Leipzig

Eltern nennen ihren neugeborenen Sohn Yahya Sinwar

Der Name des Jungen wurde mit Herzchen auf eine Tafel in der Klinik geschrieben Foto: Screenshot

Leipzig

Eltern nennen ihren neugeborenen Sohn Yahya Sinwar

In der Uniklinik Leipzig suchten Eltern einen problematischen Namen für ihr Neugeborenes aus. Eine kleine Recherche zeigt: Yahya ist kein Einzelfall

von Imanuel Marcus  04.08.2025 14:03 Uhr Aktualisiert

Wenn in der Abteilung für Geburtsmedizin im Universitätsklinikum Leipzig (UKL) ein Baby geboren wird, wird sein Name auf eine Tafel geschrieben. Im Laufe eines Tages können viele Namen zusammenkommen.

Am Sonntag um 3:34 Uhr erschien ein Name auf der Tafel, der zumindest in Leipzig nicht jeden Tag für ein Neugeborenes ausgewählt wird: Yahya Sinwar war das erste Baby des Tages. Als i-Punkt malte eine Krankenschwester ein Herz auf die Tafel.

Der jüdische Musiker Ben Salomo wurde auf Instagram auf ein Bild der UKE-Tafel aufmerksam: »Sollte es in Deutschland erlaubt sein, sein Kind nach einem Terroristen & Massenmörder zu benennen? Was meint ihr?«, fragte er in die Runde.

Eingeimpfter Hass

Die Frage ist berechtigt. Denn die Eltern des frisch geborenen Jungen ehren mit diesem Namen einen palästinensischen Terroristen. Yahya Sinwar, das Original, gehörte zu den Planern der Attacken und Massaker des 7. Oktobers 2023 in Israel.

Nachdem Israel am 31. Juli 2024 Hamas-Führer Ismail Haniyya in Teheran getötet hatte, wurde Sinwar Chef der Terrororganisation. Diese Position hatte er zwar nur wenige Wochen inne, bis Israel am 16. Oktober auch ihn tötete. Allerdings war er auch schon zuvor mächtig gewesen, als Statthalter der Hamas in Gaza.

Lesen Sie auch

Krankenhäuser suchen keine Babynamen aus, sondern Eltern. Wer sein Kind heute nach dem Terroristen Yahya Sinwar benennt, prägt es damit.

»Irritation oder Unverständnis«

Am Montagnachmittag veröffentlichte die Uniklinik Leipzig eine Erklärung, da ihr offensichtlich nicht entging, dass der Fall Yahya für Aufregung sorgte: Der Name stehe »aktuell in einem politischen Kontext« hieß es darin. Bei einigen »Nutzer*innen« habe dies »Irritation oder Unverständnis« ausgelöst.

»Wir verstehen, dass der heutige Beitrag bei einigen Menschen negative Assoziationen geweckt hat«, so das UKL. »Dafür möchten wir uns ausdrücklich entschuldigen, wenn sich jemand durch den Post verletzt oder provoziert gefühlt hat. Wir nehmen alle Rückmeldungen ernst und werden unsere internen Abläufe noch einmal überdenken, um künftig sensibler mit solchen Themen umzugehen.«

In Deutschland können Eltern ihrem Baby zunächst jeden Namen geben, den sie wollen. Allerdings muss der Babyname später vom Standesamt eingetragen werden, auch damit er im Melderegister aufgeführt wird. Diese Behörde entscheidet, welche Vornamen offiziell anerkannt werden. Eingetragen werden nur Namen, die bestimmten Vorgaben entsprechen.

Spott oder Hänseleien

So dürfen Vornamen weder anstößig noch beleidigend sein. Auch Namen, die offensichtlich zu Spott oder Hänseleien führen könnten, haben in der Regel keine Chance. Werden mit einem Namen negative historische oder gesellschaftliche Assoziationen geweckt, lehnen viele Standesämter eine Eintragung ebenfalls ab.

Kommt es dann zum Streit zwischen dem Standesamt und den Eltern, muss ein Gericht entscheiden. Verboten wurden bereits Namen wie Adolf, aber auch Waldmeister, Tom Tom, Superman und Puppe. In Leipzig könnte es wegen Yahya Sinwar durchaus zu einer juristischen Auseinandersetzung kommen.

