Meinung

Die Männer und der Frauentag

Nicht nur am Internationalen Frauentag merkt man es: Frauen sind aus den Leitungsgremien der jüdischen Gemeinden nicht wegzudenken. Auch dann nicht, wenn dieser Tag, der als Errungenschaft der Frauenbewegung gilt, zufällig mit Purim zusammenfällt. Frauen spielen deswegen schon seit Jahren und Jahrzehnten eine so wichtige Rolle, weil sie an viele Dinge ganz anders herangehen als ihre männlichen Kollegen.

Frauen, auch als Gemeindevorstände, sind oftmals emotionaler, mitfühlender und vermittelnder. Das heißt nicht, dass sie ihren männlichen Kollegen überlegen sind, sondern es bedeutet etwas viel Besseres: Männer und Frauen ergänzen sich im Team sehr gut; man merkt es immer dann, wenn schwierige Situationen zu bewältigen sind.

Zusammenarbeit Frauen sind eher bereit als Männer, Kooperationen einzugehen, Netzwerke zu initiieren oder auch mal einen Kompromiss zu suchen. Es ist diese Ergänzung – oder besser: dieses Korrektiv – zur eher männlichen Eigenschaft von Standfestigkeit, die zeigt, dass es auf Kooperation ankommt, auf Teams, in denen männliche und weibliche Gemeindemitglieder gut zusammenarbeiten.

Männer haben, das ist nicht negativ gemeint, einen männlichen Blick auf die Dinge, die in Gemeinden und auch außerhalb geschehen. Durch ihren anderen, den spezifisch weiblichen Blickwinkel geben Frauen dem Gemeindeleben neue Impulse. So vertreten sie die Gemeinde nach außen selbstbewusst und engagiert.

Das ist mehr als nur eine Ergänzung oder Erweiterung dessen, wie eine Gemeinde repräsentiert wird. Gerade, wenn eine Frau eine traditionell orthodox orientierte Gemeinde nach außen vertritt, zeigt dies, dass die Religion nicht altmodisch und rückwärtsgewandt ist. Wenn das Judentum eine Religion für diese Zeit und auch für die künftigen Zeiten ist, wenn es Antworten für eine moderne Welt, die hoch technisiert ist und die vor globalen Herausforderungen steht, bereithalten will und bereithält, dann ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sich alle jüdischen Menschen einbringen, Männer und Frauen.

Die Autorin ist Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen.

Essay

Fallstricke des Wokeismus

Gegenerzählungen zur westlichen Kolonialgeschichte bilden ein berechtigtes Korrektiv, aber was über Israel verbreitet wird, bedarf grundlegender Korrekturen

von Richard Blättel  22.06.2026

Kanada

Zwei Tote bei Anschlag im jüdischem Viertel von Montreal

Bei einem der Opfer soll es sich laut Medienberichten um Michael Moshe Mizrahi handeln, ein Mitglied der örtlichen jüdischen Gemeinde

 22.06.2026 Aktualisiert

Meinung

Wenn niemand sonst zu Israel steht

Unser Autor ist Schüler auf einem Gymnasium nahe Köln. Mit Entsetzen musste er feststellen, dass Antisemitismus und Israelhass in seiner Klasse weit verbreitet sind. Nun fragt er sich: Wie kann das sein?

von Jan Tersteegen  22.06.2026

Verhandlungen

USA lockern Sanktionen auf iranisches Öl

Nach »produktiven« Gesprächen mit dem Iran setzen die USA Teile ihrer Sanktionen gegen den Iran vorübergehend aus. Die Maßnahme könnte dem Iran Milliarden einbringen und die Energiemärkte beruhigen

 22.06.2026

Trauer

Orakel und Maestro

Über 18 Jahre lang herrschte Alan Greenspan als Zentralbankchef über die Zinspolitik der weltgrößten Wirtschaftsmacht. Mit 100 Jahren ist er nun gestorben

von Anna Ringle, Thomas Kaufner  22.06.2026

Debatte

Jüdischer Verein verlangt Schutz für das Tragen religiöser Symbole

Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen: Bei einem Prozess wegen Volksverhetzung in Flensburg musste eine Zuschauerin ihre Davidsternkette ablegen. Der Verein Jüdischer Hochschullehrender fordert nun Maßnahmen von der Justiz

 22.06.2026

Berlin

Mann mit Kippa beleidigt und bespuckt

Laut eines Medienberichts kam es am Samstag in Berlin-Charlottenburg zu einem antisemitischen Vorfall

 22.06.2026 Aktualisiert

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  22.06.2026

Berlin

Nova-Ausstellung: Interne Unterlagen zeigen Streit um Fördergeld

Die Finanzierung des Projekts war bis zuletzt umstritten. Eine angekündigte Kürzung der Landesförderung in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro wurde zurückgenommen

 22.06.2026