale passen. Wir sehen: Dschungelcamp ist ganz großer Sport!)

Bei der letzten Dschungelprüfung dieser Staffel ging es um das Erspielen eines wirklich guten Essens für das übriggebliebene Trash-Dreigestirn namens Gil, Hubert und Jungfrau. Die Prüfung war klassisch ekelhaft, wie man es erwartet, und sie war dieses Mal nach dem berühmten Prinzip der drei Affen aufgebaut: Gil hatte den, der nichts sieht, Hubert den, der den Mund verschlossen hat und Samira den Affen, der nichts hört. 

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Ganz zum Schluss hat uns RTL also mit dem Auftischen einer buddhistischen Symbolik noch einmal ganz viel Weisheit und Tiefe serviert. Vielleicht, auch wenn man es sich kaum vorstellen kann, hatte dieses Suchen (Gil), Schlucken (Hubert) und Schrauben (Samira) für ein richtig feines Abschiedsdinner mehr Bedeutung, als der Karneval bieten kann.

Zu dieser Symbolik gehört nicht nur der Buddhismus, sondern auch das Christentum: Die drei Finalisten hockten sich nämlich zu ihrem letzten Abendmahl zusammen — ursprünglich waren es ja zwölf Dschungelkandidaten gewesen. Sie schlemmten und ließen sich den Abschluss der Show, die sie doch alle doch sehr gefordert hatte, sehr gut schmecken. Endlich mal auf einem Stuhl sitzen, von Tellern essen, eine saubere Decke auf dem Tisch und dann noch eine richtig gute Mahlzeit. 

Dem harmonischen Zusammensitzen war noch eine Beauty-Session mit Gesichtsmasken vorausgegangen, die von Samira »Salon Uschi« bezeichnet wurde. Ein mittelguter Scherz, bei dem die drei Finalisten, unser Rest vom Dschungelfest, zwar recht lustig aussahen, aber unsereins als kritischer Zuschauer vermisste letztlich doch die philosophische Tiefe, die wir doch sonst von »Ich bin ein Star, holt mich hier raus« gewöhnt sind.

Das kam jedoch bei der letztlichen Wahl, die nichts vermissen ließ, was das Dschungelcamp in den vergangenen zwei Jahrzehnten derart groß hat werden lassen. Hubert wurde als Drittplatzierter rausgewählt. Gil und Samira blieben derweil Arm in Arm, Hand in Hand zurück, wussten nicht, wie ihnen geschah, mussten retardierende Momente überbrücken, die die Showplaner eingebaut hatten, und warteten auf den Spruch der anrufenden RTL-Zuschauer. 

»Die Krone geht an Gil.« Das war der entscheidende Satz, den Moderator Sonja Zietlow sprach. Samira gratulierte, Gil schluchzte. Das war das Ende dieser 17-Tage-Show.

Ich als Kolumnist verabschiede mich bei allen, die die Trashshow lieben und die die Trashshow hassen, mit einem Satz, den Simone Ballack fomuliert hat: »Wenn Gil gewinnt, verliere ich den Glauben an Realityshows.«

Tja. So ist es. Oder so ist es nicht.

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