Berlin

Emde erschien mit radikaler Anti-Israel-Aktivistin zur Fraktionssitzung

Vanessa Emde (r) von den Berliner Linken kommt zusammen mit Hannah Bruns zur Fraktionssitzung der Linken ins Abgeordnetenhaus Foto: picture alliance/dpa

Die israelfeindliche Linken-Politikerin Vanessa Emde hat am Dienstag im Berliner Abgeordnetenhaus mehreren Medienberichten zufolge eine umstrittene Aktivistin in die Fraktionssitzung mitgenommen, gegen die parteiintern ein Ausschlussverfahren läuft.

Emde hatte bei der Wahl im September ein Direktmandat im Bezirk Neukölln gewonnen. Sie sieht sich aber seitdem mit Forderungen aus den Reihen von SPD und Grünen konfrontiert, aus der Fraktion der Linken ausgeschlossen zu werden, weil Emde in der Vergangenheit wiederholt mit scharfer Kritik an Israel aufgefallen war.

Fast gebetsmühlenartig betont sie, der jüdische Staat habe laut Völkerrecht kein Existenzrecht. Bei der Wahlparty im September ließ die 45-Jährige sich mit dem umstrittenen Palästina-Aktivisten Ibrahim Ibrahim ablichten, der vom Berliner Verfassungsschutz zum Umfeld der verbotenen Terrororganisation PFLP gezählt wird.

In die Linken-Fraktion wurde Emde dennoch aufgenommen. Auch ein Antrag auf Ausschluss wurde zunächst nicht gestellt. Am vergangenen Wochenende sorgte Emde jedoch bei einigen in der Partei für Empörung, weil sie vor dem Linken-Parteitagslokal in Berlin eine Demonstration anführte. Am Dienstag nun erschien sie zur Sitzung der Linken-Fraktion in Begleitung von Hannah Bruns. Beide Frauen sind Mitglied der umstrittenen Landesarbeitsgemeinschaft »Palästinasolidarität«.

Sie werde sich nicht vom »gerechtfertigten Kampf« palästinensischer Kräfte »gegen das israelische Kolonialregime« distanzieren, sagte Bruns 2024 dem Magazin »Kontraste« des RBB. Auf Nachfrage wollte sie sich damals auch nicht vom Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 distanzieren, bei dem 1200 Menschen in Israel brutal abgeschlachtet worden waren. Zudem sagte sie laut dpa: »Die Befreiung Palästinas endet nicht, wenn das Westjordanland befreit ist. Die Befreiung Palästinas endet dann, wenn Tel Aviv wieder in der Hand von Palästina liegt.«

Lesen Sie auch

Heute sieht Bruns einige ihrer Aussagen von damals selbst kritisch. Sie will aber in der Linkspartei bleiben und sich gegen einen möglichen Ausschluss zur Wehr setzen. Gerüchten zufolge, über die unter anderem die »Bild«-Zeitung berichtete, will Emde Bruns als Mitarbeiterin in ihrem Abgeordnetenbüro beschäftigen. Das Boulevardblatt berichtete außerdem, dass der Berliner Landesvorstand möglicherweise schon am Freitag ein Parteiordnungsverfahren gegen Emde einleiten werde. mth

Interview

Kann Israel ohne Amerikas Waffen bestehen?

Der Politikwissenschaftler Jonathan Rynhold erklärt, was ein Ende der US-Militärhilfe für Israels Sicherheit bedeuten würde und wie sich das Verhältnis zu Washington in Zukunft entwickeln könnte

von Sabine Brandes  05.11.2026

Hintergrund

Claudia Roth und der »unfassbare Druck vom Zentralrat«

Die Ex-Kulturstaatsministerin bezeichnet es als »totalen Fehler«, auf der Berlinale Regisseure wegen ihrer israelfeindlichen Aussagen kritisiert zu haben und sucht dafür die Schuld beim Zentralrat der Juden

von Michael Thaidigsmann  05.11.2026

Frankfurt am Main

Trotz Warnungen der jüdischen Gemeinde: Comedian tritt in Frankfurt auf

Trotz Forderungen aus der Stadtgesellschaft, den Auftritt abzusagen, bespielt der neurechte Satiriker Nikolai Binner am Freitag einen Saal in einer städtischen Liegenschaft

 05.11.2026

Nachruf

Trauer um Hubert Aiwanger

Der Freie-Wähler-Chef, bayerische Vize-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister starb im Alter von 55 Jahren in einem Berliner Hotel

von Frederick Mersi  04.11.2026

Berlin

Antisemitische Schmierereien auf Skulpturen im Berliner Tiergarten

Der polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

 04.11.2026

Brasilien

Kein Freund Israels

Nach dem überraschenden Wahlsieg des linken Präsidenten Lula gibt sich die jüdische Gemeinde des Landes dennoch zuversichtlich

von Andreas Knobloch  04.11.2026

Berlin

Rot-grün-rote Koalitionsverhandlungen bis Januar

Linke, Grüne und SPD wollen erst im nächsten Jahr einen Koalitionsvertrag vorlegen. Und dann folgt noch ein Zwischenschritt

 04.11.2026

Koalitionsverhandlungen

Klingbeil fordert Linke auf, antisemitische Politiker rauszuwerfen

Bisher hat sich der SPD-Chef zurückgehalten, was die Berliner Koalitionsverhandlungen angeht. Jetzt macht er klar, was er von der Linken erwartet

 04.11.2026

USA

»Viele jüdische Wähler haben mit zugehaltener Nase abgestimmt«

Der jüdische Rechtsanwalt und Historiker Michael Traison über den Erdrutschsieg der Demokraten bei den Midterms und die möglichen Folgen für Amerikas Beziehungen zu Israel

von Michael Thaidigsmann  04.11.2026