Leipzig ist kein Einzelfall. Der britische »Telegraph« stellte am Freitag eine rhetorische Frage: »Warum erhalten so viele britische Babys denselben Namen wie ein mörderischer Hamas-Terrorist?« Redakteur Brendan O’Neill schrieb: »Im Jahr 2024 wurde kein einziger Keir geboren. Dennoch teilen rund 583 Säuglinge ihren Namen mit dem Architekten des 7. Oktober.« Keir ist der Vorname des Premierministers Starmer.

Adolf und Yahya

Dann wird der Autor noch deutlicher: »Stellen Sie sich vor, 1945 hätten Hunderte Briten ihre neugeborenen Söhne Adolf getauft. Das hätte uns als Nation erschüttert, nicht wahr? Ähnlich geht es mir mit der Nachricht, dass im vergangenen Jahr in Großbritannien 583 Jungen den Namen Yahya erhielten.«

Für den »Jewish Chronicle« schreibt Daniel Ben-David: »Zwar besteht kein eindeutiger Zusammenhang zwischen der zunehmenden Popularität des Namens und der Unterstützung für den Terroristen, der ebenfalls diesen Namen trägt. Doch das Kalenderjahr, aus dem die Daten stammen, begann nur etwas mehr als zwei Monate nach dem 7. Oktober.«

Damit wurde der Name des Mörders und Terroristen in Großbritannien um 33 Plätze auf Platz 93 der populärsten Babynamen für Jungen hochkatapultiert.

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  02.07.2026 Aktualisiert

Augsburg

Neue »Initiative Antisemitismuskritik & Theater« gegründet

Rund 60 Theaterschaffende haben in Augsburg ein neues Netzwerk gegen Judenfeindlichkeit ins Leben gerufen. Ihnen geht es etwa darum, antisemitismuskritische künstlerische Werke zu entwickeln. Und sie wollen expandieren

von Christopher Beschnitt  02.07.2026

Protest

Zehntausende Gegner des AfD-Bundesparteitags in Erfurt erwartet

Erfurt hofft auf ein gewaltfreies Wochenende: Zum AfD-Bundesparteitag in der Stadt werden zehntausende Demonstranten erwartet. Kirchen, Parteien und Bündnisse rufen zu friedlichem Protest auf. Die Polizei bereitet sich auf mögliche Störungen vor

von Matthias Thüsing  02.07.2026

Nahost

Iran besteht auf militärische Kontrolle der Straße von Hormus

Die iranische Armee verlangt, dass Schiffe nur die vom Iran festgelegte Route durch die Meerenge nutzt

 02.07.2026

Diplomatie

USA und Iran sollen Fortschritte bei indirekten Gesprächen gemacht haben

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran erschweren eine Lösung der komplexen Konfliktlage im Nahen Osten. Nach indirekt geführten Gesprächen in Doha melden die Vermittler Fortschritte

 02.07.2026

Meinung

Was Deutschland von Albanien lernen kann

Wer immer noch überrascht tut und nicht konsequenter gegen die Mullahs vorgeht, handelt nicht nur fahrlässig, sondern lädt ihre Killer geradezu ein

von Ralf Balke  02.07.2026

Analyse

Vorteil Putin?

Früh hieß es, Russland sei einer der Profiteure des Iran-Kriegs und die Ukraine ein Verlierer. Doch das greift zu kurz

von Alexander Friedman  02.07.2026

Hintergrund

Wenn Juden- und Israelfeindlichkeit Extremisten aller Couleur vereint

Der Verfassungsschutzbericht 2025 verdeutlicht einmal mehr: Antisemitismus und Antizionismus sind der Bindekitt zwischen ansonsten inkompatiblen extremistischen Strömungen

von Michael Thaidigsmann  01.07.2026

Meinung

Warum Hessens Vorstoß mit der Meinungsfreiheit vereinbar ist

Die Landesregierung will die Leugnung des Existenzrechts Israels unter Strafe stellen. Mit einer veränderten Begründung und anderen leichten Modifikationen wäre der umstrittene Entwurf grundgesetzkonform

von Fiete Kalscheuer  01.07.2026