Meinung

Warum ich mich für meine Teilnahme am Dschungelcamp nie schämen würde

Rebecca Siemoneit-Barum Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

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Warum ich mich für meine Teilnahme am Dschungelcamp nie schämen würde

Die »Lindenstraßen«-Darstellerin Rebecca Siemoneit-Barum war 2015 bei der berühmt-berüchtigten RTL-Sendung in Australien dabei. Hier erzählt sie, was die Zeit im Dschungel bis heute für sie bedeutet

von Rebecca Siemoneit-Barum  09.02.2026 09:15 Uhr Aktualisiert

Die RTL-Erfolgssendung »Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!«, im Volksmund schlicht »Dschungelcamp« genannt, ist derzeit wieder in aller Munde. Nichts Ungewöhnliches: Seit ihrer Erstausstrahlung in den frühen 2000er-Jahren spaltet dieses Unterhaltungsformat regelmäßig die Gesellschaft und erhitzt die Gemüter.

Gerne wird die Sendung darauf reduziert, dass sich dort lediglich sogenannte B-Promis mit einem Haufen Schulden einen – meist hochbezahlten – Aufenthalt im Regenwald nahe Brisbane antun. Schließlich bestehen die Prüfungen häufig darin, sich von tausenden Insekten überschütten zu lassen oder sich durch tierische Eingeweide zu wühlen, um anschließend stinkend, geteert und gefedert – hoffentlich mit errungenen Sternen – ins Camp zurückzukehren. Ohne diese Sterne allerdings bleiben die täglichen Mahlzeiten auf Reis und Bohnen beschränkt, stundenlang eingeweicht und gekocht, ganz ohne Gewürze. Wenn es wenigstens Kichererbsen wären!

Im Dschungelcamp fernab von Sicherheit, Besitz und Kontrolle wird man demütig. Reduziert. Wach.

Ich bin von Sendung eins an ein großer Fan dieser Show. Ich liebe den Humor der Moderatoren und war durchaus angetan, als man mich in den 2000er-Jahren erstmals fragte, ob ich teilnehmen wolle. Dennoch lehnte ich über mehrere Jahre hinweg immer wieder ab – vor allem aus Angst vor der enormen Aufmerksamkeit, die meist ungebremst über die Teilnehmer hereinbricht. Mental und emotional fühlte ich mich lange nicht bereit, so viel Privates einem Millionenpublikum preiszugeben. Es ist eben etwas völlig anderes, eine Rolle zu spielen, als sich ungefiltert, mit hitzerötetem Gesicht, ungezähmten Haaren und unvorteilhafter Kleidung rund um die Uhr beobachten zu lassen.

Heute ist das für viele auf Instagram Alltag. Für mich als Kind der Generation-X-war es damals absolutes Neuland.

Meine letztendliche Teilnahme im Januar 2015 kann ich rückblickend nur als eines der großen Highlights meines Lebens bezeichnen. Nicht, weil ich fast 14 Tage mit teils schwierigen Menschen in einem feuchten Loch saß und wir ständig darauf achten mussten, nicht von Blutegeln attackiert zu werden – sondern weil dieser gesamte Trip ein tiefgreifendes Erlebnis war.

Ich konnte meine ganze Familie mitnehmen. Wir wurden Business Class nach Australien geflogen, und während ich im Dschungel ausharrte, hatten mein Mann, mein Bruder und meine Tochter eine wunderbare Zeit. Allein das war es schon wert.

Ich möchte sogar gern noch einmal nach Australien reisen – dann allerdings mit mehr Zeit, um dieses vielfältige Land wirklich zu entdecken.

Die Zeit im Camp empfand ich als echte Zäsur. Wenn man mehrere Nächte im Regen schläft, vor Hunger Bauchschmerzen hat und all das fehlt, was das Leben sonst bequem macht, dann geschieht etwas Wesentliches: Man wird demütig. Reduziert. Wach. Fast so, als würde man sein eigenes kleines, fragiles Provisorium bewohnen – fernab von Sicherheit, Besitz und Kontrolle.

Ich weinte Freudentränen, als ich die erste Nacht zurück im Hotel unter weißen, duftenden Laken lag. Bis heute zählen ein sauberes, trockenes Bett und ein Dach über dem Kopf zu meinen größten Prioritäten.

Deshalb würde ich mich niemals für meine Teilnahme schämen. Sie hat mir Freude gemacht, war eine unvergleichliche Erfahrung und ein persönlicher Wachstumsprozess. Ich möchte sogar gern noch einmal nach Australien reisen – dann allerdings mit mehr Zeit, um dieses vielfältige Land wirklich zu entdecken.

Ich wurde für diese Teilnahme sehr gut bezahlt, was mir nach einigen Jahren »Lindenstraße«-Pause und viel idealistischer Theaterarbeit durchaus entgegenkam. Keine Staffel von »IBES« geht seitdem an mir vorbei. Und doch tut mir das Zuschauen inzwischen oft weh.

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Die Verrohung der Kommunikation, die wir seit der Pandemie weltweit beobachten, die zunehmende Respektlosigkeit und radikale Meinungsbildung der Teilnehmer – verstärkt durch eine Welle aus Social Media – nehmen dem Format einen Teil seines ursprünglichen Zaubers.

Denn eigentlich liegt dieser Zauber darin, dass man nach 14 Tagen in der Wildnis, hautnah an der Natur eines Kontinents, der vielfältiger kaum sein könnte, erneuert zurückkehrt: mit geschärftem Blick, bereinigten Prioritäten und einer tiefen Dankbarkeit für das Wesentliche. Für das, was trägt, wenn alles andere wegfällt.

Die Autorin ist Schauspielerin und wurde als »Iffi« Zenker in der Serien »Lindenstraße« bekannt.

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